Ursi Fürtler und Inge Dick

Ob vom Studium ausgeschlossen, vom Ringen mit einer männlich dominierten Branche erschöpft oder, wie wir uns in unserer Serie „Overshadowed“ ausführlich widmen, vom berühmten Künstlergatten überschattet und in die Rolle von Ehefrau und Mutter gedrängt – Kunst von Frauen ist seit jeher im Verzug, die strukturellen Hürden vielfältig und gnadenlos. Und doch sind es häufig gerade Künstlerinnen, die mit radikalen Arbeiten und pionierhaften Ansätzen die Kunstgeschichte entscheidend mitgeprägt haben – auch wenn ihre Beiträge lange unsichtbar blieben. Um dem entgegenzuwirken rücken wir dieses Jahr Frauen in den Fokus und beginnen mit zwei außergewöhnlichen Künstlerinnen:
URSI FÜRTLER –
Kunst aus Linien und Punkten
Ein meterlanger und breiter Arbeitstisch, auf dem unterschiedliche Stoffmuster aus Samt, Seide oder Chenille, einfarbige, glatte, plissierte, gemusterte oder mit Struktur versehene für Probedrucke, aber auch fertige Schals und textile Objekte in scheinbarer Unordnung liegen. Daneben auf Regalen die Gebinde mit Pigmenten, allerlei Gerätschaften, um diese anzumischen, außerdem Schablonen, jede Menge Skizzen, Papiere, Ordner, Kataloge und ein Auftragsbuch aus den 1980er-Jahren, in dem jeder Entwurf samt Namen der Auftraggeber:innen oder Käufer:innen akribisch vermerkt ist. So sieht das Herzstück von Ursi Fürtlers Atelier und Zuhause in einer Mödlinger Villa aus. »Hier bin ich glücklich«, sagt sie.
Geboren vor 87 Jahren, eilt Ursi Fürtler behende entlang des Tisches, um dem Besuch zu erklären, wie ihre Kunst entsteht. Der Stoff wird auf der festen Unterlage angepinnt, Schablone und Siebdruckrahmen werden vorbereitet, Flächen abgeklebt, Farben angemischt und aufgetragen, um dann mit einer Rakel durch den Rahmen gedrückt zu werden. Mit nur drei unterschiedlichen Schablonen entsteht durch Verschiebungen auf den Stoffoberflächen eine Vielfalt an Mustern, die durch die Bewegung der oftmals plissierten Stoffe wie Vogelgefieder oder Reptilienhaut zu flimmern und schimmern scheinen. Weiter lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe PARNASS 01/2026 ab Seite 120.

Ursi Fürtler, ohne Titel, 1970er Jahre, Gouache auf Papier, Foto © MAK/Christian Mendez
INGE DICK –
VOM LICHT BERÜHRT
Inge Dicks Œuvre entfaltet sich als eine stille, aber umso radikalere Untersuchung des Lichts. Ihre Arbeiten offenbaren, was dem bloßen Auge oft entgeht: die sanfte Veränderung des Tageslichts.
Schon in ihrer Jugend begann ihre Auseinandersetzung mit der Philosophie des Zen-Buddhismus und der Kunst der japanischen Tuschezeichnung. Doch Inge Dicks Weg zur Kunst war kein einfacher. 1941 hineingeboren in eine Künstlerfamilie, war sie durch den frühen Tod der Mutter als ältestes Kind verantwortlich für ihre Geschwister und den Haushalt und auch später, nach Absolvierung ihrer Ausbildung, Heirat, Geburt der Kinder und Scheidung musste sie sich als Alleinerzieherin die Zeit für ihre Kunst erkämpfen.
Durch die Künstlerin Eva Choung-Fux kam die ausgebildete Grafikerin und Malerin Inge Dick zur Fotografie. Erste Schwarz-Weiß-Bilder entstanden, in denen sie Licht und Schattenreflexe, die sich im Verlauf eines Tages im Raum ergeben, untersuchte. Ein avanciertes Unterfangen. Denn anders als in der damals populären Autor:innenfotografie setzte sie die Fotografie nicht ein, um Dinge der Wirklichkeit abzubilden. Vielmehr analysiert sie die kaum wahrnehmbaren Phänomene Licht und Zeit und macht sie zum Hauptmotiv ihrer Bilder. Weiter lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe PARNASS 01/2026 ab Seite 124.

Inge Dick, rot, 1998, 18:35 Uhr, © Inge Dick / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Herman Seidl, Fotohof / Bildrecht, Wien 2026
Triptychon aus Unterwasserthemenpark, Sakralbau und KläranlageIm Portrait – Florentina Holzinger













