Eröffnungsausstellung AWAIT
Eröffnung in Wien: Der Kanako Leopold Artspace in der Grundsteingasse 14 im 16. Bezirk öffnet mit der Einzelausstellung der japanischen Künstlerin Rei Shimizu seine Türen und versteht sich von Anfang an als mehr als eine klassische Galerie. Neben Ausstellungen soll der Raum künftig auch Konzerten Platz bieten und mit einem Artist-Residency-Programm internationale Künstler:innen nach Wien holen. Der Auftakt mit Rei Shimizu passt zum Programm: einer japanischen Zeichnerin, die selbst einen Teil ihrer Kindheit in Wien verbracht hat.
AWAIT ist den Menschen gewidmet, die darauf
warten, dass der Frieden zurückkehrt.
Was auf sich warten lässt
Wer die Werke von Rei Shimizu betrachtet, muss sich Zeit nehmen. Aus einem dichten Geflecht feiner Bleistiftlinien tritt allmählich ein Gesicht hervor, mal deutlicher, mal nur angedeutet. Dann verschwindet es beinahe wieder in den Strichen. Diese Arbeitsweise verlangt Geduld – von der Künstlerin und von den Betrachtenden. Und Geduld ist auch das Thema der Serie, die Rei Shimizu ab 25. September in Wien zeigt: AWAIT.
Vom flüchtigen Moment zum Verweilen
AWAIT entstand aus einer langjährigen Praxis. Rei Shimizu skizzierte über Jahre Menschen in Parks, Cafés, öffentlichen Räumen – schnelle Figurenstudien, die den Moment einer Bewegung einfangen sollten. Mit der Zeit verlagerte sich ihr Blick. Statt der Bewegung interessierte sie das, was zwischen den Bewegungen liegt: das Verweilen, das Sitzen, das Warten selbst. "Menschen, die auf ihre Familie oder auf ihre Geliebten warten, bringen mich dazu, die Serie AWAIT zu machen", sagt sie.
Das Warten, das sie zeichnet, ist kein triviales. Es geht nicht um den Kaffee, der zu heiß ist, oder um den Zug, der nicht kommt. Es geht um jenes Warten, das nicht in der eigenen Hand liegt: auf einen geliebten Menschen, auf eine Nachricht, auf die Rückkehr des Friedens. In Jahren, in denen Krieg herrscht, widmet Shimizu AWAIT ausdrücklich jenen, die auf dessen Ende hoffen – und verbindet sich dabei, wie sie sagt, innerlich mit dem jeweiligen Land.

Rei Shimizu
Die Botschaften, die mir die Musik vermittelt, zeichnen Linien in meinem Kopf, und eine multidimensionale Welt erscheint.
Die Musik spielt in Shimizus Prozess eine tragende Rolle. Während der Arbeit an AWAIT hört sie häufig Werke von Eugène Ysaÿe sowie Musik, die mit der Kirche verbunden ist. "Die Botschaften, die mir die Musik vermittelt, zeichnen Linien in meinem Kopf, und eine multidimensionale Welt erscheint", beschreibt sie. Aus dieser inneren Welt entsteht schließlich das, was auf dem Papier sichtbar wird, meist erst nach längerer Zeit des Wartens auf das Motiv.
"Manchmal brauche ich sehr lange, bis ich mich für ein Motiv entschieden habe, das ich zeichnen möchte. Sobald ich mich einmal entschieden habe, wird mir klar, wo ich mit dem Zeichnen beginnen soll und wie ich anschließend weiter vorgehen muss", so Shimizu. Der Prozess ist intuitiv, aber nicht routiniert: Sie lege Wert darauf, sich nicht auf bestimmte Techniken zu versteifen, sondern jedes Mal neu vorzugehen und dabei Intuition und Gefühl zu verbinden.
Dass ihre Arbeiten vieles nicht vollständig zeigen, sondern angedeutet lassen, ist Programm. Shimizu bezieht sich auf eine Ästhetik, die sie mit der langen japanischen Tradition des Freiraums und der Unvollkommenheit verbindet, jenem bewusst Offengelassenen, das den Betrachtenden Raum für eigene Gedanken lässt.
Rei Shimizu
Zur Künstlerin
Rei Shimizu wurde in Japan geboren und wuchs zwischen mehreren Ländern auf. Sie besuchte die American International School in London sowie Schulen in Japan und Wien, nach Wien war ihr Vater vom japanischen Bildungsministerium entsandt worden. Ihr Studium der westlichen Malerei absolvierte sie an der Joshibi University of Art and Design in Tokio, wo sie sich unter anderem damit beschäftigte, wie sich Materialien und Techniken der westlichen Malerei auf traditionelle japanische Bildträger wie Washi anwenden lassen.
Shimizu ist Mitglied der Nihon Bijutsuin (Japan Art Academy) und nimmt regelmäßig an deren Ausstellungen teil. Seit 2017 zeigt sie ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen in Japan und Europa. Zu ihren wichtigen Einzelausstellungen zählen "Death and the Maiden" (2019, Eco Gallery Shinjuku, Tokio), "AWAIT" (2023, Matsuzakaya Ueno Art Space, Tokio), "Pierrot lunaire — 月のピエロ" (2024, Matsuzakaya Ueno Art Space, Tokio) sowie "Drawing ‚After the Dream…'" (2025, Ginza Ippodo Gallery, Tokio). Ihre Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Excellence Award beim Young Artist Competition (2019) und dem Audience Award bei KENZAN 2021.
Kanako Leopold Artspace
Grundsteingasse 14/2/8, 1160 Wien
Vernissage: 25. September 2026, 17:00 Uhr
Finissage: 17. Oktober 2026, 17:00 Uhr
kanakoleopold.com

Rei Shimizu
