Eine Ausstellung des MAK

INVOCATION FOR HOPE | A new commission by SUPERFLUX

Ein Dickicht aus verbrannten Bäumen, das in eine Lichtung führt – die immersive Installation von Superflux ist stark symbolisch aufgeladen. Gleichsam soll sie ein doch sehr konkretes Bespiel für Kreislaufdenken im Ausstellungsraum aufzeigen: 500 Bäume, die kürzlich bei einem Waldbrand in der Region Neunkirchen in Niederösterreich verbrannt sind, wurden ins MAK gebracht, ehe sie am Ausstellungsende wieder der Natur zurückgegeben werden – als Boden, indem jene lebendigen Bäume wurzeln können, die nun im Zentrum der Installation grün strahlen.


Das Leben kehrt also symbolisch und tatsächlich in das scheinbar tote Holz zurück. Eine Metapher, über die die Besucher nachdenken können, wenn sie ihr eigenes Spiegelbild in der im Zentrum des Environments angelegten Wasserstelle sehen. „Wir wollen die Perspektiven verändern. Wenn die Menschen ihren Blick auf die Natur verändern, werden sie inspiriert sein zu handeln“, erklärt Anab Jain das Projekt. In einer dystopischen Zeit wie der aktuellen – geprägt von einer Pandemie und den ersten dunklen Kapiteln der Klimaveränderung – scheint es ihr wichtig, den Blick auf das zu richten, was aus dem scheinbar Zerstörten, dem verbrannten Wald, positives Neues entstehen kann. Grundlegend befassen sich Anab Jain und Jon Ardern gemeinsam mit ihrem Team mit der Idee des „More Than Human“ – der grundsätzlichen Weltanschauung also, dass andere Spezies mehr als „Kameraden“ betrachtet werden sollten. „Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit der Akteure“, ergänzt Kuratorin Marlies Wirth. Ein positiver Kreislauf also, der den Menschen nicht in Abgrenzung zur Natur, sondern in Ergänzung zu dieser versteht. „Die Installation basiert auf einer hoffnungsvollen Idee für die Zukunft – wir hoffen auf eine Zukunft, in der wir gemeinsam in Harmonie leben, wo wir Menschen annehmen, dass wir ein Teil der Natur sind“, erklärt Jain.

Ausstellungsansicht, INVOCATION FOR HOPE, A new commission by Superflux © Stefan Lux/MAK

Wiederholt befasst sich das 2009 gegründete anglo-indische Designteam Superflux mit „Design Fiction“ – Versionen unserer potenziellen Zukünfte. Indem sie zukünftige Szenarien und Umstände aufbauen, also wortwörtlich anschaulich machen, ermöglichen sie nicht nur die Reflexion über mögliche Entwicklungen, sondern übergeben auch das Werkzeug, wie die Gegenwart entsprechend anzupassen ist, um jene Zukunftsversion zu verändern. „Design gibt uns das Werkzeug, komplexe Konzepte und Daten zu übersetzen. Design ermöglicht, Phantasie in der Öffentlichkeit zu säen“, so Anab Jain. Vergangene Projekte befassten sich unter anderem im großen Stil mit Fragen zu Datenschutz und AI-Supervision im öffentlichen Raum oder mit der Entwicklung des Zustands der Luft von morgen in Relation zum Verkehrsverhalten von heute. Auch der verbrannte österreichische Wald, dessen fragiles Skelett nun im Museum zu neuem Leben erweckt wird, soll im besten Fall, eine Zäsur in der weiteren Entwicklung anregen und das Bewusstsein für die Biodiversität, die uns umgibt, schärfen. „Die Erderwärmung ist so ein großes Thema – wir versuchen es greifbar zu machen. Monokulturen sind ein Problem für die Wälder, viele Bäume werden einzig für die Konsumation gepflanzt. Der verbrannte Wald steht für einen Weckruf.“ (Anab Jain)

Museum für angewandte Kunst

Ausstellungshalle
Stubenring 5
1010 Wien
Österreich

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