Helen Frankenthaler – die transformative Kraft der Farbe

Das Kunstmuseum Basel zeigt mit Helen Frankenthaler eine der wichtigsten Künstlerinnen des US-amerikanischen abstrakten Expressionismus.
Die von Anita Haldemann kuratierte Schau ist die größte, je in Europa gezeigte der US-amerikanischen Künstlerin (1928 New York City – 2011 Darien, Connecticut). Frankenthaler, die mit ihrer Soak-Stain-Technik einen wichtigen Impuls für das Entstehen der Farbfeldmalerei gab und damit die abstrakte Malerei revolutionierte, beeindruckt mit ihrer lebenslangen malerischen Innovationsfreude.
Aus einer gutbürgerlichen jüdischen New Yorker Familie stammend, wurde Frankenthaler früh in ihrer Entscheidung für eine Künstlerlaufbahn bestärkt. Ihre Ausbildung als Malerin erhielt sie am progressiven Bennington College in Vermont, bevor sie selbstbewusst, noch kaum zwanzig Jahre alt, ihr eigenes Atelier in New York bezog. Sie gehörte der ersten Künstler:innengeneration an, welche den Aufstieg New Yorks zur Weltkunstmetropole anstelle von Paris am eigenen Leib erlebte.

Helen Frankenthaler, Riverhead, 1963, Acryl auf Leinwand, 208.9 x 363.2 cm, © 2026 Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ProLitteris, Zurich, Kunstmuseum Basel, Geschenk der Helen Frankenthaler Foundation, Inc., Foto: Max Ehrengruber
Ihre Beziehung zum renommierten Kunstkritiker Clement Greenberg brachte sie in direkten Kontakt mit den Größen des US-amerikanischen abstrakten Expressionismus wie Lee Krasner, Barnett Newman, Jackson Pollock und ihrem späteren Ehemann Robert Motherwell. Nach nur eineinhalb Jahren im New Yorker Atelier schuf sie 1952 mit "Mountains and Sea" (Öl und Kohle auf Leinwand) ein ikonisches Bild, das sie als wichtige Vertreterin der neuen Künstler:innengeneration auswies.
Zwar spielt auch der Zufall eine wichtige Rolle in ihrem malerischen Prozess, doch ist ihr Sinn für Balance und Struktur [...] allgegenwärtig.
Ihre Soak-Stain-Technik, bei der die Künstlerin verdünnte Farbe auf, am Boden ausgelegte, unbehandelte Leinwände goss und mit verschiedenen Werkzeugen verteilte, war von der Arbeitsweise Pollocks inspiriert, der mit seinen Drippings ebenfalls auf dem Boden arbeitete. Bei Frankenthaler saugte sich aber die Farbe in die Leinwand und wurde eins mit ihr. Das bedeutete, dass Farbe nicht nur als Auftrag fungierte, was eine revolutionäre Verschiebung der Zuordnung von Bildträger und Auftrag bedeutete. Es entstanden sehr farbintensive Bilder, in denen es keine Raumhierarchie gab. Sie waren Ausdruck von Frankenthalers selbstbewusster künstlerischer Persönlichkeit und verkörperten das idealisierte westliche Freiheitsgefühl des Kalten Kriegs.
Zwar spielt auch der Zufall eine wichtige Rolle in ihrem malerischen Prozess, doch ist ihr Sinn für Balance und Struktur neben ihrer spontan-intuitiven und gefühlsbetonten Herangehensweise allgegenwärtig. Die Farbtonalität ihrer großformatigen, mit der Soak-Stain-Technik gefertigten Bilder ist wegen der Saugkraft der Leinwand gedämpft und die Farbkombinationen ihrer Palette sind oft ungewohnt.
Neben Reisen und Landschaften wurde Frankenthaler zeitlebens durch die großen Vorbilder der Kunstgeschichte wie Monet, Tizian und Rembrandt inspiriert, was in der Ausstellung mit Gegenüberstellungen der Originalwerke nachvollziehbar wird. Aus den figurativen Vorlagen der Meister entwickelt die Künstlerin ein paraphrasierendes aber dennoch neues abstraktes Werk, übernimmt dabei teilweise die räumlichen und farblichen Rhythmen der Vorlagen.
1951 nimmt Frankenthaler an der berühmten Gruppenausstellung "9th Street Art Exhibition of Paintings and Sculpture" in New York teil und bereits im selben Jahr richtete die Tibor de Nagy Gallery auch ihre erste New Yorker Einzelausstellung für sie aus. Danach wurden ihre Werke national und international ausgestellt. Eine der wichtigsten Retrospektiven fand 1969 im Whitney Museum of American Art in New York statt; sie wurde anschließend auch in Europa gezeigt. In der Basler Schau sind über fünfzig Werke zu sehen, nicht weniger als 37 Leihgaben stammen dabei von der Helen Frankenthaler Foundation, die 2024 dem Basler Kunstmuseum mit "Riverhead" (1963, Acryl auf Leinwand) auch eine großzügige Schenkung zukommen ließ, um die bedeutende Sammlung von US-amerikanischer Malerei zu komplementieren.
HELEN FRANKENTHALER
bis 23.08.2026
Kunstmuseum Basel

Ausstellungsansicht "Helen Frankenthaler", Kunstmuseum Basel, 2026, © 2026 Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ProLitteris, Zurich, Privatsammlung / Audrey and David Mirvish, Toronto, Foto: Samuel Bramley


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