Overshadowed – Christa Hauer

Die Kunstgeschichte titulierte die Künstlerinnen an der Seite von Malern und Bildhauern gerne als Partnerinnen, Assistentinnen, Schülerinnen und Musen. Positionen wie Leonora Carrington, Lucia Moholy oder Meret Oppenheimer standen ihren Ehemännern zur Seite, während ihre eigene Arbeit und Anerkennung zu kurz kam. In unserer Serie "Overshadowed" rücken wir diese Künstlerinnen in ihr verdientes Rampenlicht und geben ihnen den Raum, der ihnen bereits zu Lebzeiten gebührt hätte. Nach Susan Rothenberg widmen wir uns als Nächstes einer Künstlerin, deren aktivistische Arbeit noch heute nachwirkt: Christa Hauer.
In der Wiener und niederösterreichischen Kunstszene gibt es keine größere Kämpferin als Christa Hauer (1925–2013), was allumfassende Bemühungen um eine Veränderung der Gesellschaft durch die Moderne nach 1945 betrifft. Freilich hatte sie gute Voraussetzungen: Der Großvater war ein bekannter Sammler von Schiele, Kokoschka oder Egger-Lienz. Auch die Gaststätte Griechenbeisl, die später die „Galerie im Griechenbeisl“ beherbergen und für Christa Hauer eine bedeutende Wirkstätte werden sollte, kam durch ihn in den Besitz der Familie. Hauers Vater Leopold Hauer war ein von Sammlern wie Rudolf Leopold geschätzter realistischer Maler, der seine einzige Tochter in ihre künstlerische Laufbahn lenkte und ihr auch zutraute, die Galerie im Griechenbeisl zu leiten.
Doch Christa Hauer wollte erst einmal etwas anderes, nämlich Schauspielerin werden, was aber – so ihre Aussage – an Heiserkeit bei der Aufnahmeprüfung im Reinhardt-Seminar scheiterte. Mit 14 kam sie in die Wiener Kunstgewerbeschule, mit 18 auf die Akademie am Schillerplatz. Dann erfüllte sie sich 1953 bis 1960 nach schwierigen Studien in der Zeit des Nationalsozialismus mit extrem konservativen Professoren und Retro-Realismus den Wunsch, aus dem kulturellen Ödland zu Verwandten ins ferne Chicago zu gehen. Dort änderte sie nicht nur ihren Malstil durch Einfluss des abstrakten Expressionismus grundlegend, sondern konnte sich mit Gebrauchsgrafiken in Art der Wiener Werkstätte selbstständig machen. Nur widerwillig folgte sie dem Ruf ihres Vaters zurück aus ihrer Unabhängigkeit.

Christa Hauer, Lichtsignale, 1974, Öl auf Leinwand, 90 x 100 cm, © Galerie Kopriva, Christa Hauer, Bildrecht, Wien 2025
Es ging uns vorrangig um kulturpolitische Themen, nicht um feministische Frauenkunst, es ging nicht nur um die Kunst – wir haben an eine Utopie geglaubt.
DIE MALERIN
Dennoch widmete sie sich konsequent auch ihrer eigenen Malerei. Höhlenmalerei, William Turner und Mark Rothko dienten als Anregungen, neben dem tänzerisch bewegten Informel ihres Ehemannes Johann Fruhmann, der als Mitglied im Art Club in Wien mit seinem Werk damals reüssierte. Nach einer Phase lockerer Ovalformen mit Farbrinnen verschrieb sie sich eher meditativen Lichtkreisen in delikaten Farbflächen, die kosmisches Glühen vermitteln.
Diesen elementaren und auch überirdischen Licht- und Farbempfindungen folgte sie bis zu Fruhmanns frühem Tod 1985. Danach kamen harte Kanten zum Vorschein, Zickzackmuster, aber schließlich auch abstrahierte Meer-Landschaften, angeregt durch Reisen unter anderem nach Kroatien und Kuba. Insgesamt gesehen schließt sich ein konsequenter Weg (nach realistischen Anfängen in Wien) vom Informel mit US-amerikanischen Wurzeln über die Kreisbilder und eine hartkantig-geometrische Phase bis zu harmonischen semiabstrakten Landschaften.
DIE FEMINISTISCHE AKTIVISTIN IN WIEN UND LENGENFELD
Das 1975 von den Vereinten Nationen ausgerufene „Internationale Jahr der Frau“ wurde zur Initialzündung für Hauers feministisches Engagement. In Mexiko-City fand die erste UN-Weltfrauenkonferenz statt. In Österreich reagierte man mit dem ersten Frauenbericht der Bundesregierung, aber auch mit der Ausstellung „Österreichische Künstlerinnen der Gegenwart“ im damaligen Völkerkundemuseum (sic!). Die Auswahl der Positionen oblag einer rein männlich besetzten Jury, die von den Künstlerinnen öffentlich kritisiert wurde. „Dann sind wir hellwach geworden“, so Christa Hauer rückblickend in einem Interview mit Heidemarie Seblatnig 1988.
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Christa Hauer Selbstporträt, 1945, © Christa Hauer, Bildrecht, Wien 2025

Christa Hauer mit den Kuratorinnen Silvie Aigner, Elisabeth Voggeneder und Brigitte Borchhardt im Atelier Christa Hauer, Schloss Lengenfeld, 2002, Fotos: Christof Aigner
