Vasily Klyukin im Bank Austria Kunstforum

Die Haupträume des Bank Austria Kunstforum Wien sind den ganzen August über dem aus Moskau stammendem Vasily Klyukin gewidmet. Er zeigt raumgreifende Objekte, die die großen Fragen unserer Zeit thematisieren.


„Vasily Klyukin sieht den Menschen sowohl als die größte kreative, aber auch die größte disruptive Kraft“, erklärt Kuratorin Anne Avramut die Grundhaltung von Vasily Klyukin, der bereits im Russischen Staatsmuseum St. Petersburg oder dem Arsenale Nord während der Venedig Biennale ausstellte und aktuell seine Thesen in der BKA-Schau „Civilization“ ausverhandelt. Ansichten, die nicht nur die Rolle des Menschen in der Welt befragen, sondern auch die Beziehungsstrukturen von Natur und Kultur und die Distanz, die sich zwischen den beiden aufgebaut hat.

Für die großen Fragen die Klyukin beschäftigen wählt er teils große Formate. Aus Polykarbonat und Stahl sind seine dreidimensionalen Objekte, nie geklebt, sondern in präzisier Konstruktion gesteckt. In einem Wechselspiel aus Computer generierter digitaler Skizze und Karton-Vorbau entstehen die bis zu sechs Meter hohen Körper, die die Ausstellungsräume in unterschiedlicher Ausformung bevölkern. „Klyukins Figuren, basierend auf numerischen Daten von mathematischen Formeln und geographischen Koordinaten, vereinen die Präzision physikalischer Gesetze mit der künstlerischen impulsiven Geste und anthropologischen Überlegungen zu unserer Zeit“, fasst Avramut zusammen. Teilweise werden die gezeigten Volumina mit Video und Licht animiert, an anderer Stelle wirken sie roh und für sich. In jedem Fall sollen sie nicht nur zwischen dem Zwei- und Mehrdimensionalen spielen – es gibt immer einen Winkel, aus dem jedes Objekt flach scheint – sondern auch mit den Interpretationsmöglichkeiten. Eine häufig wiederholte Form ist der Kreis, aufgefächert mit raumgreifenden Splittern. „Es könnte eine Iris sein, ein Vulkankrater, eine Turbine und so weiter“, erklärt der Künstler, der heute zwischen Südfrankreich und Monaco lebt.

Vasily Klyukin und die Kuratorin Anne Avramut, Foto: Oleksi Zakharov

Ausstellungsansicht, Foto: Sandro E. E. Zanzinger

„Meine Kunst ist eine Reise, und die geht immer in die Zukunft. Selbst um unser Heute zu sehen, schicke ich den Betrachter erst in die Zukunft, um von dort einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Ich bin Optimist – Wenn die Gegenwart weiter existiert, man weitergehen kann, dann wird unsere Welt auch weiter existieren“, erklärt Klyukin gegenüber Kuratorin Anne Avramut im zur Ausstellung erschienenen Katalog. Es war der kuratorisch richtige Schachzug Avramuts, die stärkeren rein schwarzen Formen Klyukins an den Anfang der Ausstellung zu stellen und für sich wirken zu lassen und die farbgetränkten, teilweise mit konservierten Blüten übersehenen Objekte erst in die folgenden Räume zu hängen. Denn, in der undefinierten Tiefe der wie verbrannt wirkenden, verkohlten schwarzen Formen bleiben die Assoziationen weit offen und damit ergibt sich auch Raum tatsächlich einen kritischen Kommentar gegenüber dem Zustand der Erde zu erkennen. Bei einigen der farbkräftigen Objekte und goldenen Formen verliert sich dieses Potenzial hingegen in zerstreuendem Kitsch und wohl kaum intendiertem Chaos.

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8, 1010 Wien
Österreich

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