"Ich sehe jedes Bild als ganzes Leben"

Im Portrait – Tobias Pils

Tobias Pils, 2025, Foto: Georg Petermichl / mumok

Ineinander verschmelzende Figuren, fragmentierte Körper, sich überlagernde Formen: In seiner Kuns lotet Tobias Pils das Spannungsverhältnis von Nähe und Distanz, Figuration und Abstraktion, Malerei und Zeichnung aus. Nun widmet ihm das mumok mit einer von Manuela Ammer kuratierten Mid-Career-Show eine Ausstellung, die die letzten zehn Schaffensjahre des österreichischen Künstlers nachzeichnet und einlädt, seine transzendenten Bildwelten zu entdecken. Anlässlich der bislang umfangreichsten Präsentation seines Werks treffen wir Tobias Pils zu einem Gespräch in seinem Wiener Atelier.


Ich glaube, meine Bilder befinden sich großteils in einem Schwebezustand. Es sind keine Träume, aber sie sind auch nicht wach. 

Tobias Pils

PARNASS: Sie wurden in Österreich früh anerkannt, haben Auszeichnungen wie den Otto-Mauer-Preis erhalten, dann aber vor allem international reüssiert. Ist diese Ausstellung im mumok für Sie in gewisser Weise ein Nachhausekommen?
TOBIAS PILS:
Ich bin immer in Wien zu Hause gewesen, habe jedoch stets ein ambivalentes Verhältnis zu diesem Ort gehabt. Es stimmt, ich habe früh Preise erhalten, war aber noch zu jung dafür und musste mein Werk erst entwickeln. Lange Zeit habe ich mich als Außenseiter gefühlt – wie wahrscheinlich viele andere. Rückblickend empfinde ich das nicht als negativ, weil es mich gezwungen hat, mein Schaffen langfristig zu entwickeln, zu schärfen und es auszuhalten, bei mir selbst zu bleiben.

P: Sie sehen diese Personale als Vorschau. Muss man bei so einer großen Schau nicht trotzdem immer auch zurückblicken?
TP:
Eine gewisse Retrospektive steckt natürlich in jedem Werk. Dennoch verstehe ich diese Ausstellung vor allem als Vorschau: Der Rückblick auf die letzten zehn Jahre dient für mich weniger der Beschäftigung mit der Vergangenheit als vielmehr als Ausgangspunkt für Neues und als Blick in die Zukunft.

Tobias Pils, Geist, 2024, Öl auf Leinwand, 150 x 180 cm, Courtesy Tobias Pils, Galerie Eva Presenhuber, Zürich/Wien und Galerie Gisela Capitain, Köln, Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils

Tobias Pils, Geist, 2024, Öl auf Leinwand, 150 x 180 cm, Courtesy Tobias Pils, Galerie Eva Presenhuber, Zürich/Wien und Galerie Gisela Capitain, Köln, Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils

Ins Atelier zu gehen ist für mich ein alltägliches Bedürfnis. Ich male nicht jeden Tag, aber das Nachdenken über meine Bilder dort ist anders als außerhalb. Draußen scheint alles möglich, im Atelier spüre ich, wie limitiert ich bin.

Tobias Pils

P: Können Sie Ihren künstlerischen Prozess näher erläutern?
TP:
Ich sehe jedes Bild als ein ganzes Leben. Deshalb arbeite ich immer nur an einem, erlebe es von der Geburt bis zum Ende. Wie ein Lebewesen hat jedes seinen eigenen Rhythmus: Manche brauchen länger, andere entstehen schnell. Nicht das gesamte Bild zählt, sondern wie seine Teile aufeinander aufbauen – so wie Tage, Wochen, Monate ein Leben bilden. In jedem fertigen Bild liegt schon der Beginn des nächsten.

P: Die Bilder knüpfen nicht nur aneinander an, sondern auch an die Geschichte der Kunst. Wie kam es zu Ihrem Interesse am Stillleben?
TP:
In der Malerei kann man das Rad nicht neu erfinden. Im 20. Jahrhundert ist alles erledigt worden: vom Aufschneiden bis zum leeren Bild. Am Genre Stillleben interessiert mich, dass es schon unzählige Male gemacht wurde. Dass man Teil einer größeren Bewegung wird und es dabei zu etwas Neuem werden lässt. Mir geht es in den Stillleben auch um die Bewegung im Stillstand und um den Stillstand in der Bewegung. Außerdem wird in diesen Werken ein Gedanke verhandelt, der Epochen der Menschenheit überdauert hat: unsere Zerbrechlichkeit.

Tobias Pils, Ausstellungsansicht mumok, 2025, Foto: Georg Petermichl / mumok

Tobias Pils, Ausstellungsansicht mumok, 2025, Foto: Georg Petermichl / mumok

P: Um Zerbrechlichkeit geht es doch auch in der „Shh-Serie“?
TP:
Vor einigen Jahren habe ich mir bei einem Fahrradunfall meinen rechten Arm gebrochen. Erstmals ist mir die Abhängigkeit von meinem Körper stark bewusst geworden. Ich habe meine Hand nur kurz beanspruchen können. In diesem Zeitfenster entstanden diese Bilder, die ich später nicht mehr hätte malen können. Damals gab es einen ganz konkreten Grund dafür, dass sie so reduziert sind.

Das ganze Interview lesen Sie im PARNASS 04/2025 auf Seite 82.
 


TOBIAS PILS. SHH

mumok Wien | bis 17. Mai 2026

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Tobias Pils, Sleepers, 2022, Öl auf Leinwand, 190 x 180 cm, Rachovsky Collection, Dallas, Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils

Tobias Pils, Sleepers, 2022, Öl auf Leinwand, 190 x 180 cm, Rachovsky Collection, Dallas, Foto: Jorit Aust, © Tobias Pils

 

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PARNASS 04/2025

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