Magenta setzt auf Kunst

Mit „Magenta Art Spaces“ bespielt Magenta Telekom bis Ende Juli die Red Carpet Showrooms im Wiener U-Bahn-Netz. Das Projekt bringt sechs neu entwickelte künstlerische Positionen zum Thema Künstliche Intelligenz und digitale Kommunikation in den öffentlichen Raum.
Seit dem 10. Juni leuchtet es an mehreren Orten im Wiener U-Bahn-Netz auffällig pink. Parallel zur Einführung seiner neuen Markenplattform „Die Magie von Magenta“ und dem Kampagnenmotto „Magie entsteht, wenn alles zusammenspielt“ sucht Magenta Österreich den Dialog mit Kunstschaffenden. Einem Open Call im Frühjahr folgten 57 Künstler:innen, sechs von ihnen wurden eingeladen, neue Zugänge zu Künstlicher Intelligenz, Daten und digitaler Kommunikation zu entwickeln.
Das eröffnete den Künstler:innen teilweise neue Formensprachen. Analog arbeitende Kunstschaffende wagten sich erstmals ins Digitale, andere entwickelten aus einer anfänglichen Neugierde heraus beinahe programmatische Zugänge zur Technologie. Umgekehrt erhielt Magenta neue Perspektiven darauf, wie sich die oft abstrakte Welt der Künstlichen Intelligenz für ein breiteres Publikum vermitteln lässt.
Gemeinsam mit WARDA Network entstand daraus Magenta Art Spaces. Bis Ende Juli werden sechs Red Carpet Showrooms der Wiener Linien bespielt.

Magenta Art Spaces, Stephanie Meisl, Cyber Utopia, U-Bahn Station Karlsplatz, Foto © Thomas Unterberger, wardanetwork.at
Kunst zwischen den U-Bahn-Gleisen
Dass Marken den Austausch mit Kunst suchen, ist längst keine Ausnahme mehr. Kulturkooperationen werden für Unternehmen zunehmend zu einem Instrument, um gesellschaftliche Themen aufzugreifen und Sichtbarkeit jenseits klassischer Werbung zu schaffen. Gerade Technologien wie Künstliche Intelligenz bieten dafür eine Projektionsfläche, die wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Fragen gleichermaßen berührt.
Das Projekt nutzt dafür eine Infrastruktur, die in Wien seit Jahren etabliert ist. Die Red Carpet Showrooms zählen zu den sichtbarsten Präsentationsflächen für zeitgenössische Kunst im öffentlichen Raum. Seit 2009 werden die gläsernen Vitrinen in stark frequentierten U-Bahn-Stationen vom Team des Red Carpet Art Award bespielt. Anders als Kunst im öffentlichen Raum, wie sie etwa KÖR – Kunst im öffentlichen Raum Wien – mit permanenten oder langfristigen Installationen realisiert, setzen die Showrooms auf wechselnde Präsentationen mit hoher Frequenz und unmittelbarer Sichtbarkeit. Kunst begegnet hier keinem gezielt suchenden Publikum, sondern Menschen auf dem Weg zur Arbeit, zur Universität oder nach Hause.
Daten, Bewegung und ein KI-Klon
Die sechs eingeladenen Positionen nähern sich dem Thema auf unterschiedliche Weise. Besonders überzeugend sind jene Arbeiten, die digitale Prozesse sichtbar machen, ohne dabei in bloße Technologiebegeisterung zu verfallen.
Dazu zählt die Live Data Installation von Felix Reiterer am Karlsplatz. Wie stark wird das Internet in Österreich gerade genutzt? Der Medienkünstler übersetzt konkrete Datenströme in eine visuelle Erfahrung und macht sichtbar, was im Alltag meist verborgen bleibt. Kommunikation findet heute über digitale Infrastruktur statt, die selbstverständlich geworden ist. Erst wenn sie ausfällt, wird ihre Bedeutung spürbar. Reiterers Arbeit gibt diesen abstrakten Vorgängen eine Form und erinnert daran, wie sehr unser Alltag von unsichtbaren Netzwerken geprägt ist. Wer sich vor dem Screen bewegt, kann die visualisierten Datenströme aufwirbeln, in Bewegung versetzen und mit ihnen in Interaktion treten.

Magenta Art Spaces, Felix Reiterer, Live Data Installation, U-Bahn Station Karlsplatz, Foto © Thomas Unterberger, wardanetwork.at
Auch Martin Tardys Beitrag Confluence stößt Bewegung an und lässt einen fiktiven Schatten-Künstler live zeichnen. Der österreichisch-französische Künstler hat einen digitalen Klon entwickelt, der nach und nach lernt, in seinem Stil zu zeichnen. Gleichzeitig verarbeitet die Installation aktuelle Nachrichtenströme und Bewegungsdaten von Passant:innen. Entstanden ist ein durchaus drastischer Blick auf Kreativität im Zeitalter des digitalen Umbruchs. Die Frage, was künstlerische Handschrift künftig bedeutet, wird hier nicht theoretisch verhandelt, sondern unmittelbar sichtbar gemacht.
Thomas Waidhofer knüpft mit iBuddha an Nam June Paiks ikonische Arbeit TV Buddha an und überführt deren Fragestellungen in die Gegenwart des Smartphones. Stephanie Meisl beschäftigt sich in Cyber Utopia mit den Ambivalenzen technologischer Entwicklung zwischen Überforderung und Selbstermächtigung und nutzt ihren Standort am Karlsplatz zugleich, um Fragen digitaler Sicherheit und Medienkompetenz anzusprechen.

Magenta Art Spaces, Künstlerische Intelligenz im öffentlichen Raum, Sebastian Schager (c) Michael Stanzer, wardanetwork.at
"Play Me" und "Come Closer" fordern Sebastian Schager und Marcin Glod auf, ihre Projekte setzen auf Interaktion und Partizipation. Schager arbeitet bereits länger an der Idee eines partizipativen NFT und macht in seinem Beitrag zum Magenta Projekt globale Datenströme zum Ausgangspunkt einer spielerischen Auseinandersetzung mit Wissen, Zufall und Vernetzung. Mit Wheel of Fortune nutzt er den digitalen Wertschöpfungsraum und erzeugt Collagen aus den Bildern der Archive der Welt. Rund 2.500 Begriffe werden gesucht, viele von ihnen sind aus der Kunstgeschichte entlehnt, und erzeugen im Zufallsprinzip individuelle Collagen mit magentafarbenen Momenten. Nutzer:innen steuern das interaktive digitale Glücksrad per Smartphone und können ihre Collage "behalten" (downloaden) oder sie Schagers weiterer Forschung überlassen.
Glod versucht es mit Humor: Wer seinem Bildschirm ein Lächeln schenkt, wird von einer kinetischen Skulptur belohnt. Rundum durften aber auch ein paar analoge Werke Platz finden, schließlich wolle man diese Chance eines Publikums dieser Größe – mehrere Millionen Passant:innen – nutzen, lacht der Künstler beim gemeinsamen Rundgang und erklärt dabei, dass die Materialien der Installation teilweise den Bestimmungen der Wiener Linien angepasst werden mussten in Sachen Brandschutz und Co.

Magenta Art Spaces, Marcin Glod, Happy Signal, U-Bahn Station Karlsplatz, Foto © Thomas Unterberger, wardanetwork.at
Mehr davon
Interessant ist das Projekt nicht zuletzt deshalb, weil hier tatsächlich neue Arbeiten entstanden sind. In einer Zeit, in der öffentliche Kulturbudgets zunehmend unter Druck geraten, kann der Austausch zwischen Unternehmen und Kunstschaffenden neue Möglichkeiten eröffnen. Beim Rundgang betonten die Verantwortlichen von Magenta mehrfach, wie wichtig ihnen die Sichtbarkeit der beteiligten Künstler:innen sei – im Idealfall ein Anstoß für mehr. Das Projekt zeigt, dass Kooperationen zwischen Marken und Kunst mehr sein können als bloße Imagepflege. Und vielleicht ist es auch eine kleine Erinnerung daran, bei der nächsten Fahrt durch die Stadt nicht nur auf den Fahrplan zu schauen, sondern gelegentlich auch nach rechts und links.
Magenta Art Spaces
bis 31. Juli 2026
Standorte:
Karlsplatz, Volkstheater, Taborstraße und Altes Landgut
Mit Arbeiten von:
Sebastian Schager, Marcin Glod, Martin Tardy, Thomas Waidhofer, Stephanie Meisl und Felix Reiterer
Kooperationspartner:
Magenta Telekom, WARDA Network, freude und Red Carpet Showrooms

Magenta Art Spaces, Künstlerische Intelligenz im öffentlichen Raum, Martin Tardy, Foto © Thomas Unterberger, wardanetwork.at

