PARNASS auf Reisen

Nordlicht – unsere Kulturtipps für Skandinavien

Øresund Bridged, Kopenhagen, Foto © Viggo Lundberg

Polarlichter, weiße Nächte und dunkle Wintertage, sanfte Landschaften und wilde Fjorde, idyllische Dörfer und bunte Holzhäuschen: Bilder wie diese entstehen im Kopf, wenn es um Skandinavien geht. Dass es darüber hinaus auch sehr viel Kunst zu entdecken gibt, hat unsere Autorin Maria Rennhofer auf einer Reise durch den skandinavischen Süden erfahren.


GÖTEBORG – Blick ins ferne

Eine Reise durch den skandinavischen Süden ist eine Erfahrung im wahrsten Sinn des Wortes, denn manche der angepeilten Ziele lassen sich am besten mit dem Auto erreichen: klassische Museen und alternative Art Spaces, sensationelle Architektur und unverwechselbares Design, schwindelerregende Brücken- und Tunnelbauten in einer Region, die sich beispielhaft dem Umweltschutz und der Nachhaltigkeit verschrieben hat.

Gleich nach der ersten Etappe durch das südöstliche Dänemark wird man mit dem Anblick der grandiosen Øresund-Brücke belohnt: Über zwei filigrane Pilonenpaare verbindet das fast acht Kilometer lange Bauwerk in elegantem Bogen seit 2000 Dänemark und Schweden zu einer gemeinsamen Region, die mit den Metropolen Kopenhagen und Malmö zu den potentesten Wirtschaftszonen Nordeuropas zählt.

Göteborgs Konsthall, Foto: Hendrik Zeitler

Göteborgs Konsthall, Foto: Hendrik Zeitler

Die erste Station auf dem Weg nach Norden gilt Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens. Dort gibt es so einige Kultur-Stopps einzulegen, etwa bei der Röda-Sten-Kunsthalle, dem Konzerthaus und Theater, dem Kunstmuseum, welches vorwiegend nordische Kunst zeigt, weiters bei der Kunsthalle, der Hochschule für Kunsthandwerk und Design sowie beim Röhsska, Schwedens führendem Designmuseum, und letztlich beim 2004 eröffneten Museum der Weltkulturen. Bevor man entlang Südwest-Schwedens idyllischer Schärenküste Oslo erreicht, empfiehlt sich außerdem ein Halt an einer der Ausgrabungsstätten bronzezeitlicher Felsmalereien.

OSLO – EISBERG, SAUNA UND »DER SCHREI«

Die von der Hafenpromenade eingefasste Bucht von Oslo (mehr über Oslo lesen Sie im PARNASS 4/2024) bietet aus jeder Perspektive einen grandiosen Anblick: von der Dachterrasse des Hotels am Abend, aus der östlichen Ecke rund um Munch-Museum und Opernhaus hinaus auf den Oslofjord oder von der durch Brücken und Stege mit dem Festland verbundenen Insel Tjuvholmen Richtung Zentrum. Die gesamte vormals industrielle Uferzone wird derzeit einem grundlegenden Facelifting unterzogen, bis 2030 sollen die letzten Abschnitte transformiert sein.

Operahuset, Foto: Martina Pipprich

Operahuset, Foto: Martina Pipprich

Als erstes von vielen spektakulären Bauwerken, die inzwischen entstanden sind, wurde 2008 das Opernhaus vom Büro Snøhetta errichtet. Mit seiner prominenten Lage, der einem Eisberg nachempfundenen Architektur und der hochkarätigen künstlerischen Innenausstattung spielt es auch abseits der Bühne alle Stücke. Olafur Eliassons Lichtinstallation „The Other Wall“ suggeriert mit ihrer Eiskristallstruktur den Blick in Gletscherspalten. „Metafoil“ der US-amerikanischen Künstlerin Pae White ziert den Vorhang der Hauptbühne. Und im Fjord vor dem Opernhaus schwimmt Monica Bonvicinis bewegliche Skulptur „Hun Ligger/Sie liegt“.
Neben dem Munch-Museum ist auch das Nationalmuseum einen Zwischenstopp wert. In einem 2022 eröffneten Neubau von Klaus Schuwerk etablierte es sich mit über 90 Ausstellungsräumen auf drei Etagen als größtes Kunstmuseum Skandinaviens. Drei Sammlungen mit einem Gesamtbestand von rund 130.000 Werken wurden hier vereint, neben einer bedeutenden Munch-Abteilung steht die eindrucksvolle »Lichthalle« im obersten Geschoss für Wechselausstellungen zur Verfügung.

The National Museum, Foto: Borre Hostland

The National Museum, Foto: Borre Hostland

BERGEN – KÖNIGIN DER FJORDE

Bald hinter Oslo gewinnt die Straße an Höhe und führt zu Europas größter Hochgebirgsebene: Hardangervidda erstreckt sich auf einer Höhe von 1.100 bis 1.400 Metern und überrascht mit Tundra-Vegetation, wild lebenden Rentierherden, glasklaren Seen und beeindruckenden Gletschern. Nach dem höchsten Punkt geht es abrupt talwärts, wo sich atemberaubende Schluchten in den Eidfjord und den Hardangerfjord stürzen. Plötzlich öffnet sich die Landschaft, zwischen Felsen schmiegen sich Dörfer, Wiesen, Obstgärten und landwirtschaftliche Flächen und schon erreicht man die einstige Hauptstadt Bergen.
Die „Königin der Fjorde“, bis ins 20. Jahrhundert eine bedeutende Hafen- und Handelsstadt, hat sich längst als Kulturmetropole etabliert. Zu Mitsommer präsentiert sich Bergen sonnig und mild, was die Jugend im Stadtzentrum bis spät in die Nacht ausgelassen feiert. Der nächste Tag ist kühl, verregnet und ideal, um den Museumskomplex KODE 1–4 mit seinen umfassenden Sammlungen von Kunst, Kunsthandwerk und Design zu erforschen.

Hardangerfjord, Foto: Øyvind Heen – fjords.com / Visit Norway

Hardangerfjord, Foto: Øyvind Heen – fjords.com / Visit Norway

Die Kunstmeile am zentralen Stadtsee Lille Lungegårdsvann besteht aus vier Gebäuden im Zentrum von Bergen mit unterschiedlichen Entstehungsdaten und mit verschiedenen Sammlungsschwerpunkten, die infolge der Museumsreform zu Beginn des 21. Jahrhunderts unter dem Namen Kode vereint wurden. Dieser Museumskomplex besteht heute aus den vier Gebäuden Permanenten, Lysverket, Rasmus Meyers und Stenersen, dazu gehören außerdem die drei Komponistenhäuser von Edvard Grieg, Ole Bull und Harald Sæverud. Dazwischen liegt die 1935 von Ole Landmark im funktionalistischen Stil errichtete Kunsthalle mit wechselnden, internationalen Ausstellungen. Als Ausdruck eines wachsenden nationalen Selbstbewusstseins wurde mit dem Universitätmuseum 1825 das erste Museum in Bergen gegründet – mit dem Auftrag, einen Überblick über norwegische Kunst und Kultur zu vermitteln. Der Maler Johan Christian Clausen Dahl, ein enger Freund Caspar David Friedrichs, trug mit zahlreichen Schenkungen zum Aufbau der Gemäldesammlung bei. Zeitgenössische Kunst findet man in Bergen im USF Kultur- und Veranstaltungszentrum und auch Musikliebende werden beim jährlichen Internationalen Bergen Festival fündig.

Bryggen, Bergen, Foto: Christine Baglo / Visit Norway

Bryggen, Bergen, Foto: Christine Baglo / Visit Norway

Die vollständigen Artikel und alle Tipps gibt's im PARNASS 04/2025, wo wir Sie noch weiter nach Kristiansand, Dänemark und Helsinki führen. Jetzt bestellen und weiterlesen.

Svend Wiig Hansen, Der Mensch an dem Meer, Esbjerg, © Svend Wiig Hansen / Bildrecht, Wien 2025, Foto: Rob Stoeltje via Wikimedia

Svend Wiig Hansen, Der Mensch an dem Meer, Esbjerg, © Svend Wiig Hansen / Bildrecht, Wien 2025, Foto: Rob Stoeltje via Wikimedia

Kunsten Museum of Modern Art Aalborg, Foto: Rasmus Hjortshøj

Kunsten Museum of Modern Art Aalborg, Foto: Rasmus Hjortshøj

Kunstsilo Kristiansand, Fotos: Alan Williams

Kunstsilo Kristiansand, Fotos: Alan Williams

Kunstsilo Kristiansand, Fotos: Alan Williams

Kunstsilo Kristiansand, Fotos: Alan Williams

Zentralbibliothek Oodi, Helsinki, Foto: Tuomas Uusheimo

Zentralbibliothek Oodi, Helsinki, Foto: Tuomas Uusheimo

Louisiana Museum of Modern Art, Nordflügel, Außenansicht, Foto: Jeremy Jachym, © Louisiana Museum of Contemporary Art

Louisiana Museum of Modern Art, Nordflügel, Außenansicht, Foto: Jeremy Jachym, © Louisiana Museum of Contemporary Art

Olafur Eliasson, Your rainbow panorama, ARoS Aarhus Kunstmuseum, © Olafur Eliasson / Bildrecht, Wien 2025, Foto: Mads Smidstrup

Olafur Eliasson, Your rainbow panorama, ARoS Aarhus Kunstmuseum, © Olafur Eliasson / Bildrecht, Wien 2025, Foto: Mads Smidstrup

 


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