Glanzstücke – diese Kunst hat Karat

Der Glanz des historischen Wiens verbindet sich diesen Sommer mit jenem der Pariser Schmuckkunst. Französische Haute Joaillerie trifft auf stilprägende Objekte des Wiener MAK – Museum für angewandte Kunst.
Die Sammlungen des MAK zählen zu den bedeutendsten ihrer Art weltweit: Die hier versammelten Objekte sind nicht nur Zeugen ihrer jeweiligen Zeit, sondern ihre Mitgestalter. Von Werken des 16. Jahrhunderts bis hin zu Stoffen, Keramik, Metall und Möbeln, das MAK beherbergt Kunsthandwerk, das die Moderne miterfunden hat. Hoffmann, Moser, Peche sind nur ein paar der Namen, die ein Jahrhundert später noch immer als Referenz zitiert werden. Diese museale Sammlung tritt nun in Dialog mit der Maison Van Cleef & Arpels, 1906 gegründet und seither das Maß der Haute Joaillerie. Ihre patrimoniale Kollektion umfasst rund 3.000 Stücke aus 120 Jahren handwerklicher Meisterschaft.
Die zwei Häuser verbindet vieles, historisch und in der Gegenwart. Niemand musste sich verbiegen – es ist ein spannender, von gegenseitigem Respekt getragener Dialog entstanden.

MAK Ausstellungsansicht, 2026, "GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection", rechts und links: ZIP Halsketten und Armband, 1952–55, Van Cleef & Arpels Collection, Bildmitte: Koloman Moser, Paravent, Wiener Werkstätte, 1906, MAK Sammlung, © Van Cleef & Arpels
»GLANZSTÜCKE« vereint in sechs thematischen Kapiteln rund 500 Objekte beider Häuser. Das Besondere liegt in den Gegenüberstellungen von Formen, Farben und Motiven und in der gemeinsamen Würdigung einer Handwerkskunst, die in Paris wie in Wien dieselbe Sprache spricht.
Auch für regelmäßige MAK-Besucher:innen hält die Schau Überraschungen bereit: Werke, die aus konservatorischen Gründen sonst im Depot verbleiben, treten hier ans Licht – in neuen Kontexten, eingebettet in eine Szenografie von Tsuyoshi Tane, in der jedes Kapitel in einem eigenen Farbklang aufleuchtet und die Objekte scheinbar schwebend im Raum stehen. »Es wird eine sehr poetische Inszenierung sein«, sagt MAK-Kuratorin Anne-Katrin Rossberg.
Gemeinschafts-Ausstellungen von Museen und Luxusmarken werden mitunter kritisch gesehen, da die Grenzen zwischen Museum und Marketingformat verschwimmen können. »Diese kritische Haltung ist nachvollziehbar. Die Basis dieser Kooperation ist aber eine inhaltliche«, erklärt MAK-Generaldirektorin Lilli Hollein. Dass dabei auch neue Besucher:innen erreicht werden sollen, daraus macht Hollein kein Geheimnis: »Die Kommunikationskraft eines internationalen Luxushauses sorgt sicher für mehr öffentliche Wahrnehmung, als das Museum im Alleingang erzielen kann.«

Armband Leaf, 1950, Gelbgold, Platin, Saphire, Diamanten, © Sammlung Van Cleef & Arpels
Bevor die große Ausstellung am 10. Juni eröffnete, sprach PARNASS mit Anne-Katrin Rossberg, Kustodin der MAK-Sammlung Metall und des Wiener-Werkstätte-Archivs, und Alexandrine Maviel-Sonet, Patrimony and Exhibitions Director bei Van Cleef & Arpels.
P: »GLANZSTÜCKE« bringt zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Welten zusammen: das historische Sammlungsrepertoire des MAK und die Haute Joaillerie von Van Cleef & Arpels. Wie ist die Idee zu dieser Zusammenarbeit entstanden?
Alexandrine Maviel-Sonet: Die patrimoniale Sammlung von Van Cleef & Arpels spannt einen Bogen über 120 Jahre Schmuckgeschichte und zeigt die Bandbreite innovativen Designs und meisterhafter Handwerkskunst. Das MAK wiederum sammelt und bewahrt außergewöhnliche historische und künstlerische Werke als wesentliche Zeugnisse ihrer Zeit. Diese gemeinsamen Werte – Kunstfertigkeit und kulturelles Erbe – waren der eigentliche Motor der frühen Zusammenarbeit. Indem wir Werke beider Häuser einander gegenüberstellten, gewannen wir neue Einblicke in bestimmte Epochen, Objekte und Ästhetiken und erweiterten unseren Zeithorizont, um Verbindungen zu knüpfen, die weit über einzelne Perioden hinausreichen.
Die Objekte der Wiener Werkstätte zählen zu den absoluten Highlights unserer Sammlung.
P: Van Cleef & Arpels hat vor zwei Jahren eine Boutique in Wien eröffnet. Was bedeutet Wien als neuer Standort für die Maison – und wie hat die Stadt selbst, als Ort der Musik, des Kunsthandwerks und der Wiener Moderne, die Konzeption dieser Ausstellung beeinflusst?
AMS: Wiens reiches kulturelles Erbe – die lebendige Musiktradition, die außergewöhnliche Handwerkskunst, die einflussreiche Wiener Moderne – hat die Konzeption dieser Ausstellung maßgeblich geprägt. Die bemerkenswerte Sammlung des MAK bot einen faszinierenden Resonanzraum für das Universum von Van Cleef & Arpels und verleiht der Ausstellung kulturelle Tiefe und Kontext.
Das ganze Interview lesen Sie in unserer aktuellen Ausgabe: PARNASS 02/2026








