1972–2026

MICHAELA POLACEK

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Mit Bestürzung habe ich vom Tod der Künstlerin Michaela Polacek erfahren. Michaela Polacek ist nach kurzer und schwerer Krankheit in der Nacht auf den 18. Juni 2026 gestorben.
Zuletzt habe ich ihre großformatigen Zeichnungen in der Ausstellung „Lebt und arbeitet in Wien“ in der Kunsthalle Wien gesehen – und war wieder einmal begeistert.


Vor einigen Jahren haben wir ein Special zum Thema Zeichnung gemacht und Elsy Lahner hat dazu einige Porträts von Künstler:innen geschrieben und unter anderem auch über Michaela Polacek. Ich muss zugeben, ich kannte ihre Arbeiten vorher nicht und war überrascht und sofort überzeugt von ihrer Qualität. Und auch in der aktuellen Ausstellung in der Kunsthalle Wien muss ich sagen, war ihre Präsentation einer der besten und ich nahm mir vor, demnächst einen Atelierbesuch einzuplanen. Denn der letzte Artikel über die Künstlerin im PARNASS war leider allzu lange her.

„Michaela Polacek war Zeichnerin – und als solche war sie unfassbar talentiert. Wie anders ist die Faszination zu erklären, die sie mit ihrer Arbeit auf so viele unterschiedliche Fachleute wie Laien ausübt. Wie anders lässt sich ihr Wesen beschreiben – sie, die bis zu ihrem 30. Lebensjahr kaum mit Kunst in Berührung kam und dennoch in der Lage war, aus dem Stand ein derart eindringliches künstlerisches Charisma zu entwickeln“, so der Nachruf
von Florian Reese, Atelier 10, der seit vielen Jahren die Künstlerin und ihr Werk begleitet. Zu zeichnen begann Michaela Polacek erst mit 30. Geboren 1972 in Wien arbeitete sie nach einer kaufmännischen Lehre zunächst fünf Jahre als Bürokraft. Nicht sonderlich beeindruckt von ihren beruflichen Aussichten und der bürgerlichen Ernsthaftigkeit ihrer Umgebung, suchte sie nach einem Positionswechsel. Sie kündigte ihre Stelle für ein Jahr und machte den Flugschein für Einmotorige. Nach dem beruflichen Wiedereinstieg jedoch erkrankte sie 1998 und begab sich für längere Zeit in psychiatrische Behandlung. Im Krankenhaus näherte sich Polacek erstmals einfachen künstlerischen Medien. Da an ein Fortführen ihres vorigen Berufslebens nicht mehr zu denken war, besuchte sie für einige Jahre das offene Atelier in Gugging, wo ihre Arbeiten erstmals wirkliche Wertschätzung erfuhren.

Michaela Polacek im Atelier 10, 2014, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2014, Foto: Atelier 10

Mit der Eröffnung des Atelier 10 in der Brotfabrik Wien wechselte sie ihren Arbeitsplatz. Mit dem Ortswechsel ging auch eine neue Arbeitsweise einher. Waren die früheren Werke eher kleinformatig, so entstanden nun Zeichnungen mit Fineliner und Tuschefüller auf großen Bildträgern. „Während ihre früheren Arbeiten zurückhaltender und illustrativer waren, kontaminierte sie später Figuren und Objekte, Körperteile, Architektur und Ornamentik zu freien zeichnerischen Assoziationsketten, zu aufwendigen Kompositionen von manchmal barocker Dichte und Opulenz“, so Florian Reese. Ihre Zeichnungen sind unfassbar detailreich abstrakt und in einem gekonnten und spannungsreichen Spiel zwischen Dichte der Linie und freier Fläche des Papiers. Ihre Bildtitel sind kryptisch und eröffnen keine Leserichtung, was ganz im Sinne der Künstlerin war, so Florian Reese: „Polacek wollte aber, dass ihre Gestaltung so kryptisch und verschlossen bleibt, wie ein wilder Traum. Und so führte sie, wie sie sagte, mit jedem Bild einen regelrechten Kampf gegen drohende künstlerische Gefälligkeiten und schnöde Harmonien.“

Unter dem Titel „das kratzienbouquet“ widmet ihr das museum gugging ab 22. November 2026 eine bereits lange geplante Einzelausstellung.

 

Michaela Polacek war Zeichnerin – und als solche war sie unfassbar talentiert. Wie anders ist die Faszination zu erklären, die sie mit ihrer Arbeit auf so viele unterschiedliche Fachleute wie Laien ausübt.

Florian Reese, Atelier 10


 

Michaela Polacek, Das Kratzienbouquet, 2019, Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier / 192x148 cm | Foto © Pixelstorm

Michaela Polacek, Das Kratzienbouquet, 2019, Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier, 192 x 148 cm | Foto © Pixelstorm

Michaela Polacek, Kunsthalle Wien, 2026, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek, Kunsthalle Wien, 2026, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2014, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2014, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek im Atelier 10, 2018, Foto: Atelier 10

Michaela Polacek, Das Kratzienbouquet, 2019, Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier / 192x148 cm | Foto © Pixelstorm

Michaela Polacek, Das Kratzienbouquet, 2019, Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier, 192 x 148 cm | Foto © Pixelstorm

Michaela Polacek, verkipflkopft und verblühmt" / 2018 / Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier / 147,5x195,5 cm | Foto © Pixelstorm

Michaela Polacek, verkipflkopft und verblühmt" / 2018 / Bleistift, Fineliner und Tuschefüller auf Papier / 147,5x195,5 cm | Foto © Pixelstorm

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