Soli Kiani, CREASE, Silbergelatineabzug auf Alu Dibond, 107x162cm, 2018

Unter dem Titel „Crease“ zeigt die Künstlerin Soli Kiani ihre erste Einzelausstellung in Salzburg. Seit 2017 verarbeitet, die 1981 in Shiraz/Iran geborene Künstlerin, autobiografische Inhalte, ihre Kindheit und Jugend in restriktiven, patriarchalischen Strukturen in ihren Arbeiten – erweitert durch einen reflektiven Blickwinkel.


Soli Kiani lebt seit vielen Jahren in Wien und hat sich sowohl als Frau als auch als Künstlerin längst emanzipiert. Ein starkes Werk, sowohl formal als auch inhaltlich. Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich. Soli Kiani studierte in Wien an der Universität für angewandte Kunst bei Christian Ludwig Attersee.

Die Malerei ist auch Thema der Ausstellung, in dem sie diese in einen konzeptuellen Kontext setzt und untersucht, was Malerei alles sein kann. So stellt sie das Material selbst in den Fokus und entwickelt aus der Farbe und der Leinwand Objekte, die sowohl auf einem Sockel als auch an der Wand präsentiert werden können. Soli Kiani bezeichnet diese Arbeiten als plastische Malerei und setzt sie in der Ausstellungen in den Dialog mit ihren gemalten Bildern.


Ausstellung in Salzburg

Der Titel der Ausstellung Crease/Falte, bezieht sich auf die Stofffalten, die in Kianis Malerei und ihren Skulpturen („plastische Malerei“) und ihren Fotografien immer wieder auftauchen. Die Falte, die bereits als gotisches Stilelement Eingang in die Kunstgeschichte fand, ist bei Soli Kiani ein Element der Verhüllung, des Versteckens und doch der Hinweis auf die Körperlichkeit unter dem Stoff.

Stoff war nicht nur Kleidung, sondern gleichzeitig Schutzmantel, aber auch Gefängnis meiner Identität

Soli Kiani

Die Frage nach den Möglichkeiten der Malerei beschäftigen die Künstlerin in dieser Ausstellung besonders. Sie weicht - wie in ihrer Malerei - Grenzen auf und hinterfragt diese. Auch ihre Arbeiten auf Leinwand zeigen gefaltete Stoffteile als abstrakte Formen auf weißem Grund, die sich zumeist vom Rand aus ins Bildzentrum schieben. Die Beschäftigung mit Textil hat eine formalästhetische Basis und nimmt Parameter des jeweiligen Mediums auf, um daraus abstrakte Spielarten zu entwickeln.

Soli Kiani, Nasrin, 2018, Stoff, Acryl und Leim, ca.100x50x15 | Courtesy Galerie Weihergut, Salzburg

Soli Kiani, Nasrin, 2018, Stoff, Acryl und Leim, ca.100x50x15 cm | Courtesy Galerie Weihergut, Salzburg


Aufgewachsen im Iran

Doch das beschreibt ihre Arbeiten nur zum Teil. Soli Kiani ist im Iran aufgewachsen und erlebte ihre Kindheit und das Heranwachsen als Frau in einem isolierten, streng religiösen und patriarchalisch geprägten Land mit Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit und dem Verbot von Dingen, die für uns selbstverständlich sind: Tanzen, Ausgehen, sich frei fühlen.

Die Spannung, die in der ambivalenten persönlichen Identität von Kiani als einer im Iran nach der Islamischen Revolution geborenen, heute in Österreich lebenden Künstlerin innewohnt, beeinflusst ihre Kunst. „Die Themen Kleidung, Stoffe und Mode haben eine ziemlich dominante Rolle in meinem Leben gespielt. Stoff war nicht nur Kleidung, sondern gleichzeitig Schutzmantel, aber auch Gefängnis meiner Identität“, so Kiani.

Soli Kiani, CREASE, Silbergelatineabzug auf Alu Dibond, 107x162cm, 2018

Soli Kiani, CREASE, Silbergelatineabzug auf Alu Dibond, 107x162cm, 2018 | Courtesy Galerie Weihergut, Salzburg

Sie hinterfragt mit ihren Werken soziale, politische und kulturelle Konventionen sowie Ideale und versucht die Rolle von Mann und Frau neu zu definieren. Ihre Arbeiten sind farblich reduziert. Soli Kiani arbeitet ausschließlich mit Schwarz, Weiß und den vielfältigen Grauwerten.

Weiß ist dabei die Farbe des Widerstands und bezieht sich auf den „White Wednesday“, wo Frauen zum Protest ihre weißen Kopftücher abnehmen und dafür riskieren, verhaftet zu werden. Der Tschador, das meist dunkle Tuch in Form eines umsäumten Halbkreises, das vor allem muslimische Frauen im Iran als Umhang um Kopf und Körper winden, wird zum Werkzeug der vielfältigen, damit verbundenen Themen, die Kiani aufgreift und künstlerisch umsetzt.

Galerie Weihergut

Linzergasse 25, 5020 Salzburg
Österreich

Eröffnung am 18. Jänner | 19 Uhr

 

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