O Fortuna – Malperformance von Hannes Mlenek

Die Live-Malperformance „O Fortuna“ des Künstlers Hannes Mlenek fand am 15. Juni 2026 im Stadttheater Wiener Neustadt statt.
Es ist nicht die erste Malperformance des Künstlers Hannes Mlenek. 2015 entstand der Medusa-Zyklus ein interdisziplinären Kunstprojektes nach einer Idee und in einer Inszenierung des Choreographen und Tänzers Bert Gstettner, dem künstlerischen Leiter von Tanz*Hotel Wien, und der Musik von Günther Rabl. Auch hier galt es Musik, Malakt und Choreografie in einen formalen wie zeitlichen Dialog zu setzen. Das Arbeiten im großen Format liegt ihm, ebenso wie der Dialog mit dem Raum, das hat er in zahlreichen seiner Malinstallationen bewiesen – vom Künstlerhaus Wien, über das Museum Angerlehner, die Geschlechtertürme in seinem Atelier im Wiener Prater bis zum Naturraum im nördlichen Waldviertel. Die Linie ist dabei stets das primum movens, die er mit expressiver Geste über die Leinwand zieht. Dies umreißt mehr oder weniger eine oder mehrere Figuren ohne sich ihnen beschreibend anzunähern. So setzte er auch im Rahmen der Malperformance in Wr. Neustadt nur Fragmente des Figürlichen auf die in der Mitte der Bühne installierte Leinwand.

Hannes Mlenek, Malperformance "O Fortuna", Stadttheater Wr. Neustadt, 2026, Foto © Louai Abdul Fattah / Foto Soyka
Die Malperformance war gemeinsames Projekt des Stadttheaters Wr. Neustadt aus Anlass seiner Renovierung und dem Sammler und Unternehmer Werner Trenker, der für das Theaterfoyer auch drei Werke Mleneks aus Dauerleihgabe zur Verfügung stellte. Das interdisziplinäre Kunstprojekt zwischen Musik und Bildender Kunst wurde von einem Gespräch zwischen dem Opernsänger Rafael Fingerlos, der Kuratorin Barbara Steininger-Wetzlmair und dem Sammler Werner Trenker, moderiert von Barbara Großbauer, Geschäftsführerin des Stadttheaters Wr. Neustadt, eingeleitet.
Der Malakt selbst fand in Resonanz zu vom Künstler ausgewählten Ausschnitten von Carl Orffs Chorwerk „Carmina Burana“. statt. Dabei reagierte Hannes Mlenek sowohl auf den Rhythmus der Musik als auch auf den Inhalt der Kantaten.
Orff komponierte das Werk zwischen 1935 und 1936 auf der Grundlage einer mittelalterlichen Liedersammlung, die im Kloster Benediktbeuern entdeckt wurde. Diese umfasst über 250 Gedichte und Lieder aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, überwiegend in Latein, teilweise auch in Mittelhochdeutsch und Altfranzösisch. Die Themen, die dabei angesprochen werden, reichen vom Frühlingserwachen, über derb, groteske Wirthausszenen, bis über Liebeslieder, die einen Hauptteil bilden. Das Werk beginnt und endet mit dem berühmten Chor „O Fortuna“. Die Göttin Fortuna wird hier als launische Herrscherin dargestellt, die das Glück der Menschen ständig verändert.
„O Fortuna, wie der Mond, wechselst du ständig …“

Einführung zur Malperformance von Hannes Mlenek im Stadttheater von Wr. Neustadt, v.l.n.r.: Maria Großbauer, Geschäftsführerin Stadttheater Wr. Neustadt, Rafael Fingerlos, Opernsänger, Barbara Steininger-Wetzlmair, Galeristin, Kuratorin, Werner Trenker, Sammler, Unternehmer, MED TRUST Österreich, Foto © Louai Abdul Fattah / Foto Soyka
Es ist ein Text, der dem inhaltlichen Konzept von Hannes Mleneks Œuvre entspricht, setzt er in seinen Bildern doch stets auch den Menschen den Kräften der Natur und des Lebens selbst aus, verdichtet die Widersprüche und die Ambivalenzen und entwirft anhand seiner fulminanten Strichführung nicht nur ein formales Beziehungsgeflecht zwischen Linien und Flächen, sondern stets auch zwischen Eros und Psyche und zwischen den Geschlechtern, als wenn es die Möglichkeit für Kompromisse gar nicht gäbe. Insofern treffen sich die Botschaften der Musik, die von der die Unsicherheit des Lebens, den unberechenbaren Wendungen des Schicksals von Begehren und Liebe, von Vergänglichkeit des Glücks, ebenso von der Freude des Lebens erzählt, mit der Gedankenwelt des Künstlers.
Naturgemäß entstand während der halbstündigen Performance kein fertiges Bild, im Sinne einer Gültigkeit für den Maler, jedoch ein Einblick in den Malakt. Fulminant endete daher die Malperformance mit „O Fortuna“, die Bühne drehte sich und ein fertiges Großformat erschien, passgenau auf den Rücken der Leinwand angebracht.
Ein Moment dem man gerne nachgespürt hätte. Stille wäre angesagt gewesen. Anstelle dessen trat leider nochmals die Politik in den Vordergrund. Die Rede des Bürgermeisters, die Schenkung der in Zusammenhang mit der Malperformance bei der Werkstatt Kurt Zein entstandenen – sehr gelungenen – Editionen an die Stadt und das Stadttheater durch Werner Trenker und seine Frau. Auch wenn dies alles der Präsenz der Kunst dient, muss man erkennen, wann die Momente ganz allein dem Künstler gehören.

Hannes Mlenek, Malperformance "O Fortuna", Stadttheater Wr. Neustadt, 2026, Foto © Louai Abdul Fattah / Foto Soyka
Kunsthandel Giese und SchweigerSäule, Sumō, Skulptur – Gisela Stiegler in Wien




