Gallery Diary – AG18 | Feminism, what else?

„Feminismus ist eine Bewegung, die Sexismus, sexistische Ausbeutung und Unterdrückung beenden will" – bell hooks. Mit diesem Satz eröffnet die AG18 Gallery ihre aktuelle Gruppenausstellung, kuratiert von Sabine Fellner, die in Wien und weit darüber hinaus längst Maßstäbe setzt: „Rabenmütter" im Lentos, „Stadt der Frauen" im Belvedere, „Louise Bourgeois – Unbeirrbarer Widerstand" wieder im Belvedere, und gerade erst „Wiener Moderne. Weiblich Widerständig" in der Landesgalerie Niederösterreich. Ihr Name steht für gesellschaftspolitische Schärfe, die nie auf Kosten der Kunst geht.
Siebzehn Positionen zeigt die Schau. Sechzehn Frauen – und Johnson Ocheja. Dass der nigerianische Maler als einziger Mann in dieser Ausstellung hängt, ist keine Quotenüberlegung, sondern die logische Konsequenz aus dem Zitat: Wer hooks ernst nimmt, versteht Feminismus als Menschenrechtsbewegung. Ocheja gehört dazu.
Käthe Schönle zeigt Figuren in zarten Schieflagen, Zeichnung und Farbe collagiert. Was ihre Arbeiten in dieser Schau besonders trägt, ist die Zärtlichkeit der Komplizinnenschaft: Frauen, die einander beachten, die aufeinander achtgeben, die sich wertschätzen. Eine Haltung statt einer Aussage.
Bianca Ion arbeitet gegenteilig und trifft denselben Nerv. Tausende Nägel auf hellem Grund, „Be a Lady (they said)“ nach Camille Rainvilles Gedicht – formal minimal, inhaltlich präzise. Das unsichtbare Korsett wird sichtbar, weil jemand es mit Baumaterial nachzeichnet.

Ausstellungsansicht "Feminsim, what else?", Bianca Ion, Käthe Schönle, AG18 Gallery, 2026, Courtesy of AG18 Gallery
Zandile Tshabalala, 1999 in Soweto geboren, malt schwarze Frauen in Glitter und Strass. „Look to the Sky“ (2025) – Präsenz ohne Erklärungsbedarf. Ihr Bild trägt das Cover des Thames & Hudson-Katalogs zu „When We See Us“. Das reicht als Einordnung.
Wer hooks ernst nimmt, versteht Feminismus als Menschenrechtsbewegung.
„Feminism, what else?" ist kein Einzelereignis. Galerist Michael Schmitz hat mit „Diversity, what else?" im Herbst 2025 bereits gezeigt, wie das Programm der AG18 denkt: unterschiedliche Positionen unter einem Dach, dieselbe Grundfrage. Wo verbindet sich, was auf den ersten Blick auseinanderliegt?

Ausstellungsansicht "Feminsim, what else?", Linda Steiner, Beáta Hechtová, Johnson Ocheja, AG18 Gallery, 2026, Courtesy of AG18 Gallery
Feminism, what else?
bis 29. Mai 2026
AG18 Gallery
Teilnehmende Künstler:innen: Donya Aalipour, Renate Bertlmann, Julia Bugram, Louise Deininger, Ina Ebenberger, Beáta Hechtova, Bianca Ion, Johnson Ocheja, Florentina Pakosta, Margot Pilz, Käthe Schönle, starsky, Linda Steiner, Zandile Tshabalala, Julia Woronowicz, Tanja Prušnik, Stella Bach








