Ein Spaziergang zwischen Renaissance und Gegenwart

Kunstreise nach Florenz & Umbrien

Florenz, Foto: Martin Gaal

Florenz ist ein lebendiges Museum, in dem sich Kunst und Architektur der Renaissance mit der Experimentierlust der Gegenwartskunst verschränken. Zwischen Palazzi und Plätzen pulsiert eine Stadt, die Geschichte atmet, jedoch stets den Blick in die Gegenwart öffnet. PARNASS-Autorin Leonie Wessel führt in einem persönlichen Spaziergang durch die Hauptstadt der Toskana. Danach geht es direkt weiter nach Umbrien, das leise Herz Italiens, dessen kulturelle Schätze Chefredakteurin Silvie Aigner für Sie erkundet hat.

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Die Stadt Florenz gleicht einem Museum.

Marmorne Statuen, Plätze wie aus einer Theaterkulisse – selbst die weiße Wäsche auf Leinen vor den Fenstern der Einheimischen erinnert manchmal an Installationskunst. Unbedarft streift man durch die engen Gassen und findet sich plötzlich vor der Loggia dei Lanzi wieder. Ein Arkadenbau, in dem Statuen von Giambologna oder die Medici-Löwen betrachtet werden können, ganz in Ruhe und ohne Eintritt zu zahlen.

Der Palazzo Strozzi, ein imposanter Palast im historischen Zentrum, zeigt hochkarätige Ausstellungen von der Antike bis zur zeitgenössischen Kunst. Zuletzt lockten Ausstellungen von Tracey Emin und darauffolgend von Beato Angelico die Besucher:innenmassen an. Seit dem 14. März ist mit »Rothko in Florence« die bisher teuerste Schau zu sehen, gleichzeitig eine der bedeutendsten Retrospektiven, die Mark Rothko je gewidmet wurden.

Bevor es in das nächste historische Monument geht, biegen wir in eine kleine Seitenstraße ein und betreten die ehemalige Kirche San Pancrazio auf der gleichnamigen Piazza. Integraler Bestandteil des Gebäudekomplexes sind das Museo Marino Marini und die Cappella Rucellai, die um 1457–1467 nach Entwürfen von Leon Battista Alberti im Auftrag von Giovanni Rucellai als Grabkapelle errichtet wurde. Das 1988 eröffnete Museo Marino Marini verbindet auf eindrucksvolle Weise die Renaissance-Architektur des Kirchengebäudes mit moderner und zeitgenössischer Kunst.

Spazieren wir nun über die Ponte Vecchio auf das gegenüberliegende Ufer des Arno können wir uns einer anderen Form der Kunst widmen:  italienischer Mode. Als offizielle Geburtsstunde italienischer Modepräsentation gilt die exklusive Modenschau 1952 in der Sala Bianca im Palazzo Pitti. Neben dem Südflügel des Palazzos findet sich das Museum der Mode und des Kostüms, das aktuell eine bedeutende Sammlung von Modeschätzen aus dem 20. Jahrhundert sowie aristokratische Kleider aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert zeigt. Die Kostümgalerien des Palazzo Pitti umfassen heute mehr als 15.000 Kleidungsstücke und gehören zu den relevantesten und größten der Welt. Auch das Museo Ferragamo und die Gucci Garden Galleria mit seiner angrenzenden Gucci Osteria und dem Gucci Giardino Café und Cocktailbar sollte man sich als Mode-Begeisterte:r nicht entgehen lassen.

Loggia dei Lanzi, Der Raub der Sabinerinnen von Giambologna, © Rufus46 via Wikimedia

Loggia dei Lanzi, Der Raub der Sabinerinnen von Giambologna, © Rufus46 via Wikimedia

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Giardino delle Rose, © Comune di Firenze

Giardino delle Rose, © Comune di Firenze

Ponte Vecchio, Foto: Martin Gaal

Ponte Vecchio, Foto: Martin Gaal

Foto: Leonie Wessel

Foto: Leonie Wessel

Foto: Leonie Wessel

Foto: Leonie Wessel

Museum der Mode und des Kostüms, Palazzo Pitti, Austellungsansicht 2026, Foto: Courtesy Le Gallerie degli Uffizi, Press Office

Museum der Mode und des Kostüms, Palazzo Pitti, Austellungsansicht 2026, Foto: Courtesy Le Gallerie degli Uffizi, Press Office

Cappella Rucellai, Museo Marino Marini, © Museo Marino Marini – Firenze

Cappella Rucellai, Museo Marino Marini, © Museo Marino Marini – Firenze


DAS LEISE HERZ ITALIENS: UMBRIEN.

Zwischen der Toskana und dem Latium liegt Umbrien wie ein gut gehütetes Geheimnis: sanft gewellte Hügel, alte Wälder, die sich über die Berge des Apennins ziehen, Olivenhaine und mittelalterliche Städte mit Häusern aus warmem Naturstein, pittoresk gelegen auf den Hügeln der Region. Umbrien umfasst sowohl das weite Valle Umbra, das sich von Perugia über Assisi und Trevi bis Spoleto erstreckt, als auch das enge Tal der Valnerina. Anders als in der Toskana gibt es nur wenige Bauwerke der Renaissance, dafür jedoch beeindruckende romanische und gotische Kirchen. Wer hierher reist, sucht nicht das Spektakel, sondern genießt das Zusammenspiel von Geschichte, Kunst und Landschaft.
Entdecken lässt sich die Region am besten mit einem kleinen Auto, das ideal ist, um die oft steilen, engen Gassen zu den auf den Hügeln liegenden Städte zu bewältigen. Doch auch für Wanderer:innen und Radfahrer:innen bietet Umbrien eine Vielfalt an Möglichkeiten, wie die Radroute »Fascia Olivata« zwischen Assisi und Spoleto oder den Radweg »Greenway del Nera« durch die Valnerina mit eindrucksvollen Naturerlebnissen.

Perugia, © UmbriaTourism

Perugia, © UmbriaTourism

Die Regionalhauptstadt Perugia thront stolz über dem Tal des Tiber. Unter ihren Straßen verbergen sich etruskische Mauern, darüber öffnet sich eine Stadt voller Kunst und urbaner Eleganz. Bis heute kann man in unterirdischen Ausgrabungsstätten Reste etruskischer Zeit besichtigen. Die Gallerie im ehemaligen Palazzo dei Priori beherbergt Werke von der Gotik bis zur Renaissance, darunter Gemälde von Perugino, Piero della Francesca und frühe Bilder Raffaels. Mitten auf der belebten Piazza steht die Fontana Maggiore, ein romanisches Meisterwerk, das zwischen 1275 und 1278 von Nicola und Giovanni Pisano geschaffen wurde, dahinter erhebt sich die gotische Kathedrale mit ihrer rohen, schmucklosen Steinfassade. Es lohnt, sich auf eine der Stufen der Kathedrale zu setzen und das Treiben am Platz zu verfolgen – am besten mit einem Eis oder mit den aus Perugia stammenden Baci-Pralinen.

Untrennbar mit Umbrien verbunden ist Assisi, die Stadt des heiligen Franziskus. Bereits die Anfahrt gestaltet sich eindrucksvoll, die Basilika San Francesco ist schon von weithin sichtbar. Auch die Römer haben bis heute ihre Spuren in der Architektur der Stadt hinterlassen, etwa an der Via Anfiteatro Romano, wo sich ehemals ein großes Amphitheater befand. Das Highlight ist jedoch die Basilika San Francesco, die Grabeskirche des heiligen Franziskus, heute UNESCO-Weltkulturerbe.

Blumenschmuck und mittelalterliche Architektur erwarten die Besucher:innen auch in anderen kleinen Städten entlang des Monte Subasio. Sie alle sind großteils zu Fuß zu erkunden. Spello mit seinen malerischen Gassen, die bis zum Belvedere führen, von dem man eine wunderbare Aussicht über das Valle Umbra hat. Ein Muss ist ein Besuch in Trevi. Die Stadt ist schon weithin sichtbar und thront auf einem Hügel, umgeben von Olivenhainen. Steil führen die Gassen zur Cattedrale di Sant’Emiliano und zum Renaissance-Palast Lucarini hinauf, für dessen Erbauung ein ganzer mittelalterlicher Stadtteil abgerissen wurde. Heute wird er für zeitgenössische Kunstausstellungen genützt.

Orvieto, Dom (Cattedrale di Santa Maria Assunta), © UmbriaTourism

Orvieto, Dom (Cattedrale di Santa Maria Assunta), © UmbriaTourism

Sehenswert ist auch das ehemalige Franziskanerkloster aus dem 13. Jahrhundert im unteren Stadtteil mit einer schlichten, holzgedeckten Kirche. In dem Komplex ist eine Pinakothek untergebracht mit Werken umbrischer Maler, ein Stadtmuseum mit archäologischen Funden sowie eine Abteilung zur Geschichte des Olivenöls. Auf jeden Fall sollte man auf der Piazza Mazzini mit ihren historischen Gebäuden in eine der kleinen Trattorien einkehren und die Spezialität Trevis probieren: Neben dem allgegenwärtigen Olivenöl ist die Stadt auch bekannt für den »Sedano nero«, schwarzen Staudensellerie, der als Pesto mit der umbrischen Nudelspezialität, den Strangozzi, oder als Brotaufstrich serviert wird.

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Castello di Reschio, © Reschio

Castello di Reschio, © Reschio

Cascata delle Marmore, © UmbriaTourism

Cascata delle Marmore, © UmbriaTourism

Assisi, © UmbriaTourism

Assisi, © UmbriaTourism

Castello di Reschio, © Reschio

Castello di Reschio, © Reschio

Montefalco, San Francesco, Benozzo Gozzoli, Das Leben des Hl. Franziskus, um 1450, © PARNASS

Montefalco, San Francesco, Benozzo Gozzoli, Das Leben des Hl. Franziskus, um 1450, © PARNASS

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