Tun, Verwerfen, Überarbeiten, Neuansetzen

Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl in Schloss Parz

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Vier Lebensjahrzehnte trennen Siegfried Anzinger und Christian Rothwangl, in ihrer Haltung zur Malerei liegen sie dennoch erstaunlich nah beieinander. Die Galerie Schloss Parz bringt den Mitbegründer der "Neuen Wilden" und den 1993 in Bruck an der Mur geborenen Maler in einer gemeinsamen Ausstellung zusammen. Nicht die Ähnlichkeit ihrer Bildsprache ist der Ausgangspunkt, sondern das Vertrauen in den malerischen Prozess. Bei beiden entsteht das Bild im Tun, Verwerfen, Überarbeiten und Neuansetzen.


Siegfried Anzinger, 1953 in Oberösterreich geboren, zählt seit den frühen 1980er Jahren zu den wichtigen Positionen der österreichischen Gegenwartskunst. Christian Rothwangl studierte bei Gunter Damisch und Christian Schwarzwald an der Akademie der bildenden Künste Wien und ist mit seinen 33 Jahren bereits international präsent.

Interessant wird die Gegenüberstellung dort, wo sich ihre Arbeitsweisen berühren. Anzinger arbeitet mit dünner, wasserlöslicher Leimfarbe, die auf der Leinwand beinahe die Leichtigkeit eines Freskos entwickelt. Ist er mit einem Bild nicht zufrieden, wird die Farbe in der Badewanne seines Kölner Ateliers kurzerhand wieder abgewaschen. Die Leinwand trocknet und der Prozess beginnt von vorne.

Seine Malerei ist dabei stark figurativ. Menschen und Tiere, erotische Szenen, religiöse Figuren und mythologisch anmutende Gestalten tauchen immer wieder auf. Der Heilige Hieronymus mit dem Löwen ist beispielsweise einer der Protagonisten, der in Malerei und kleinen Skulpturen vorkommt. In den neuesten Arbeiten auf Papier und Leinwand kann man auch Anzingers Erinnerungen an seine Kindheit in Oberösterreich entdecken. Da dominieren Landschaften, Kühe, Hunde, Traktoren und bäuerliche Szenen. "Der Ausgangspunkt ist meist ein ganz kleiner Code", erklärt Siegfried Anzinger. "Früher war es mehr die Linie, jetzt im Alter gehe ich mehr vom Fleck aus. Und dazu braucht es eine Bildgrammatik."

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ich habe immer die großen Fragen des Lebens im Kopf und suche nach Antworten.

Christian Rothwangl

Auch Rothwangl arbeitet intuitiv und mit dem Zufall. Er trägt Acryl und Tusche auf, wäscht ab und übermalt. Frühere Entscheidungen bleiben als Spuren erhalten. "Das Bild ist für mich immer ein Experimentierfeld", sagt er. Menschen, Tiere und Landschaften treffen auf religiöse und mythologische Anspielungen, Vertrautes kippt ins Rätselhafte oder Absurde. Die Themen ergeben sich durch den wortwörtlichen Blick aus dem Fenster. Beobachtungen und Erlebnisse fließen in seine Bilder ein. "Ich habe immer die großen Fragen des Lebens im Kopf und suche nach Antworten. Da ist Kunst ein guter Weg", so Rothwangl. Und punkto formaler Struktur seiner Werke sagt der Künstler: "Ich empfinde eigentlich auch meine figurativen Bilder eher als abstrakt. "

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

	Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Für Anzinger, der sich unter anderem von den Fingermalereien des Hermann Nitsch, der Kunst des britischen Malers Leon Kossoff oder auch des Japaners Kitagawa Utamaro inspirieren lässt, ist "der Prozess das Alpha und Omega". Genau darin treffen sich die beiden Generationen: Das Bild ist weniger Ergebnis eines Plans als sichtbare Geschichte seiner Entstehung. In den großzügigen, hellen Räumen der Galerie Schloss Parz sind die beiden Positionen räumlich getrennt und treten dennoch miteinander in Dialog.
 



 


Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl
"vom Land" & "Dressed as a bear"

bis 26. Oktober 2026
Galerie Schloss Parz

Mehr Informationen

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

Ausstellungsansicht "vom Land" & "Dressed as a bear", Siegfried Anzinger & Christian Rothwangl, Galerie Schloss Parz, 2026, Foto © Laurel Koeniger

PARNASS 03/2026

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