Foto: Galerie Panarte

Parallel zur großen Op Art Ausstellung „VERTIGO, Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520 -1970“ im mumok präsentiert die Galerie PANARTE eine Auswahl eigener historischer Werke, die der Op Art wie dem Kinetismus zugezählt werden können. Die Palette ist durchaus bemerkenswert.


Die oft als oberflächlich und effekthascherisch gering geschätzte Op Art, deren Höhepunkt im Europa der 1960er und 1970er Jahren war, erfährt gegenwärtig eine Neu- und Aufwertung. Mit geometrischen Strukturen, überlagernden und verzerrten Rastern scheinen die Werke der Op Art zu vibrieren, zu kippen oder den Betrachter in einen schwindelerregenden Sog zu ziehen. Das menschliche Auge wird überfordert und überreizt, die Objektivität der Wahrnehmung doppelbödig unterlaufen. Eine kritische Haltung gegenüber dem Offensichtlichen wird gefordert. Im mumok wird das trügerische Spiel der Op Art in Bildern, Objekten und Filmen aufregend erlebbar und zudem in eigens errichteten Erfahrungsräumen auch physisch spürbar.

Die Galerie PANARTE setzt mit der aktuellen Schau „Optical Icons – black and white“ ebenfalls auf die verführerischen Irritationen der Op Art und zeigt mit Werken von Marina Apollonio, Hartmut Böhm, Ennio Chiggio, Franco Grignani, Wolfgang Ludwig und anderen eine Selektion, in welcher die museale Ausstellung im Bereich des Kunstmarkts durchaus ergänzend begleitet wird. Bewusst ist in der Galerie an der Hülben mit der aktuellen Schau ein Schwerpunkt auf Schwarz-Weiß gesetzt, zum einen um sich in der entschiedenen Reduktion von der gleichzeitigen musealen Präsentation abzusetzen; zum anderen, da im Schwarz-Weiß Kontrast jene Sinne-täuschenden Effekte oftmals intensiviert und sehr unmittelbar erfahrbar werden.

Die Arbeiten würden über die letzten acht Jahre zusammengesammelt und direkt von den Künstlerinnen und Künstlern erworben, die schon in der 1961 begonnenen Ausstellungsreihe „Nove Tencencij – Neue Tendenzen“ vertreten waren und damit als Pioniere der Op Art angesehen werden können. Die Materialien und ihre Anwendung sind vielfältig, Metall, Glas und Acrylglas, Holz und Neonröhren sind zu Objekten verarbeitet und manchmal motorisiert, genauso findet sich Ölmalerei auf Leinwand, Tusche oder Siebdruck. Immer ist das Werk mit höchster Präzision ausgeführt, oft akribisch mathematisch berechnet, in Skizzen genauestens vorbereitet und manchmal am Modell erprobt bevor schließlich das Werk mit größter Sorgfalt gefertigt wurde. Der Materialität ist eine bedeutende Rolle eingeräumt, wird doch etwa durch den gezielten Einsatz von Metallfolien die Suggestion von Tiefe und Raum gesteigert und mit Raffinesse zugespitzt.

Die oft als oberflächlich und effekthascherisch gering geschätzte Op Art, deren Höhepunkt im Europa der 1960er und 1970er Jahren war, erfährt gegenwärtig eine Neu- und Aufwertung.

Ein spielerischer Aspekt mischt sich in das Kalkül, wenn etwa Ennio Chiggio in seinem Objekt „Configurazione Quadrate Rotante“ von 1970 dem Publikum ermöglicht, die Winkel der einzelnen beweglichen Holzteile zu variieren. Mit traditioneller Ölmalerei auf Holz (ohne Titel, 1965) gelingt es Franco Grignani den betrachtenden Blick in einen irreführenden Strudel einer getreppten Spirale zu ziehen. Hartmut Böhm erzielt mit seiner nüchternen monochromen „Quadratentwicklung 4b“ (1972/73) durch die feinnuancierten Schattenwürfe im Relief eine verblüffend poetische Wirkung. Hinter dem Künstlernamen Dadamaino verbirgt sich eine weibliche Vertreterin der Op Art, sie montierte Metallblättchen auf einer schwarz grundierten Holztafel zu einer Figuration, die sich in den Raum zu wölben scheint und betitelte es treffend mit „Ogetto Ottico Dinamico“ (1963).

Basierend auf „Spazio Ad Attivazione Cinetica 6B“ von 1966 schuf Marina Apollonio 2007/08 eine Siebdruckserie auf Aluminium, die eine Aktualisierung der raumgreifenden Installation der 1960er Jahre darstellt. Diese wurde für die Vertigo-Ausstellung im mumok rekonstruiert und dient auf Einladungskarte und Katalog als Sujet. Mit Marian Apollonios vierteiliger Serigrafie stellt sich unmittelbar eine direkte Verbindung zur Ausstellung im mumok ein und damit eine einprägsame Erweiterung derselben im Kontext des gegenwärtigen Kunstmarkts.

Galerie PANARTE

An der Hülben 2, 1010 Wien
Österreich

Noch bis 19. Juni 2019

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