Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026: Verena Walzl gewinnt

Die Preisträger:innen des Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026, veranstaltet von der GALERIE3 im Künstlerhaus Klagenfurt, stehen fest. PARNASS ist langjähriger Teil der Fachjury dieses Preises – und erlebte auch heuer eine alles andere als sprachlose Jurysitzung.
„Sprachlos“ war das diesjährige Motto für das sechs Nominierte Kunstschaffende eigene Arbeiten schufen, die nun im Künstlerhaus Klagenfurt gezeigt werden und die von der Jury anonym bewerter wurden, ohne Namen oder Biografien der Künstler:innen in Relation zu den Werken zu kennen. Erst nach der Entscheidung werden die Identitäten enthüllt. Es zählt allein das Kunstwerk.
1. Preis (5.000 €):
Verena Walzl – Once I Lost My Voice Imitating Myself
Verena Walzl (*1987, Wolfsberg) überzeugte mit einer dreiteiligen Installation aus Spiegelparavent, Bronzeguss und Drucksorten. Im Zentrum steht die Spottdrossel, jene Meisterin der Imitation, die im Nachahmen die eigene Stimme verliert. Der Spiegelparavent trägt den Werktitel als Inschrift und macht die Betrachtenden selbst zu Sprachlosen. „Stimmverlust wird zum Resultat eines Verfahrens aus Wiederholung, Nachahmung und Training, das in Entfremdung umschlägt", so die Künstlerin.
Die Jury sah darin auch einen Kommentar zur medial vermittelten Welt: „Es kann tatsächlich zum Verlust der Stimme kommen, wenn man versucht, eine unnatürliche, übertriebene Persönlichkeit darzustellen" (Tina Teufel, Museum der Moderne Salzburg, & Michaela Monschein, ORF Kärnten). Den Preis überreichte Kulturreferentin LHStv.in Gaby Schaunig.

Verena Walzl, Once I Lost My Voice Imitating Myself, 1. Platz des Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026, Foto: JPuch
2. Preis (3.000 €):
Leonie Marcella Pirker – COIL (A Collection of Notes Which I Have Yet to Be Read)
Leonie Marcella Pirker (*2002, Wien) erhielt den Fundermax-Preis für eine fünfteilige Trikografie: digital verdichtete Zeichnungen, in maschinell gestrickte Tapisserien übersetzt, deren Titel auf eine Ringelbuchbindung verweist. Textil und Text, Handwerk und Maschine verschränken sich – ergänzt um Keramikelemente in Pflasterform als bewusst offene Bedeutungsebene. Michael Huber (Kurier) würdigte „ein Zeichensystem jenseits der Sprache und Schrift, das aber vielleicht von anderen Entitäten – Maschinen? – gelesen werden könnte".

Leonie Marcella Pirker, COIL (A Collection of Notes Which I Have Yet to Be Read), 2. Platz des Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026, Foto: JPuch
3. Preis (2.000 €):
Raul Lile – Echo
Raul Lile (*2000, Villach) überzeugte mit der einzigen klassischen Malerei des Wettbewerbs – großformatig, Acryl und Tinte, rund vier Meter breit. Verschwommene Cowboy-Figuren, schwarze Fensterrahmen und das weiche Glühen der Berge verdichten sich zu einem Traumbild in Auflösung; die weißen Linien legen sich wie Echos einer Erinnerung über die Szene. Lile knüpft die Arbeit an Rilkes Philosophie des Unsagbaren. Nike Dreyer (Phileas) lobte die Tiefe, „die nicht räumlich ist, sondern sich erst in der Vorstellungskraft der Betrachtenden entwickelt". Den Preis überreichte Christina Fromme-Knoch (Wietersdorfer Gruppe).

Christina Fromme-Knoch und Raul Lile, 3. Platz des Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026, Foto: JPuch
Die Ausstellung ist noch bis 27. Juni 2026 bei freiem Eintritt im Künstlerhaus Klagenfurt zu sehen – ergänzt durch weitere Arbeiten aller sechs Nominierten Ira Grünberger, Maria Hummer, Paula Hummer, Raul Lile, Leonie Marcella Pirker und Verena Walzl. Am Samstag, 20. Juni, führt Galeristin Lena Freimüller um 13 Uhr durch die Schau. In der Kleinen Galerie zeigen die Vorjahresgewinner:innen Nanna Kaiser, Angelus Schnabl und Kristin Wadlig neue Arbeiten.
GALERIE3 im Künstlerhaus Klagenfurt, Goethepark 1, 9020 Klagenfurt. Di–Fr 12–18 Uhr, Sa 10–14 Uhr






