Unsere Tipps: Sommer 2025 in Salzburg

Salzburg Stadt, Salzburgland, Salzburg Umgebung, Salzkammergut – egal, wo man sich diesen Sommer im und um das Mozart'sche Bundesland bewegt, wird man von einem vielseitigen und hochkarätigen Kunstprogramm abgeholt. Wir haben die spannendsten Tipps und wichtigsten Eckpfeiler für eine ordentliche Prise Salzburg zusammengefasst.
Tony Cragg
DomQuartier | 24. Juli bis 6. Oktober 2025
In Kooperation mit der Galerie Thaddaeus Ropac gelingt diesen Sommer eine einzigartige zeitgenössische Intervention in den Prunkräumen des DomQuartiers. Die Fürsterzbischöfe von Salzburg haben seit jeher die besten Künstler ihrer Zeit eingeladen, ihren Beitrag zur Ausstattung der Prunkräume der Residenz zu leisten. Meist bedeutete dies, sich mit bereits vorhandenen künstlerischen Gestaltungen auseinanderzusetzen. So erscheint die erste Ausstellung zeitgenössischer Skulpturen in diesen Räumen naheliegend. Der britisch-deutsche Bildhauer Tony Cragg entwickelt im Dialog mit den Prunkräumen Werke, die der Wahrnehmung dieses historischen Ortes neue Impulse verleihen. Dabei greift er auf historische Motive zurück, die ihn bei früheren Besuchen der Prunkräume beeindruckt haben, und nutzt sie als Basis für seine neuen, speziell für diesen Ort geschaffenen Skulpturen.

Tony Cragg, Untitled #13, Stein, 110 x 91 x 68 cm, © Bildrecht, Wien 2025, Foto: Michael Richter
Anke Eilergerhard
Galerie EBORAN | bis 29. August 2025
Zur Salzburger Festspielzeit 2025 zeigt die Galerie EBORAN erstmals Werke der international renommierten Berliner Künstlerin Anke Eilergerhard. Ihre Ausstellung »ÜBERZUCKERT« verwandelt die Galerie in ein visuelles Fest der Sinne: Die farbintensiven Skulpturen wirken wie süße Versuchungen aus einer pastellfarbenen Welt, bestehen jedoch aus hochpigmentiertem Silikon, das Eilergerhard mit einem eigens entwickelten manuellen Spritzgussverfahren verarbeitet. Im Zentrum ihrer Arbeiten stehen Sahnehauben – für die Künstlerin eine »perfekte skulpturale Form« mit kosmischer Dimension. Hinter der zuckrigen Oberfläche verbirgt sich eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie Schönheit, Überfluss, Perfektionsdruck und dem Einfluss visueller Reize in einer bildfixierten Gesellschaft. Die Werke sind gleichermaßen verspielt wie konzeptuell tiefgründig.

Anke Eilergerhard, Protective Mind Balance (Detail), hochpigmentiertes Silikon, 125h x Ø60 cm, © Studio Eilergerhard
Daniel Richter
Thaddaeus Ropac | bis 27. September 2025
Daniel Richter (*1962) zählt zweifelsfrei zu den bedeutendsten deutschen Malern der Gegenwart. Seine künstlerische Laufbahn begann in den 1990er-Jahren mit abstrakten, farbintensiven Werken, die zwischen Graffiti und ornamentaler Malerei oszillierten. Ab etwa 2002 integrierte er zunehmend figurative Elemente, inspiriert von Medienbildern und historischen Darstellungen, und entwickelte eine Bildsprache, die zwischen Figuration und Abstraktion changiert. Seine Arbeiten zeichnen sich durch chaotische Kompositionen, fragmentierte Körper und leuchtende Farbkontraste aus, die eine Atmosphäre von Unruhe und künstlicher Intensität erzeugen. Im Sommer 2025 leitet Thaddaeus Ropac nun den Blick auf die neuesten Arbeiten des Künstlers. Es handelt sich um surreale und farbintensive Werke, die verschlungene, amorphe, wesenhafte Gestalten vor flächigen Hintergründen zeigen.

Daniel Richter, Pflüge die Lüge (Detail), 2025, © Daniel Richter / VG Bildkunst, Bonn 2025, Courtesy Thaddaeus Ropac gallery, London · Paris · Salzburg · Milan · Seoul, Foto: Eric Tschernow
Arang Choi
Elektrohalle Rhomberg | bis 30. August 2025
Elektrohalle Rhomberg präsentiert ab Mitte Juli 2025 die bereits zweite Einzelausstellung der in Wien lebenden Künstlerin Arang Choi (*1992 Seoul). Gezeigt werden aktuelle, eigens für diese Ausstellung konzipierte Arbeiten. In ihren neuesten Werken lässt sich die Künstlerin von barocker Grisaille-Malerei inspirieren, insbesondere von »falschen Reliefs « des Trompe-l’oeil, und arbeitet hierbei mit einer reduzierten Farbpalette. Innerhalb einer unverwechselbaren Bildsprache entwickelt Choi wiederkehrend das Wesen »Èmulb« – eine ambivalente, plastische Darstellung einer hybriden Kreatur. In diesem Geschöpf verschmelzen tierische, menschliche und fantastische Züge mit skulpturalen, botanischen und architektonischen Anklängen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Augen dieser Figuren, denen Choi eine zentrale Rolle als Ausdruck von Empathie einräumt.

Arang Choi, Crystaltree, 2024, Öl auf Leinwand, 170 x 300 cm, Courtesy the artist & Elektrohalle Rhomberg, © Dirk Tacke / Bildrecht, Wien 2025
Axel Hütte
Nikolaus Ruzicska | bis 30. August 2025
Axel Hütte legt in seiner Sommerausstellung den Fokus auf eine Serie an Landschaftsfotografien, die im Jahr 2022 in Süddeutschland entstanden sind. In seinen großformatigen Bildern verbindet der Fotograf analytische Präzision mit subtiler Emotionalität. Als Meisterschüler von Bernd und Hilla Becher an der Kunstakademie Düsseldorf entwickelte Hütte eine unverkennbare Bildsprache, die zwischen Dokumentation und Abstraktion oszilliert. Sie hinterfragt den Anspruch objektiver Fotografie und eröffnet einen Raum, in dem sich Wahrnehmung und Erinnerung überlagern. Die gezeigten Motive – Seen, Teiche und Moore – wirken still und verdichtet. Hütte verzichtet auf weite Panoramen und wählt fragmentierte Ausschnitte, Spiegelungen und invertierte Farben. Mit einer Plattenkamera und gestochen scharfen Kontaktabzügen fängt er grafisch-dynamische Wasserflächen ein, die sich zwischen Abbild und Abstraktion bewegen. Die Betrachtenden geraten mitten in ein vegetatives Gewimmel, das klassische Landschaftsdarstellungen auflöst und Bildräume in stetiger Bewegung eröffnet.

Axel Hütte, Blaubeuren-3, 2022, InkJet Print, Courtesy Galerie Nikolaus Ruzicska und the artist
VALIE EXPORT
gmunden.photo #5 | bis 10. August 2025
Die gmunden.photo richtet dieses Jahr VALIE EXPORT eine monografische Schau aus. Das Projekt, das am Kunstareal Stadtgarten sowie im Kunsthaus Blaue Butter in Gmunden zu sehen sein wird, würdigt das visionäre, radikale und hochpolitische Werk der Künstlerin, die im Mai ihren 85. Geburtstag feierte. Ihr Œuvre umfasst mehr als fünf Dekaden und war von Beginn an von der kritischen Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Identität, Körper und Medien geprägt. Ihre Themen sind bis heute aktuell und brisant. Die von Lisa Ortner-Kreil kuratierte Ausstellung zeigt bekannte Arbeiten der Künstlerin, bietet aber auch, im Kontext des öffentlichen Raumes und durch einen innovativen Umgang mit den Ausstellungsbedingungen vor Ort, die Möglichkeit, das Werk von VALIE EXPORT in einer neuen Form zu betrachten. Lisa Ortner-Kreil hat dazu gemeinsam mit dem Studio VALIE EXPORT ein ortsspezifisches Konzept erarbeitet, bei dem die Frachtcontainer, die seit mehreren Jahren das Ausstellungsdisplay in Gmunden ausmachen, als gestaltende Elemente miteinbezogen werden.

VALIE EXPORT, Tapp- und Tastkino, 1968, © VALIE EXPORT, für gmunden.photo #5
ERWIN WURM
Marmorschlössl Bad Ischl | bis 26. Oktober 2025
Das Areal der Kaiservilla in Oberösterreich wird zur Spielwiese für Erwin Wurms Skulpturen. Mit gut 50 Exponaten befragt die Ausstellung in Bad Ischl den österreichischen Zeitgeist und zeigt Werke, die Erwin Wurms Sozialisierung behandeln. Alfred Weidinger und Lucas Cuturi haben die Ausstellung hinsichtlich der Örtlichkeit clever kuratiert: Durch den Kaiserbezug kommen sich in der Schau pompöser Luxus und soziopolitische Enge ganz nah. »Wir selbst nehmen ja ständig zu und ab – Körpervolumen zu verändern ist ein bildhauerisches Prinzip«, sagt Wurm und zeigt auf das »Fat House« (2003). Das riesige Marshmallow mit Schindeldach führt gesellschaftliche Ideale, wie den Traum vom Einfamilienhaus, ad absurdum. In unmittelbarer Nähe zum Marmorschlössl positioniert, verweisen Styropor und Spachtelmasse des »Fat House« auch auf eine normierende Körperpolitik. So wird die Werkschau in Bad Ischl zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Körperkult, Luxus und österreichischen Gesellschaftsnormen.

Erwin Wurm, Fat House, 2003, Mixed Media, im Inneren läuft das Video: Am I a house? 2005, 8:40 min, © OÖLKG, Michael Maritsch
• Lavinia Lanner, Michaela Kessler, Julian Khol & Jörg Reissner
• Anouk Lamm Anouk
• Eva Schlegel & Constantin Luser
3 Sommerausstellungen der Galerie 422
Mit drei Ausstellungen lädt die Galerie 422 im Sommer ein, nach Gmunden zu kommen. Den Beginn machte eine Gruppenausstellung mit Werken von Lavinia Lanner, Michaela Kessler, Julian Khol und Jörg Reissner (bis 21. Juni). Danach präsentiert die Galerie eine Einzelausstellung von Anouk Lamm Anouk (28. Juni bis 2. August) und eröffnet am 9. August eine Dialogausstellung von Eva Schlegel und Constantin Luser. Am Eröffnungstag wird hierzu ein Künstler:innengespräch, moderiert von PARNASS Chefredakteurin Silvie Aigner, stattfinden.

Eva Schlegel, aus der Serie "Liminal Spaces", 2022, © by the artist / Bildrecht, Wien 2025
Maureen Kägi & Thomas Reinhold
L.art Galerie | bis 27. September 2025
Ab Anfang August präsentiert der Salzburger Standort der L.art Galerie Werke von Maureen Kägi und Thomas Reinhold. Maureen Kägis Werk umfasst ein breites Spektrum von Malerei und Zeichnung über Performance bis hin zu konzeptionellen Ansätzen mit Raum und Umgebung. Charakteristisch für ihre großformatigen Arbeiten ist eine Komposition aus Liniengeflechten, die sie mittels verschiedenfarbiger Acrylstifte entwickelt.
Gegenübergestellt wird Kägis Arbeit die Malerei von Thomas Reinhold, in der sich ein Spiel zwischen Zufall und Kalkül manifestiert. Sein malerisches Mittel ist die fluide Eigenschaft und die Materialität der Farbe per se. Diese wird nicht mit dem Pinsel aufgetragen, sondern geschüttet – auf Basis einer vorab konzipierten Bildkomposition. Die Farbe unternimmt dann gleichsam nach der Regie des Malers wie von allein ihre Schritte, rinnt und verdichtet sich.

Thomas Reinhold, Netze (Detail), 2006, Öl, Tempera auf Leinwand, 205 x 170 cm, Foto © Jorit Alst
Weitere Tipps zum 15-jährigen Jubiläum von sommer.frische.kunst, den Künstler:innen-Kollektionen von Gmundner Keramik und mehr gibt's in der PARNASS Sommerausgabe 02/2025.

