Ines Valentinitsch lädt zur Performance-Night in Graz

Raus aus der Komfortzone

Ines Valentinitsch und Veronica Vetrila während ihrer Performance am Canale Grande, Foto: Orlando Salmeri

Am 2. Juli lädt der Room of Fine Arts in Graz zu einem feministisch-sinnlichen Abend: Im Hof des Palais Trauttmansdorff wird Ines Valentinitsch ihre neue Skulptur „Breast Grapes" enthüllen – ein lebensgroßes Objekt aus Glasfaser, das mit der Anmutung saftiger Trauben verführt und zugleich ein kraftvolles Zeichen gegen die Sexualisierung von Frauen setzt. Im Anschluss zeigt die Künstlerin erstmals das Video „Fluid Venus", das während einer Performance gemeinsam mit Veronica Vetrila auf einer venezianischen Topa am Canale Grande anlässlich der Eröffnung der 61. Kunstbiennale Venedig 2026 entstanden ist. Die Ölkreidearbeiten im A3-Format, die Valentinitsch während der Performance auf dem Boot geschaffen hat, werden an diesem Abend aufgelegt und zum Sammlerpreis angeboten. Einführende Worte spricht Dr. Monika Holzer-Kernbichler vom Universalmuseum Joanneum.


Wer Ines Valentinitsch begegnet, trifft auf eine Künstlerin, die ihre Kunst nicht von ihrem Leben trennt. Ihre Arbeiten entstehen nicht nach Marktregeln oder Trends. Sie entstehen aus einem inneren Drang, aus dem Spüren von Energie, die sie in Kreativität verwandelt. „Ich male sehr schnell, ich werfe es hin, es ist wie ein Run gegen die Zeit", beschreibt die Künstlerin ihre Herangehensweise.
In Graz geboren und aufgewachsen, wurde die Künstlerin früh von Günter Brus entdeckt – dem 2024 verstorbenen Mitbegründer des Wiener Aktionismus –, als Valentinitsch als 13-Jährige bei einem Malwettbewerb mitmachte. Brus überzeugte ihre Eltern, sie an die Ortweinschule zu schicken, und wurde selbst zu einem wichtigen Mentor. „Ich besuchte Brus immer wieder in seinem Atelier und habe ihn verehrt."

Es folgten das Studium an der Universität für angewandte Kunst in der Modeklasse von Helmut Lang, der seinen Studierenden viele Chancen eröffnete, der Master an einer Kunstuniversität in Mailand und nach einigen Stationen das Sesshaftwerden mit Familie ebendort. Ein Job in der Modewelt bildet die Grundlage, die Kunst möglich macht. Zeichnungen, Skizzen, Gemälde und Skulpturen sind ihre Passion – und in der Performance hat Ines Valentinitsch eine Ausdrucksform entdeckt, in der Bewegung, Körper, Raum und Zeichnung zu einer Einheit werden.

Ich male sehr schnell, ich werfe es hin.

Ines Valentinitsch

Ihre Arbeiten beschäftigen sich mit dem Frau-Sein, mit Freiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen. Es geht nicht um Perfektion und nicht um Schönheitsideale. Es geht um den Menschen. Um den Körper als Träger von Erfahrungen, Erinnerungen und Verletzlichkeit. Meist stehen weibliche Figuren im Mittelpunkt. Nackte Körper, ungewöhnliche Stellungen und expressive Haltungen prägen ihre Bildsprache. „Mit wenigen, sicheren Linien entwickelt Valentinitsch Figuren, die zugleich kraftvoll und verletzlich wirken", beschreibt die Galeristin Martina Schafschetzy. Die Farbgebung bewegt sich häufig in fleischfarbenen, rosafarbenen und warmen Hauttönen, die den körperlichen Charakter ihrer Arbeiten noch unterstreichen.

Wer Valentinitsch bei der Arbeit erlebt, sieht keine inszenierte Künstlerin. Martina Schafschetzy beschreibt es so: „Sie trägt oft von Farbe übersäte Kleidung, denkt nicht an Frisur oder Schminke, ist oft nackt und verschwindet förmlich in ihrem Schaffen. Kunst ist für sie kein Beruf. Kunst ist ihr Zustand." Nach Inspirationsquellen gefragt sind es für Ines Valentinitsch die Künstler Otto Dix, George Grosz und Manfred Deix, die sie schon in jungen Jahren wegen der „Schönheit im Hässlichen" fasziniert haben. Aber auch Spiritualität und Meditation prägen sie.

Ines Valentinitsch bei der Arbeit an ihrer Skulptur „Breast Grapes“, Foto: Studio View

Ines Valentinitsch bei der Arbeit an ihrer Skulptur „Breast Grapes“, Foto: Studio View

Die Enthüllung der „Breast Grapes" bildet zugleich den Abschluss der Ausstellung „Wege in die Landschaft", in der Arbeiten von ihr, TOMAK, Hans Kupelwieser und Michael Kienzer zu sehen sind. Für dieses Thema hat sich die Künstlerin malerisch erstmals intensiv mit Bergen befasst. Dabei interessieren sie weniger geografische Landschaften als innere Zustände. Ihre Berge sind keine Abbilder der Natur. Sie sind Körperlandschaften und emotionale Räume in starken Farben.

Ihr Motto für den Abend im Hof der Grazer Galerie lautet: „Raus aus der Komfortzone!" Sie wird sich voll der Energie auf ihre Performance konzentrieren und auf diese Weise Assoziationen zur Weiblichkeit einerseits und zur männlich konnotierten Tätigkeit des Car-/Sculpture-Washing andererseits provozieren.

	Ines Valentinitsch und Veronica Vetrila während ihrer Performance am Canale Grande, Foto: Orlando Salmeri

Ines Valentinitsch und Veronica Vetrila während ihrer Performance am Canale Grande, Foto: Orlando Salmeri

 

Ines Valentinitsch. RAUS AUS DER KOMFORTZONE

2. Juli 2026, 18:30–21:00 Uhr

 

Die Werke von Ines Valentinitsch sind
Teil der Sommerausstellung.


 

ROOM OF FINE ARTS

Palais Trauttmansdorff Passage
Bürgergasse 5, 8010 Graz

Öffnungszeiten:
Mittwoch–Freitag, 14:00–19:00 Uhr sowie nach Vereinbarung.

 

MEHR INFORMATIONEN

Ines Valentinitsch, Rauminstallation im Palazzo Mora in Venedig mit Wandmalerei, Videoeinspielung und Glasobjekten. Zu sehen bis 22.11.2026.

Ines Valentinitsch, Rauminstallation im Palazzo Mora in Venedig mit Wandmalerei, Videoeinspielung und Glasobjekten. Zu sehen bis 22.11.2026.

 

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