Mittelgewichtschampion – das Emil Schumacher Museum im Porträt

Emil Schumacher Museum, Blick in die Ausstellung mit Bildern von Emil Schumacher, Foto: Werner Hannappel, Essen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Es ist eines der wenigen Museen in Deutschland, das einem einzigen Künstler gewidmet ist: das Emil Schumacher Museum in Hagen. Ein Gespräch mit dem Direktor Rouven Lotz über Entstehungsgeschichte, Programmatik und Budgets sowie über die Frage, wie das Œuvre des Künstlers lebendig gehalten werden kann.


 

Wenn das MoMA morgen käme und eine Arbeit wollte – dann würde ich darüber nachdenken.

Rouven Lotz, Direktor des Emil Schumacher Museums in Hagen, spricht diesen Satz mit einem ironischen Lächeln aus, aber er meint ihn ernst. Für ihn ist klar: Nur wenn Schumachers Werk auch im internationalen Kunsthandel sichtbar bleibt, bleibt es lebendig.
Das Museum, in dem er seit 2009 beschäftigt ist und das er seit 2021 leitet, ist selbst eine Geschichte von Verlust und Wiedergewinn. Am 29. August, dem Geburtstag Emil Schumachers, öffnete es 2009 seine Türen – für Hagen ein symbolisches Datum. Denn 1921 verlor die Stadt das von Karl Ernst Osthaus gegründete Museum Folkwang an Essen, ein kulturhistorisches Trauma. „Mit dem Schumacher Museum bekam Hagen die einmalige Gelegenheit, die eigene Geschichte anders weiter zu führen“, so Lotz.

Emil Schumacher, Helios, 1988, Öl auf Holz, 170 x 250 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Emil Schumacher, Helios, 1988, Öl auf Holz, 170 x 250 cm, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Der Weg dorthin war steinig. Nach Schumachers Tod 1999 betreute sein Sohn Ulrich den Nachlass. Gemeinsam mit Friedrich Grawert, Jurist, Anwalt und enger Vertrauter, entwickelte und gründete er die Emil Schumacher Stiftung. Sie stellte zusammen mit Stadt, Land und Bund die Finanzierung für das Museum sicher. Rund 21 Millionen Euro kostete der Bau, davon 4,5 Millionen aus Schumachers Nachlass. „Es war ein Geschenk der Familie an die Stadt und zugleich eine Vereinbarung, ein Schulterschluss“, betont Lotz.

Heute trägt die Stiftung das Haus, verwaltet Vermögen, Werke und Programm. Jährlich steht für Ausstellungen eine respektable sechsstellige Summe bereit – eine fixe solide Basis, auf die größere Häuser nicht verweisen können. Gerade in Krisenzeiten. „Ich gelte im Kreis der Ruhrkunstmuseen zwar als ‚Mittelgewicht‘, aber insgeheim geht es uns hier ob der familiären Struktur und kurzen Entscheidungswege besser als manch anderen“, unterstreicht Lotz.

Für ihn ist klar: Ein monografisches Museum darf nicht zum Mausoleum werden. Rund 5.000 Werke umfasst Schumachers Nachlass – aber erst die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen macht ihn wesentlich. So stellte das Haus jüngst Künstler:innen der informellen Bewegung ins Zentrum einer Ausstellung. „Wir haben heute die Verantwortung, diese oft vergessenen Geschichten darzulegen – dort, wo sie früher übersehen wurden.“

Parallel beobachtet Lotz aufmerksam den Kunstmarkt. Auktionen, Preisentwicklungen, die Sichtbarkeit im Sekundärhandel: All das gehört für ihn ebenfalls zu seiner Stellenbeschreibung. Seit dem Tod des Malers 1999 zeige sich im Markt eine stabile, wellige Entwicklung. „Es ist beruhigend zu sehen, dass die Preise nicht im Sinkflug sind, sondern konstant bleiben. Das sichert Ansehen und Aufmerksamkeit.“ Verkäufe aus Stiftungsbesitz, betont er, wären nur in Ausnahmefällen denkbar – etwa, wenn sie den Namen des Künstlers dauerhaft in bedeutende Sammlungen bringen. „In einem privaten Salon zu verschwinden, dafür ist Schumacher zu wichtig.“

Ansicht des Oberlichtsaals des Emil Schumacher Museums Hagen, Foto: Werner Hannappel, Essen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

Ansicht des Oberlichtsaals des Emil Schumacher Museums Hagen, Foto: Werner Hannappel, Essen, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024

 Ein Künstler, der nicht gesammelt wird, verschwindet aus dem Gedächtnis.

Rouven Lotz

Lotz hält sich bewusst von spekulativen Eingriffen fern. „Ich könnte Preise pushen, Stützkäufe machen – aber das wäre unseriös. Unsere Aufgabe ist, die Integrität des Œuvres zu wahren.“ Gleichwohl sei er froh, wenn maßgebliche Arbeiten in Auktionen auftauchen: „Dann freue ich mich, dass Sammler:innen sie sehen und Schumacher präsent bleibt. Denn Sichtbarkeit im Handel und Sichtbarkeit im Museum gehören zusammen.“

Der Blick nach vorn ist optimistisch. Die Stiftung ist solide aufgestellt, das Haus programmatisch beweglich. Internationale Kooperationen, Interventionen in der Dauerausstellung, neue Perspektiven auf Schumachers Werk – all das steht auf Lotz’ Agenda. „Nur wenn wir Ausstellungen machen, die State of the Art sind und weithin wahrgenommen werden, bleibt auch Emil Schumacher relevant.“
 

Mehr über das Kunstsammeln und Entwicklungen am Kunstmarkt lesen Sie im PARNASS Special Auctions&Fine Arts 2025.

 

 

Maria Lassnig, Ohne Titel, ca. 1959–61, Öl auf Leinwand, 80,2 × 100 cm, Foto: Maria Lassnig Stiftung, Wien, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Maria Lassnig Foundation

Maria Lassnig, Ohne Titel, ca. 1959–61, Öl auf Leinwand, 80,2 × 100 cm, Foto: Maria Lassnig Stiftung, Wien, © VG Bild-Kunst, Bonn 2025 / Maria Lassnig Foundation

Das könnte Sie auch interessieren