Eine Momentaufnahme der Kunstszene der Stadt

Lebt und arbeitet in Wien 2026

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

Das Ausstellungsformat der Kunsthalle Wien »Lebt und arbeitet in Wien« fand erstmals im Jahr 2000 unter der Leitung von Gerald Matt statt. Es gab einen Überblick über die zeitgenössische Kunstszene Wiens und sollte sie international sichtbar machen. Nun wird das Format erneut zum Leben erweckt. Wir trafen Michelle Cotton, die Direktorin der Kunsthalle, zum Gespräch und fragten sie, wie sie die Kunstszene in Wien sieht. Hier gekürzt, lesen Sie das ganze Interview in unserer aktuellen Ausgabe.


 

Damals noch im provisorischen Container der Kunsthalle am Karlsplatz, bevor diese ins MuseumsQuartier übersiedelte, beschrieb der Titel nicht nur eine Künstler:innengeneration, sondern auch eine Institution, die sich bald an einem neuen Ort neu definieren musste. Matt zeigte keine »Best-of-Liste«, sondern verstand die Schau als eine Art Standortbestimmung der Szene. Die Auswahl der Künstler:innen traf er gemeinsam mit einem internationalen Kurator:innenteam. Damit wollte er verhindern, dass persönliche Beziehungen und »lokaler Lobbyismus« eine Rolle spielen – eine Tradition, die sowohl von seinem Nachfolger Nicolaus Schafhausen als auch von der aktuellen Direktorin Michelle Cotton beibehalten wurde.

Unter Nicolaus Schafhausen fand das Format 2015 unter dem Titel »Destination Wien 2015« aus einer neuen Perspektive statt. Dabei ging es sowohl in Schafhausens als auch in Matts ursprünglichem Format nie um Toplisten von Künstler:innen und schon gar nicht um das Festschreiben eines Kanons. Vielmehr stand die Frage im Vordergrund: Was passiert, wenn man die Kunstszene von außen betrachtet und als Feld von Positionen, die sich gerade erst formieren? Genau in dieser Ambivalenz und Vielfalt – zwischen etablierten Positionen und Up&Coming-Künstler:innen – lagen die Stärken der beiden Ausstellungen.

Pluralismus als Prinzip

Das ist auch das Motto der diesjährigen Ausgabe von »Lebt und arbeitet in Wien« unter der Direktion von Michelle Cotton, die gemeinsam mit Daniel Baumann und Monika Georgieva die Ausstellung kuratiert hat. Der Fokus lag erneut nicht auf der Nationalität, sondern auf dem Ort. Entscheidend war, dass die Künstler:innen tatsächlich Teil der Wiener Szene sind – egal ob ihre Herkunft international oder lokal ist. Ebenso behielt Michelle Cotton das Prinzip einer generationenübergreifenden Auswahl bei sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Kurator:innen. Wien wird auch 2026 als lebendige Kunststadt wahrgenommen, die geprägt wird durch »Global Players«, lokale Künstler:innen und das Zusammenwirken von jungen und etablierten Positionen.

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

Austausch und Kollaboration sind mir wichtig.

Michelle Cotton

PARNASS: Sie kommen aus England, haben viele Jahre in Deutschland und zuletzt am MUDAM in Luxemburg gearbeitet. Seit 2024 leiten Sie die Kunsthalle Wien. Wie kam es zur Entscheidung, das Format »Lebt und arbeitet in Wien« wieder aufzunehmen?
Michelle Cotton:
Es gibt nicht viele Städte, in denen man so ein Format entwickeln kann, deren Kunstszene so vielfältig, heterogen und international ist. Wien hat in Bezug auf den kulturellen Hintergrund wie auch in der medialen und formalen Vielfalt der künstlerischen Arbeiten eine einzigartige Stellung. Als ich 2024 die Direktion der Kunsthalle in Wien übernahm, habe ich viele Ateliers besucht. Die Vielfalt und Internationalität der Künstler:innen hat mich beeindruckt und es wurde mir schnell klar, dass ich dieses Ausstellungsformat wieder aufnehmen möchte. Ich sehe darin auch eine der Aufgaben der Kunsthalle Wien für die Kunstszene der Stadt.

P: Wie charakterisieren Sie die Wiener Kunstszene?
MC:
 Als charakteristisch für die Wiener Kunstszene würde ich institutionelle Kritik, Bezüge zum Wiener Aktionismus und Arbeiten im öffentlichen Raum nennen, die in Wien besonders stark verankert sind – ob in Form von Performances oder als skulpturale Interventionen. Ebenso bemerkenswert ist die Anzahl der Independent Art Spaces in Wien. Diese besondere Identität der Stadt darzustellen, war mir wichtig.
Außerdem möchte ich an die vorherigen Formate anknüpfen, die die Rolle der Kunsthalle für die Stadt als Plattform für die Sichtbarkeit der heimischen Kunstszene betont haben. Diese Kontinuität drücken wir auch damit aus, dass wir den ursprünglichen Titel der Ausstellung »Lebt und arbeitet in Wien« beibehalten haben. Auch die Tradition, für diese Schau mit externen Kurator:innen zusammenzuarbeiten, habe ich wieder aufgegriffen.

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

P: Was waren die Auswahlkriterien?
MC:
Ein wesentliches Kriterium war, dass die Künstler:innen nicht Teil der vorhergehenden Ausstellungen zu diesem Thema waren, denn ein Rückgriff hätte den Rahmen gesprengt. Ein weiterer Faktor war, dass sie in Wien leben und arbeiten, wie der Titel schon sagt, jedoch auch die Internationalität der Szene widerspiegeln. Viele österreichische Künstler:innen unterrichten an Hochschulen im Ausland, werden von internationalen Galerien vertreten oder sind in internationalen Ausstellungen und Biennalen präsent, wie etwa Jakob Lena Knebl, Liesl Raff, Sophie Thun und viele andere. Andererseits leben viele internationale Künstler:innen in Wien, wie Brishty Alam, Bouchra Khalili, Huda Takriti oder Henning Bohl, um nur einige zu nennen. So sollte unsere Auswahl sowohl die mediale als auch die internationale Vielfalt und die Diversität und Dynamik der Wiener Kunstszene zeigen. 

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Lebt und arbeitet in Wien

Contemporary Art from Vienna

bis 26. Oktober 2026
Kunsthalle Wien

Mehr Informationen

 

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

Ausstellungsansicht »Lebt und arbeitet in Wien«, Kunsthalle Wien Museumsquartier 2026, Fotos: Markus Wörgötter / Bildrecht, Wien 2026

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