Neu in Salzburg: Galerie Tassilo Usner

Tassilo Usner, Foto © Galerie Tassilo Usner

Schon seit einigen Jahren wirbelt Tassilo Usner den Kunstmarkt auf – vor allem über digitale Wege und Messepräsenzen. Nun eröffnete er auch einen festen Galerieraum mitten in Salzburg – wir haben uns umgesehen und dabei auch eine vielversprechende Malerin kennengelernt.


Zuletzt hat Tassilo Usner vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Designer-Archiv Backyardarchive auf sich aufmerksam gemacht – Werke aus der Galerie werden im Wiener Showroom des Backyardarchive by appointment in Ergänzung zur Designerkleidung und zu Designobjekten gezeigt. Hinzu kamen im letzten Jahr auch eine vielbeachtete Pop-up-Ausstellung in einer ehemaligen Industrieanlage im 7. Wiener Bezirk mit Nina Bachmann, sowie ein ausverkaufter Messestand von Gemma Solà Sotos auf der SPARK Art Fair 2025.

Bisher waren es also ausgewählte Kontexte, in denen Usner seine Künstler:innen – von denen er einige durchaus schon seit Jahren begleitet – IRL, in real life, ausstellte, denn sein Hauptbusiness ist im Internet angesiedelt. Bis dato, so berichtet er, verkauft Tassilo Usner zu gut 80 Prozent online; doch als sich nun der spezifische Raum in der Salzburger Altstadt aufgetan hat, habe es einfach Sinn gemacht, ihn zu nehmen.

Ein großes Asset ist die spannende Lage der Galerie Tassilo Usner: am Mönchsberg/Hildmannplatz ist man nur einen Steinwurf von der Salzburger Altstadt entfernt – und doch wirkt es hier gleich jünger, kreativer, etwas mehr „edgy“ und auch freier. Der Galerist plant im Sommer Liegestühle vor dem Ladenlokal und ganzjährige Neonleuchten an den Außenwänden der Galerie – rechtlich wäre so etwas im engsten Altstadtzentrum gar nicht so leicht umzusetzen.

die neue Dependance in Salzburg, Foto © Galerie Tassilo Usner

die neue Dependance in Salzburg, Foto © Galerie Tassilo Usner

Doch Tassilo Usner ist hibbelig und umtriebig, das wird im persönlichen Gespräch gleich deutlich – Movie Nights, Curators Corner, Kinder-Samstage mit Künstler:innen-Workshops und vieles mehr kommt ihm spontan in den Sinn. „Meine Galerie soll ein Ort des Austauschs sein und auch den Dialog über die Branchen hinweg anstoßen“, erklärt er voller Tatendrang.

Ich will mich selbst nicht zu ernst nehmen und vieles ausprobieren nach dem Trial-and-Error-Prinzip.

Tassilo Usner

Ein Portfolio aus acht Künstler:innen wird von Usner vertreten und nun auch in der Eröffnungsschau in Salzburg, „The Grand Opening Show“, gezeigt. Fast alle von ihnen sind noch sehr jung, außerdem ist die Auswahl international. Angeboten wird ein guter Mix aus Figuration und Abstraktion, aus gefälligen und komplexen Werken.

Tassilo Usner, Foto © Galerie Tassilo Usner

Tassilo Usner, Foto © Galerie Tassilo Usner

Ida Jesenberger – eine Künstlerin, die auffällt

Ein Höhepunkt der Eröffnungsausstellung ist die kleinste Leinwand im Raum. Sie stammt von Ida Jesenberger. Die junge Malerin (*2004, Wien) traf Tassilo Usner im Rahmen des Rundgangs an der Kunstuni Linz im Sommer 2025, im September folgte bereits die Präsentation auf der PARALLEL VIENNA.

Ida Jesenberger verhandelt in ihrer künstlerischen Praxis Wahrnehmung, Identität und seelische Innenräume. Im Zentrum steht die Reibung zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerem Erleben. Häufig ist sie selbst die Dargestellte, andernfalls Personen aus ihrem Umfeld – zunächst fotografiert, dann als Schichtung auf weißen Grund gesetzt. „Die Vorlage ist immer eine Emotion, die mich gerade beschäftigt“, sagt Jesenberger im Gespräch mit PARNASS.

Ida Jesenberger, Foto © Galerie Tassilo Usner

Ida Jesenberger, Foto © Galerie Tassilo Usner

Es gehe darum, das schwer Fassbare „in feste Form zu bringen“. Ihre transparente Bildsprache entsteht aus Überschneidungen, Überlagerungen und leichten Verschiebungen: Konturen greifen ineinander, als lägen mehrere Zustände einer Person übereinander – nicht als Effekt, sondern als Bildlogik des Psychischen.

Stilistisch lassen sich Parallelen zum Cubo-Futurismus ziehen, der um 1910/13 – etwa bei Natalia Gontscharowa – Formen „versetzt“ und wiederholt, als wäre Bewegung in einer zeitlichen Sequenz aufgezeichnet. Auch bei Jesenberger wird Bewegung zur Metapher: In ihren ins Abstrakte greifenden Porträts erscheint Identität nicht als fixe Größe, sondern als etwas Prozessuales, das sich aus Erfahrungen und Gefühlslagen immer neu zusammensetzt. Jesenberger geht allerdings wesentlich poetischer und mit fragilem Duktus auf ihre Protagonistinnen zu. Mit ihrer hellen, pastelligen Palette prägen sich die Arbeiten ein; bemerkenswert ist, wie geschlossen diese Bildsprache bereits wirkt – obwohl Jesenberger noch im Studium ist.

Mehr von Ida Jesenberger gibt es bald auch in einer Solo Ausstellung bei Tassilo Usner zu sehen.


 


The Grand Opening Show

bis 14. Februar 2026

Teilnehmende Künstler:innen: Nina Bachmann, Christian Bär, Thorbjörn Bechmann, Moritz Berg, Ida Jesenberger, Gary Schlingheider, Gemma Solà Sotos, Peter Zunder

Galerie Tassilo Usner
Hildmannplatz 1A
5020 Salzburg


 

Ida Jesenberger, Foto © Galerie Tassilo Usner

Ida Jesenberger, Foto © Galerie Tassilo Usner

 

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PARNASS 04/2025

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