Glitz & Glam der Kunstgeschichte

Das Kunsthistorische Museum ist eines der bedeutendsten Museen der Welt und eine wahre Schatzkammer. Ob Geheimnisse in der Ägyptischen Sammlung, Prachtstücke in der Kunstkammer oder Meisterwerke in der Gemäldegalerie und dem Münzkabinett – im prächtigen Hauptgebäude am Wiener Ring kann man allerlei an Kunst- und Kulturgeschichte erleben.
TEURE SCHLITTEN
Zum KHM-Museumsverband gehören darüber hinaus auch noch andere bedeutende Museen und Sammlungen in Wien, die sich an verschiedenen Standorten befinden, vom Weltmuseum über das Theatermuseum bis hin zur Wagenburg in Schönbrunn. Diese umfasst 200 originale Fahrzeuge des ehemaligen österreichischen Kaiserhofs und des höfischen Adels von Prunkkutschen bis hin zu Schlitten und Sänften und bietet einen faszinierenden Einblick in das Leben, die Reisen und die Repräsentation der Habsburger-Dynastie über mehrere Jahrhunderte.
Der vergoldete Imperialwagen mit venezianischen Glasfenstern ist eines der berümtesten Exponate. Gebaut wurde er für Kaiser Karl VI., den Vater Maria Theresias, Verwendung fand er nur für besondere Anlässe. So unter anderem für die Krönung Kaiser Franz Josephs und Kaiserin Elisabeths zum König und zur Königin von Ungarn. Die Bilder auf der Außenseite zeigen acht Herrschertugenden, innen ist der Wagen prunkvoll mit Goldstickerei und Samt ausgestattet.

Imperialwagen des Wiener Hofes, Wien, 1. Hälfte 18. Jahrhundert, Innenausstattung mehrfach erneuert, © KHM-Museumsverband
ECHTE HINGUCKER
Die Gemäldegalerie hat ihren Ursprung im 16. und 17. Jahrhundert. Vor allem die Habsburger Erzherzog Ferdinand II. (1529–1595), Kaiser Rudolf II. (1552–1612) und Erzherzog Leopold Wilhelm (1614–1662) haben wesentlich den Bestand der Sammlung geprägt. Diese wurde im 18. Jahrhundert erstmals zentralisiert und zunächst in der Wiener Stallburg und ab 1781 im Schloss Belvedere präsentiert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht – ein wichtiger Moment in der Geschichte des modernen Kunstmuseums. 1891 übersiedelte die Gemäldegalerie in das neugebaute Kunsthistorische Museum an der Wiener Ringstraße. Die Sammlung spannt anhand von einzigartigen Werken eine Bogen über vier Jahrhunderte europäischer Malerei: von den Anfängen der Ölmalerei im 15. Jahrhundert über Renaissance und Barock bis in die Zeit Maria Theresias.
Mit dem Gemälde »Die Malkunst« von 1666 schuf der Delfter Maler Jan Vermeer eine Allegorie der Malerei. Als Modell posiert Klio, die Muse der Geschichte, die den Ruhm der niederländischen Malkunst im Buch der Geschichte verewigt. Das Gemälde ist eine meisterhafte Komposition aus realistischen Details und symbolischen Elementen. Bildhauermodell, Skizzenbuch und das entstehende Bild auf der Staffelei stehen dabei für die Einheit der Künste.
BLING BLING!
Die Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums ist weltweit eine der bedeutendsten Sammlungen ihrer Art und reicht vom späten Mittelalter bis zur Barockzeit. Die Mitglieder der Familie Habsburg sammelten zahlreiche faszinierende Artefakte aus Gold, Silber, Elfenbein, edle Steine sowie exotische Objekte, die, wie die »Seychellennuss-Kanne« von 1602 aus der Sammlung Rudolfs II. beispielhaft zeigt, in kostbare Fassungen eingearbeitet wurden. Auch technische Meisterleistungen finden sich in der Kunstkammer, wie der »Automat in Gestalt eines Schiffes«, der 1585 für Rudolf II. angefertigt wurde: eine kostbare Kombination aus modernster Technik und höchster Kunstfertigkeit des Augsburger Goldschmieds Hans Schlottenheim.
In der Kaiserlichen Schatzkammer wird europäische Geschichte erzählt. Eine ihrer größten Schätze ist die Reichskrone, die über Jahrhunderte hinweg als Krönungsinsignie der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches diente.
TIPP!
Kopf & Kragen – Münzkabinett Kunsthistorisches Museum
Das Münzkabinett ist wohl eher etwas für Conaisseur:innen und sicher nicht die am meisten besuchte Sammlung des Kunsthistorischen Museums. Doch ein Besuch lohnt. Die aktuelle Ausstellung "Kopf & Kragen" beleuchtet Münzporträts aus kulturhistorischer Perspektive und zeigt, wie diese über die Jahrhunderte hinweg Fashion und Lifestyle abbilden.
Münzporträts waren für die Herrscher ein machtvolles Medium der Selbstdarstellung, und umso wichtiger war ihre Inszenierung. Wie kleine Zeitkapseln dokumentieren die Münzen die kunstvollen Frisuren, prächtigen Bärte und aufwendigen Kopfbedeckungen ihrer Epoche und ermöglichen eine Zeitreise durch mehr als 2.400 Jahre Mode. Manche Herrscher:innen wurden mit ihren Frisuren, Halskrausen oder Kopfbedeckungen zu wahren Trendsetter:innen. Besonders an den oberitalienischen Fürstenhöfen setzten kunstvolle Kopfbedeckungen modische Statements und spiegelten das Selbstverständnis einer Gesellschaft zwischen Tradition und Aufbruch wider. Die in den Münzporträts dargestellten Kleidungsstücke und Accessoires sind mehr als ästhetisches Beiwerk, sie sind ein Spiegel des Zeitgeistes und ein Fenster in die Kultur vergangener Epochen.

Bologna: Giovanni II. Bentivoglio (reg. 1463-1506), Doppeldukat, Gold, Bologna, nach 1494, Kunsthistorisches Museum, Wien, Münzkabinett, © KHM-Museumsverband
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