Gallery Diary - Galerie Elisabth & Klaus Thoman | Julia Haugeneder

Für ihre erste Schau in Zusammenarbeit mit Galerie Elisabeth & Klaus Thoman zeigt Julia Haugeneder eine neue Serie gefalteter Skulpturen und Wandarbeiten, die sie eigens für die Innsbrucker Galerieräume entwickelt hat.


Die Objekte Faltung 203-235 werden erstmals, teils auf transparenten Möbelstücken aus Plexiglas, teils auf dem in der Galerie für die Ausstellung verlegten Anti-Rutschboden gezeigt. Zudem hängen im Eingangsbereich zwei große Wandarbeiten, ein Linolschnitt aus handelsüblichem Bodenmaterial, 2 x 3 Meter und die Arbeit ohne Titel (Lamellen). Letztere ist aus demselben Material wie die Faltungen der Künstlerin, bei denen Haugeneder Buchbinderleim mit Pigment mischt und anschließend das im Flachen getrocknete Material formt bzw. faltet. Ein für die Ausstellung geschaffenes Hörspiel, geschrieben von Ulrich Meurer, Film- und Medienwissenschaftler, liefert die Soundkulisse in der zum Eintauchen einladenden Ausstellung Idylle, blau, für die sich die Künstlerin im Titel und ideell vom US-amerikanischen Spielfilm The Swimmer (1968) anleiten ließ.

Ausstellungsansicht, Julia Haugeneder Idylle, blau, Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck 2021, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck/Wien, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / WEST.Fotostudio

Claire Hoffmann, Kuratorin des Centre Culturell Suisse in Paris, zu Haugeneders Faltungen: „Diese gegossenen Flächen umwickeln, ja „umfassen“ – ganz im intransitiven Sinne „umfassen“ nicht etwas, vielmehr konstituiert die Geste des Umhüllens, Faltens und Schützens selbst die Werkform. … Die Oberflächen berühren sich und rollen sich ineinander ein, die äußere Oberfläche wird in ein unsichtbares Inneres hineingezogen. In einigen Objekten wird dieser entleerte Kern noch weitergedacht, indem Luftpolsterfolie als Stopfmaterial für das Volumen verwendet wird und in einer konzeptuellen Umstülpung das künstlerische Material sich schützend um das Verpackungsmaterial legt. Anders als die Objekte im Surrealismus, die ein Ding rätselhaft umhüllen und durch diesen visuellen Entzug eine spekulative Begierde auslösen, wird die gefaltete Hülle hier zum Bild einer Kippfigur, die innen und außen zu verbinden vermag. Statt hermetische, introvertierte Kapseln zu kreieren, sind Julia Haugeneders Faltungen somit formal, materiell und assoziativ durchlässig, gefestigte Begriffe werden aufgeweicht.

In ihrem eigenen Diskurs über den künstlerischen Prozess stellt die Künstlerin die Schritte des Herstellens in den Vordergrund. Aktionen wie Gießen, Schneiden, Falten, „Material-Machen“ werden gleich als erste Annäherungsmöglichkeit an ihre Arbeit vorgeschlagen. Wichtig ist ihr dabei, das Wie des Werks, die Arbeitsschritte und die Materialentscheide offen zu legen: die Verwendung von Buchbinderleim, der seine Elastizität auch beim Aushärten beibehält, die spontane Farbwahl der Pigmente, die Notwendigkeit von Gips und Putzgitter als Stabilisierung der Häute, die Kontrolle über den Vorgang bei gleichzeitigem Kontrollverlust und die Abfolge der weiteren Schritte des Schneidens, Faltens, Rollens, Umwickelns, Ordnens und Platzierens im Raum, in denen sich das Verhältnis zwischen künstlerischem Entscheid und Materialresistenz weiter fortsetzt. So aufgeladen mit einer Dichte von Aktionen aus ihrem Herstellungsprozess, bleibt den Objekten ein gewisses Handlungspotential eingeschrieben, das über den Moment ihrer Entstehung hinaus weiter agiert.“

Julia Haugeneder, Stack (Faltung 224-230)m, 2021, Plexiglas, POM, Buchbinderleim, Pigment, Luftpolsterfolie, 150 x 45 x 75 cm, Hau/S 210017, Courtesy Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck/Wien, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / WEST.Fotostudio

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck

Maria-Theresien-Straße 34, 6020 Innsbruck
Österreich

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