Ecce Homo – Der verlorene Caravaggio

Was ist ein Bild wert? Das, was es einer Familie bedeutet? Das, was Expert:innen ihm zuschreiben? Oder jene schwindelerregende Summe, die plötzlich im Raum steht, wenn sich herausstellt, dass das Gemälde im Wohnzimmer womöglich von Caravaggio stammt?
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Genau aus dieser Frage macht Regisseur Álvaro Longoria einen höchst unterhaltsamen Kunstkrimi. „Ecce Homo – Der verlorene Caravaggio“ erzählt die Geschichte eines Gemäldes, das jahrelang im Wohnzimmer einer Madrider Familie hing und 2021 plötzlich zum Objekt internationaler Begierde wurde. Für gerade einmal 1.500 Euro sollte es ursprünglich versteigert werden. Die Zuschreibung lautete „Schule Ribera“. Dann begann der Verdacht zu wachsen: Könnte hier tatsächlich ein verschollen geglaubtes Werk Caravaggios vorliegen?
Was folgt, liest sich wie das Drehbuch eines Kunstthrillers. Das Gemälde wird von Fachleuten entdeckt, immer neue Expert:innen werden hinzugezogen, Händler:innen und Berater:innen wittern ihre Chance. Provenienzforschung, Restaurierung und die Frage nach der richtigen Zuschreibung werden plötzlich zu entscheidenden Puzzleteilen. Und je näher das Bild dem großen Namen Caravaggio kommt, desto komplizierter wird die Angelegenheit.

ECCE HOMO, © Arsenal Filmverleih
„Kompliziert“ sagt es ein Mitglied der ursprünglichen Familie im Film treffend. Denn längst geht es nicht mehr nur um Kunst. Journalist:innen interessieren sich für die Familie, der Kunstmarkt beginnt sich um das Bild zu scharen und auch staatliche Stellen werden aufmerksam. Zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis, privaten Interessen und der Aussicht auf Millionenbeträge entsteht ein erstaunlicher Sog.
Gerade diese Gemengelage macht Longorias Film so spannend. Er erzählt nicht nur die mögliche Wiederentdeckung eines Caravaggio, sondern öffnet die Türen zu einer Welt, in der Zuschreibungen über den Wert eines Kunstwerks entscheiden – und damit über das Leben der Menschen, denen es gehört. Der Film begleitet über Jahre die Restaurierung und den Verkaufsprozess und zeigt dabei auch die faszinierende Welt der sogenannten „Sleeper“: Kunstwerke von enormem Wert, die verborgen bleiben oder lange fälschlich als weniger bedeutend gelten.

ECCE HOMO, © Arsenal Filmverleih
Und dann ist da natürlich Caravaggio selbst: einer der revolutionärsten und zugleich berüchtigtsten Maler der Kunstgeschichte. Je mehr man über seine Bilder und ihre Wirkung erfährt, desto nachvollziehbarer wird die geradezu magnetische Anziehungskraft, die von diesem Namen ausgeht.
Ecce Homo ist deshalb nicht nur ein Film für Kunstexpert:innen. Er ist für alle, die beim nächsten Flohmarkt, auf dem Dachboden entfernter Verwandter oder vor einem unscheinbaren Bild im Antiquariat kurz denken: Was, wenn hier ein Meisterwerk vor mir hängt und es niemand weiß?
Ein sehenswerter Dokumentarthriller über Kunst, Geld, Besitz und die Macht einer Zuschreibung – und über den vielleicht schönsten Traum des Kunstmarkts: dass ein unbekanntes Bild plötzlich Geschichte schreibt.
ECCE HOMO – DER VERLORENE CARAVAGGIO
Regie: Álvaro Longoria
Spanien/Italien 2025, 78 Min., OmU
Ab 25. September 2026 in den österreichischen Kinos.
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ECCE HOMO, © Arsenal Filmverleih

