Kurztrip nach Paris: Ein Besuch im wiedereröffneten Grand Palais

Zwischen dem Rauschen der Seine und dem Flirren der Boulevards erhebt sich ein Bauwerk, das zugleich filigran und monumental wirkt. Glasflächen blitzen in der Spätsommersonne, Eisenbögen spannen sich wie überdimensionale Rippen gen Himmel, Passanten bleiben stehen, heben den Blick. Erst beim Näherkommen wird klar: Wir stehen vor dem Grand Palais – jenem Pariser Wahrzeichen der Kunst, das 1900 für die Weltausstellung errichtet wurde. Nach vier Jahren Restaurierung hat das Palais nun seine Tore diesen Sommer wieder vollständig eröffnet.
Mit seiner Wiedereröffnung gewinnt Paris nicht nur ein architektonisches Juwel zurück (größtes Glasdach Europas!), sondern auch eine zentrale Bühne für die Kunstwelt. Ab sofort ist das Grand Palais erneut Schauplatz großer Ausstellungen, internationaler Messen und bedeutender kultureller Ereignisse und knüpft damit an seine glanzvolle Tradition an.
Niki de Saint Phalle, Jean Tinguely, Pontus Hulten
bis 4. Jänner 2026
Im Zentrum der aktuellen Ausstellungsreihe, die in Kollaboration mit dem Centre Pompidou organisiert wurde, steht ein faszinierendes kreatives Dreieck: die Künstler Niki de Saint Phalle (1930-2002) und Jean Tinguely (1925-1991) gemeinsam mit dem einflussreichen Museumsdirektor Pontus Hulten (1924-2006). Hulten unterstützte das Künstlerpaar konsequent, initiierte große Retrospektiven und förderte weltbekannte Projekte, wie die monumentale „Nana Hon – en Katedral“ (1966) in Stockholm, in deren Innerem Besucher durch eine riesige, liegende Frauenfigur spazieren konnten – ein damals revolutionäres Ausstellungserlebnis. Ebenso spektakulär war Tinguelys „Crocodrome de Zig & Puce“ (1977) im Forum des Centre Pompidou sowie die ikonische Fontaine Stravinsky (1983) im Herzen von Paris.

Vue de l'exposition NSPJTPH au Grand Palais, avec le Centre Pompidou © Centre Pompidou, Hervé Véronèse 20
Art Brut
bis 21. September 2025
Parallel dazu lädt die Ausstellung „Art Brut. The privacy of a collection. The Decharme donation to the Centre Pompidou” dazu ein, die Welt der Art Brut zu entdecken. Mit über 400 Werken aus der bedeutenden Sammlung von Bruno Decharme, die er dem Centre Pompidou übergab, bietet die Ausstellung einen einzigartigen Einblick in die kreative Kraft jenseits etablierter Normen. Werke von Autodidakten, Außenseitern und Visionären zeigen eine unmittelbare, rohe Kraft und eröffnen neue Perspektiven auf die Frage, was Kunst sein kann. Zu sehen sind auch Arbeiten des österreichischen Künstlers August Walla.

August Walla, Krone, 2000
(c) Art Brut KG
Wer Paris besucht, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, das Grand Palais neu zu entdecken. Neben den großen Ausstellungen warten auch die zum ersten Mal öffentlich zugänglich gemachten Bereiche des historischen Baus, die schon für sich genommen ein Erlebnis darstellen. Besichtigt werden können die Architektur der Gewölbedecken, des Mauerwerks und der Steinstrukturen. Ein Kurztrip lohnt sich also: Das Grand Palais ist zurück und präsentiert sich vielfältiger, offener und inspirierender denn je.
Gut zu wissen: Für junge Kunstinteressierte bietet das Grand Palais ein besonderes Angebot: Die Aktion „Places aux Jeunes!“ ermöglicht Besucher:innen im Alter von 18 bis 25 Jahren kostenlosen Eintritt zu den Ausstellungen.

