Installation view, Sofia Mitsola, Psyche of Fae O, Galerie Eva Presenhuber, Vienna, 2026, © Sofia Mitsola, Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / Vienna, Photo: Jorit Aust

Bei Kälte hilft Bewegung – und ein flotter Spaziergang führt in Wiens Galerien, um einige der neuen Programme in Augenschein zu nehmen. Die Theorien und Konzepte hinter den Ausstellungen bringen garantiert auch die kleinen grauen Zellen in Schwung!


Emanuel Layr

„…each thing is itself in not being itself, and is not itself in being itself…”

bis 28.02.2026

Ausgehend von den „Grundlagen der religiös-spirituellen und ontologischen Philosophie Keiji Nishitanis“, eines Heidegger-Schülers, präsentiert Layr eine Gruppenschau, die die Denkschulen des Westens und des Ostens anhand künstlerischer Interventionen „vergleichen und synthetisieren“ möchte. Dies alles manifestiert sich in Installationen von Philipp Timischl oder Petr Válek, einem Video von Igor und Iwan Buharov, dem Stoff von Anna Andreeva oder den Collagen von Luboš Plný. Kurator Boris Ondreička führt uns an die Gestade der Metaphysik: keine Ausstellung für Denkfaule!

Ausstellungsansicht “...each thing is itself in not being itself, and is not itself in being itself...”, Emanuel Layr, 2026, Courtesy of Emanuel Layr

Ausstellungsansicht “...each thing is itself in not being itself, and is not itself in being itself...”, Emanuel Layr, 2026, Courtesy of Emanuel Layr


Galerie Elisabeth & Klaus Thoman

Peter Sandbichler. Objective correlative

bis 14.03.2026

Greifbarer wirkt da Peter Sandbichlers neue, Splinters genannten Werkgruppe aus Holz. Der Tiroler bläst historische Objekte wie etwa Schienen zur Stabilisierung von Beinverletzungen aus dem 2. Weltkrieg zu großformatigen Wandskulpturen auf; deren Haptik verführt zum Angreifen. Der Titel objective correlative der Präsentation wiederum bezieht sich auf T.S. Eliots literarisches Konzept der Vermittlung von Emotionen. Dieses münzt Sandbichler hier in eine körperliche und räumliche Erfahrung um. Auch seine aktuelle Installation in der Albertina im Rahmen der Schau „Faszination Papier“ verdeutlicht sein Konzept.

Ausstellungsansicht "Peter Sandbichler. objective correlative", Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, 2026, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / kunst-dokumentation.com

Ausstellungsansicht "Peter Sandbichler. objective correlative", Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, 2026, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / kunst-dokumentation.com


Eva Presenhuber

Sofia Mitsola. Psyche of Fae O

bis 10.04.2026

Sündige Frauengestalten mit langem, rotem Haar – wer würde da nicht an Klimts „Judith“ oder Franz von Stucks „Sünde“ denken? Sofia Mitsola nimmt diese und noch viele andere Referenzen wie Edvard Munch oder Egon Schiele auf eine Reise mit, in der sie die Psyche der Fantasiegestalt Fae O erforscht. Dies auch im übertragenen Sinn: Herzstück der Schau ist ein theatraler Schminktisch (hierzulande auch Psyche genannt), um den herum sich die Porträts der Protagonistin gruppieren. Henri de Toulouse-Lautrecs Fin de Siècle vermischt sich darin mit der Ästhetik von Susan Sontag’s Camp. Und doch steht Fae O, all den abrufbaren, tradierten Vorbildern zum Trotz, sehr selbstbewusst auf eigenen Beinen – und diese spreizt sie, nackt, den Besucher:innen entgegen.

Installation view, Sofia Mitsola, Psyche of Fae O, Galerie Eva Presenhuber, Vienna, 2026, © Sofia Mitsola, Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / Vienna, Photo: Jorit Aust

Installation view, Sofia Mitsola, Psyche of Fae O, Galerie Eva Presenhuber, Vienna, 2026, © Sofia Mitsola, Courtesy the artist and Galerie Eva Presenhuber, Zurich / Vienna, Photo: Jorit Aust


Galerie Ernst Hilger

Noushin Redjaian. Tree of life

bis 06.03.2026

Die Grazerin mit iranischen Wurzeln – eine unserer Up&Coming Künstlerinnen 2025 – bekommt hier erstmals die Gelegenheit, unterschiedliche Werkgruppen gemeinsam zu präsentieren. Verführerisch glitzert es von ihren kleineren gerahmten Teppicharbeiten, die sich aus oxidierten Eisenrahmen falten. Auch großformatige Arbeiten schafft sie aus alten Teppichen, etwa eine Installation bestehend aus Sefirot, einen Baum, unter dem eine weibliche Figur, Mneme, liegt. Die Sefirot sind Kanäle, durch die das Göttliche verständlich wird; Redjaian macht hingegen das Poetische sichtbar. Wie etwa auch in der wunderbaren Arbeit where love goes: ausgestreckte Hände und darüber ein schwebendes Herz. Rilke und seine Zeile „Ich fasse dich mit meinem Herzen wie mit einer Hand“ drängt sich auf. Materialpoesie!

Ausstellungsansicht "Noushin Redjaian. Tree of Life", Galerie Ernst Hilger, 2026, © by the artist, Courtesy of Galerie Ernst Hilger, Foto: @KatharinaSchiffl

Ausstellungsansicht "Noushin Redjaian. Tree of Life", Galerie Ernst Hilger, 2026, © by the artist, Courtesy of Galerie Ernst Hilger, Foto: @KatharinaSchiffl


Galerie Martin Janda

Pozzetto

bis 14.03.2026

Pozzetto – was ist das? Anklänge an Bozzetto (skizzenhaftes Modell für eine Plastik) sowie an den italienischen Ausdruck für Cockpit sorgen für eine assoziationsreiche Gruppenschau. Eine zweiteilige Skulptur von Werner Feiersinger greift die technische Ästhetik auf, während Objekte von Katharina Hölzl und Cäcilia Brown miteinander über den Raum hinweg durch ihre Formen kommunizieren. Der Unterstock ist Miriam Stoney und ihren skulpturalen „Ecken“ gewidmet, in denen sie den alltäglichen Blick auf Objekte im Haushalt verarbeitet, etwa auf Steckdosen oder Spitzenvorhänge. Passend dazu schreibt Seymour Polatin im Handout: „Es hat etwas Brutales, diese Vorhänge der Existenz zu entfernen, in denen ich ein unabhängiges Wesen bin und der Raum außerhalb von mir liegt“.

Ausstellungsansicht "Pozzetto", Galerie Martin Janda, 2026, Courtesy of Galerie Martin Janda, Foto: kunst-dokumentation.com

Ausstellungsansicht "Pozzetto", Galerie Martin Janda, 2026, Courtesy of Galerie Martin Janda, Foto: kunst-dokumentation.com


Crone Wien

Smooth Operations

bis 13.03.2026

Didaktisch geht es bei Crone Wien zu. Anhand aktueller Strömungen abstrakter Malerei überlegt man, inwiefern diese ein Seismograf für den Zeitgeist, für politische, technologische und gesellschaftliche Entwicklungen sein könnten. Die These „Je aufgeheizter die Stimmung ist, desto ruhiger, besinnlicher geht es auf der Leinwand zu“ soll durch Arbeiten von österreichischen und deutschen Künstler:innen untermauert werden, die das Disruptive aufgreifen und in einem zweiten Schritt ästhetisieren. Diesem interessanten Ansatz wäre man gern gefolgt; die hier ausgestellten Werke wirken jedoch teilweise etwas brav. Smooth sind sie aber jedenfalls!

Ausstellungsansicht "Smooth Operations", Crone Wien, 2026, Foto: Simon Veres, Courtesy Galerie Crone, Wien Berlin

Ausstellungsansicht "Smooth Operations", Crone Wien, 2026, Foto: Simon Veres, Courtesy Galerie Crone, Wien Berlin


Charim

Lisl Ponger. Tausendundein Prozent

bis 20.02.2026

Zeitgleich mit Lisl Pongers Präsentation im mumok kann man auch bei Charim in die wilden Welten der Österreicherin eintauchen. Anders als im Museum erzählt sie ihre Geschichten hier nicht als collageartige Präsentation von Objekten, sondern in Form analoger Fotografien. Ihre „Pongerische Perspektive“, die die Verflechtung von Kapital und Eroberung sichtbar macht, nimmt stets kulturelle Stereotypen aufs Korn. Die inszenierten Tableaus tragen Titel wie etwa „El Tio or where the money goes”; nicht nur ein Bergarbeiter mit Schutzhelm huldigt hier dem Unterweltsgott der bolivianischen Minen, sondern auch ein gestriegelter weißer Mann im Anzug, der mit Geldscheinen wedelt. Wahnsinnig subtil ist das nicht, aber dasselbe gilt wohl auch für den imperialistischen Prozess, den Ponger dekonstruiert.

 

Ausstellungsansicht "Lisl Ponger. Tausendundein Prozent", Charim Galerie, 2026, Foto: Flavio Palasciano

Ausstellungsansicht "Lisl Ponger. Tausendundein Prozent", Charim Galerie, 2026, Foto: Flavio Palasciano


ELISABETH WEDENIG. YOUR FACE IS MY LANDSCAPE
23.01. - 07.03.26

Unter dem Titel zeigt Wedenig eine Ausstellung, die sich den Themen Landschaft, Identität und Transformation widmet. Ihre Malerei bewegt sich zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion; reale und imaginäre Räume verschmelzen zu vielschichtigen Bildwelten. Ein zentraler Aspekt der Arbeiten ist die enge Verbindung zwischen Mensch und Natur. Ursprünglichkeit, Verbundenheit und Bewegung durchziehen die Bilder ebenso wie das Motiv des Flusses, das als Sinnbild für ständigen Wandel und Veränderung erscheint. Landschaft wird dabei nicht als statischer Raum verstanden, sondern als lebendiger, innerer wie äußerer Zustand.

Verve Galerie

Galerie Verve  |  Di-Sa 11.00-18.00  |  Schönborngasse 15/1, 1080 Wien  |  Mehr Informationen

 


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PARNASS 04/2025

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