Landesgalerie Niederösterreich

ISOLDE MARIA JOHAM

Glasfensterzyklen mit komplexen Bildprogrammen, Glasmosaike und fotorealistische Gemälde im Großformat: Die Landesgalerie Niederösterreich zeigt aus Anlass des 90. Geburtstages und der Verleihung des Würdigungspreises für bildende Kunst des Landes Niederösterreich 2021 eine Personale von Isolde Maria Joham.


„Die Künstler sind wie Sportler, nur einer kann der Erste sein“, so der Kommentar Isolde Maria Johams zu ihrer Arbeit „Centre Pompidou“ aus dem Jahr 1981. Vor dem Hintergrund der symmetrischen Stahlkonstruktion des Pariser Museums sieht man eine Horde herangaloppierender Pferde samt Jockeys – Sinnbild für den Wettlauf in vielerlei Hinsicht. Nicht minder eindrücklich ist das Bild „Eine Frage der Energie“. Auf großem Format werden Tierversuche thematisiert. Zu sehen sind drei Schimpansen, die an „Ham“, den Affen, der ins Weltall geschickt wurde, erinnern und in diverse Maschinen eingepfercht und eingespannt sind. Ihre Foltergeräte befinden sich inmitten von Solarpanelen, Teilen von Kernreaktoren und anderen technischen Gerätschaften.

Gerda Ridler hat im Jänner 2022 die Leitung der Landesgalerie Niederösterreich übernommen und ist mit großen Vorhaben angetreten: Das Museum soll eine Bühne für heimische Kunstschaffende werden sowie für installative und partizipative Kunst, ebenso plant sie Künstler, die bisher zu wenig Beachtung erhielten, vorzustellen. Letzteres gilt auch für Isolde Maria Joham, deren umfangreiches Lebenswerk bis dato im Schatten der Kunstgeschichteschreibung stand. Als Malerin und Glaskünstlerin schuf sie zwei völlig unterschiedliche Werkblöcke, „beide umfassend und auf ihre Art einzigartig“, so Gerda Ridler. Die Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich widmet sich Johams malerischen Œuvre, das ab den 1980er-Jahren im Vordergrund stand, würdigt ihre Leistungen auf dem Gebiet der angewandten Glaskunst im Zusammenhang mit öffentlichen Aufträgen und stellt ihre kaum bekannten originären Glaskunstwerke vor. Die Künstlerin wird als Pionierin der Glaskunst gezeigt, die sich immer wieder mit dem Material auseinandergesetzt und sich seinen technischen Herausforderungen gestellt hat. Ab den frühen 1980er-Jahren wendete sie sich  wieder ganz der Malerei zu und schuf monumentale und hyperrealistische Bilder. Während in der Glaskunst oft christliche Themen dominieren, ist die Malerei charakterisiert durch imposante Bildwelten mit starken und kritischen Aussagen.

Anregungen für ihre Arbeit fand Joham sowohl bei ihrem Ehemann, dem Bildhauer Gottfried Höllwarth, nicht zuletzt dank seiner Leidenschaft für Motorräder und Autos – Sujets, die immer wieder in ihren Gemälden zu entdecken sind. Aber auch bei Künstlern wie den  Fotorealisten Tom Blackwell, Don Eddy und John Salt holte sie sich Inspirationen. 

Die Künstlerin in ihrem Atelier in Hainfeld vor dem Werk Der Mythos vom Griff nach den Sternen, 1982, Foto: Gottfried Höllwarth

Mit dieser rund 80 Werke umfassenden Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich wird ein lebendiges und authentisches Bild der Künstlerin vermittelt und ihr Stellenwert im Kanon der zeitgenössischen Kunst neu bestimmt werden.

Dieser Text wurde gekürzt. Den ganzen Artikel finden Sie in der PARNASS Ausgabe 01/22.

Landesgalerie Niederösterreich

Franz-Zeller-Platz 3, 3500 Krems
Österreich

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