Renaissance trifft Avantgarde

Im steirischen Schloss Hollenegg sind einen Monat lang metallene Arbeiten von Künstler:innen und Designer:innen aus Österreich und aller Welt zu sehen, denen das jahrhundertealte Ambiente als Inspirationsquelle dient.
Auf einem sanften Hügel der Weststeiermark gelegen, öffnet sich das Tor von Schloss Hollenegg in einen romantischen, zweistöckigen Arkadenhof aus der Renaissancezeit, in dem zwischen blühenden Rhododendren, Glyzinien und wildem Wein eine meterhohe Metallleiter ins Auge sticht. Sie ragt scheinbar in den Himmel und sieht aus, als könnte man sie benützen. Genau das war die Idee von Luise Lutz und Michel Strümpf, den zwei von insgesamt sieben Studierenden der Universität für Angewandte Kunst in Wien, die von Hausherrin und Kuratorin Alice Stori Liechtenstein eingeladen wurden, sich an der diesjährigen Ausstellung zu beteiligen.
Nach Keramik, Glas, Holz und Textil widmet sich Schloss Hollenegg for Design heuer dem „wohl widersprüchlichsten aller Materialien, dem Metall. Es glänzt, altert, trägt Spuren der Zeit und ist gleichzeitig überall präsent, oft ohne bewusst wahrgenommen zu werden", sagt Alice Stori Liechtenstein. Man entdeckt es in Beschlägen, Werkzeugen, Waffen, Schmuck, Küchenutensilien oder architektonischen Details. Gerade diese permanente Präsenz hat sie während der Vorbereitungen fasziniert:
Ich habe bemerkt, es gibt Metall überall.

Jordi Albers, ELEMENT: METAL, Schloss Hollenegg 2026, Foto: Julius Hirtzberger
Wer durch die Salons des Schlosses geht, entdeckt zwischen historischem Mobiliar, altehrwürdigen Ahnenbildern und seidenen Tapeten die künstlerischen Interventionen. Ein besonderes Objekt ist der bronzene Spiegel von Elliott Hundley. Inspiriert von der Figur der Polyxena aus der griechischen Mythologie, verbindet seine Oberfläche Formen, die für Trauer, Ritual und Würde stehen. „Ich habe diesen Künstler vor einigen Jahren auf einer Kunstmesse kennengelernt", sagt Stori Liechtenstein, „seine Arbeit hat mich letztendlich zur Wahl des diesjährigen Themas bewegt."
Die Grenzen zwischen Kunst und Design verschwimmen. Da gibt es etwa die kleinen metallenen Zigarettenstummel als humorvollen Beitrag der Studentin Elena Riener, die scheinbar zufällig in den Räumen verstreut liegen, die Cyanotypien von Lea Liebl, die die Fensterformen des Schlosses auf Aluminiumplatten übersetzt, oder die interdisziplinäre Arbeit von Jordi Albers, der die Schnittstelle zwischen religiösem Ritual und zeitgenössischer Selbstfürsorge erforscht.
Neben den Studierenden hat Alice Stori Liechtenstein etliche namhafte Künstler:innen versammelt. Die japanische Künstlerin Junko Mori beispielsweise, die mit ihren aus unzähligen kleinen Stahlteilen geschweißten Arbeiten auf die Rahmen, Porträts und Blickachsen des Schlosses reagiert. Max Lamb und Philippe Malouin zeigen Objekte aus hundert Prozent recyceltem Aluminium, entstanden in Zusammenarbeit mit dem norwegischen Unternehmen Hydro. Hier geht es nicht nur um Form, sondern auch um Materialkreisläufe und nachhaltige Produktion.
Immer wieder wird Metall in der Ausstellung auch politisch und ökologisch gelesen. In der Bibliothek liegen Rohstoffe wie Malachit, Hämatit oder Kassiterit – Mineralien, aus denen Metalle gewonnen werden. Die Schau thematisiert damit auch die Kosten unserer Gegenwart: Wie viel Material muss bewegt werden, um Aluminium oder Kupfer zu gewinnen? Welche Rolle spielen Metalle in der Energiewende? Und wie nachhaltig ist die Rückkehr zu metallbasierten Technologien tatsächlich?
Das Designduo Soft Baroque bespielt das originale Badezimmer des Schlosses, die Kirgisin Altynai Osmo greift die vielen Pferdedarstellungen des Hauses auf und ergänzt sie mit einem spielerischen Einhorn aus Eisen als weibliche Gegenfigur zu den männlichen Reiterbildern der Vergangenheit. Der finnische Künstler Ildar Wafin lässt sich von den Glocken des Schlosses inspirieren, während der lettische Designer Mantas Lesauskas ein Schachspiel aus 3D-gedrucktem Aluminium entwickelt, dessen Figuren auf Formen und Rüstungen aus der Sammlung basieren.
Wichtig für Kuratorin Alice Stori Liechtenstein ist auch die Arbeit des Venezianers Lorenzo Zerbini. Er hat herabgefallene Blätter des alten Mammutbaums im Schlosspark in Bronze abgegossen und konserviert damit etwas Vergängliches in einem Material, das für die Ewigkeit gemacht ist. Die Teile sind auf einem Mobile präsentiert und werden später einzeln als Geschenk der Hausherrin an ihre Sponsor:innen und Unterstützer:innen übergeben.

Lorenzo Zerbini, ELEMENT: METAL, Schloss Hollenegg 2026, Foto: Julius Hirtzberger
ELEMENT: METAL
bis 31.05.2026
Schloss Hollenegg for Design
Künstler:innen:
Jordi Albers, Klemens Hegen, Elliott Hundley, Hannah Kuhlmann, Max Lamb, Lea Liebl, Mantas Lesauskas, Luise Lutz & Michel Strümpf, Sabine Marcelis, Philippe Malouin, Junko Mori, Altynai Osmo, Soft Baroque, Elena Riener, Ildar Wafin, Lorenzo Zerbini, Anna Zimmermann








