Erika Giovanna Klien in der Galerie Kovacek

Die Galerie Kovacek zeigt mit der Personale von Erika Giovanna Klien eine der interessantesten Künstlerinnen der österreichischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts und Protagonistin des Wiener Kinetismus. Ihre Biografie und Familiengeschichte sind ebenso ein Zeitzeugnis wie ihr Werk selbst.


Erika Giovanna Klien wurde 1900 in Trentino geboren und lebte in Wien, Salzburg und New York. Die Basis ihres künstlerischen Weges legte ihr Studium bei Franz Cizek an der Kunstgewerbeschule in Wien. Ebenso prägte sie die Begegnung mit zeitgenössischem Tanz und Theater, angeregt durch das Künstlerehepaar Rochowanski. Leopold Rochowanski war selbst eine auf vielen Gebieten tätige Künstlerpersönlichkeit und Wortführer der abstrakten Kunst. Was expressionistisch begann, verfeinerte Klien in der Folge mit Anregungen aus dem Kubismus und Futurismus hin zu „einer an der Bewegung orientierten Formzerlegung“, so der Kunsthistoriker Harald Krejci.

einer an der Bewegung orientierten Formzerlegung

Harald Krejci

Nach Abschluss ihrer Ausbildung als Kunstpädagogin arbeitete Klien als Gebrauchsgrafikerin und unterrichtete an der Elizabeth Duncan School in Schloss Kleßheim. Durch Franz Cizek und Friedrich Kiesler bekam sie die Möglichkeit, in Paris und New York auszustellen, und erlangte als eine der wenigen Künstlerinnen dieser Zeit um 1925 internationale Bekanntheit. Die Zeichen standen also auf Erfolg. Dem im Wege standen jedoch sowohl die politischen Umstände als auch die gesellschaftlichen Normen. 1928 wurde ihr Sohn, der spätere Pianist Walter Klien, unehelich geboren, er wuchs bei Pflegeeltern auf. Klien übersiedelte 1929 nach New York. Bis zum Jahr 1940 unterrichtete sie an bedeutenden Schulen wie der Stuyvesant High School oder der New School for Social Research und bestritt mit Reklameentwürfen ihren Lebensunterhalt. Künstlerisch setzte sie ihren Weg der Bewegungsstudien fort bis hin zu ihren bekannten Vogelflugserien. Einfluss auf ihr Werk übte auch ihre Reise nach New Mexico 1934 und die Begegnung mit der indigenen Kultur aus. In Österreich wurde die Künstlerin erst nach ihrem Tod 1957 wiederentdeckt.

ERIKA GIOVANNA KLIEN Bird Flight Motion, 1933–1935/1986 Linolschnitt auf Japanpapier, 44,4 × 26,4 cm Foto: © Galerie Kovacek Spiegelgasse

Ihre Werke wurden von den Nachfahren von Klien und der Familie Rochowanski zusammengehalten und vor dem Vergessen bewahrt. Bernhard Leitner vermittelte die Arbeiten an den Galeristen Michael Papst, der 1975 die erste Einzelausstellung in seiner Galerie zeigte. Auch nahmen sich Kunsthistoriker wie Dieter Bogner und Marietta Mautner Markhof der wissenschaftlichen Aufarbeitung konstruktiver Kunst aus dieser Zeit an. Das Belvedere hat dem 1939 entstandenen Ölgemälde „Diving Bird“ in der Neuaufstellung der Sammlung zur Recht einen Platz eingeräumt. Ebenso engagiert sich bis heute der Sohn des Galeristen Michael Papst, Daniel für die Verbreitung des Œuvres der Künstlerin. Mit der Ausstellung in der Galerie Kovacek wird nicht nur eine herausragende Künstlerin gezeigt, sondern insgesamt ein Fokus auf diese Zeit gelegt, in der insbesondere Künstlerinnen mit radikalen abstrakten Ansätzen die Avantgarde der österreichischen Kunstszene prägten.

ERIKA GIOVANNA KLIEN Movement of two Heads, 1951 Öl auf Leinwand, 45,8 × 61,1 cm Foto: © Galerie Kovacek Spiegelgasse

Galerie Kovacek

Spiegelgasse 12, 1010 Wien
Österreich

Erika Giovanna Klien

bis 30. Juni 2022
 

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