Triptychon aus Unterwasserthemenpark, Sakralbau und Kläranlage

Im Portrait – Florentina Holzinger

Florentina Holzinger, SANCTA, © Florentina Holzinger, Foto © Mayra Wallraff / Bildrecht, Wien 2026

Ihre Performances bewegen sich in einem Spannungsfeld von Spektakel und Subversion, verbinden Hochkultur mit Unterhaltung und verknüpfen Elemente von Tanz, Performance, Oper und Theater: Die diskursprägende Choreografin und Performance-Künstlerin Florentina Holzinger vertritt Österreich auf der 61. "Biennale d’Arte di Venezia" mit dem interdisziplinären Beitrag "SEAWORLD VENICE", kuratiert von Nora-Swantje Almes. Im Vorfeld der Biennale-Eröffnung im Mai trafen wir die österreichische Performerin zum Gespräch.


PARNASS: Florentina Holzinger, Sie werden Österreich heuer auf der Kunst- Biennale vertreten. Was hat Sie daran besonders gereizt?
Florentina Holzinger:
Vor einigen Jahren, kurz nach der Show »SANCTA«, entstand die Idee für den Biennale-Pavillon, in dessen Zentrum der performative Moment steht. Obwohl Performance in der bildenden Kunst eine zentrale Rolle spielt, begegnen mein Ensemble und ich in Venedig – anders als bei unseren Bühnenshows – einem heterogenen Publikum, das möglicherweise keine lebendigen Kunstwerke erwartet und die Präsenz realer Körper als starke Konfrontation empfindet. Das interessiert mich; genauso wie die Auseinandersetzung mit einem symbolträchtigen Ort wie dem österreichischen Pavillon.

Dramaturgisch wird unser Pavillon ein Ort der Transformation sein. Nicht nur im Laufe eines Tages, sondern auch über den Zeitraum der Biennale wird er sich immer wieder verändern.

Florentina Holzinger

P: Halten Sie nationale Pavillons heute noch für zeitgemäß?
FH:
Im österreichischen Kunstkontext ist es nichts Neues, sich am Staat abzuarbeiten. In Zeiten, in denen es eine Rückentwicklung zu nationalistischem Gedankengut gibt, sehe ich es als Auftrag, gegenzusteuern. Ich möchte bei der Biennale den Pavillon besetzen – mit Menschen, die ein integraler Bestandteil meiner Arbeit sind. Allein dadurch werden viele nationalistische Tendenzen aufgehoben, denn das Team ist divers. Dabei werden Fragen verhandelt wie: Wer gehört in einen Pavillon von Österreich oder überhaupt in den Kontext der bildenden Kunst?

Florentina Holzinger, Foto © Katia Wik / Bildrecht, Wien 2026

Florentina Holzinger, Foto © Katia Wik / Bildrecht, Wien 2026

P: Bildet neben dem Pavillon nicht auch die Kulisse Venedigs einen historisch aufgeladenen Kontext?
FH:
Ich habe mich immer wieder an der europäischen Kulturgeschichte abgearbeitet. In diesem Zusammenhang ist Venedig ein wesentlicher Schauplatz. Die Stadt ist Sinnbild für Dekadenz und Schönheit, aber auch für die Vergänglichkeit des Schönen. Hier herrschte immer schon eine Endzeitstimmung, die in Zeiten des Klimawandels eine andere Dimension erreicht hat.

Wir werden uns mit Narrativen rund um Nacktheit, Reinheit und Erotik beschäftigen und die Objektifizierung weiblich gelesener Personen so stark überstilisieren, dass es für die Besuchenden unangenehm werden kann.

Florentina Holzinger
A Year without Summer, © Florentina Holzinger / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Nicole Marianna Wytyczak

A Year without Summer, © Florentina Holzinger / Bildrecht, Wien 2026, Foto: Nicole Marianna Wytyczak

Über Holzingers Berührungspunkte mit dem Wiener Aktionismus und ihrem Wunsch an das Publikum, den Pavillon körperlich erleichtert zu verlassen lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe ab Seite 114.

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