Die neue Leiterin des Grazer Kunstvereins

Der Grazer Kunstverein hat eine neue künstlerische Leiterin. Die in Belgien geborene und in Litauen lebende Yana Foqué hat in den Niederlanden Fotografie und Grafikdesign studiert und ist nach einer Assistenzstelle ab 2015 als Kuratorin, dann als Geschäftsführerin und Chefkuratorin des Kunstvereins Amsterdam tätig gewesen. Darüber hinaus ist sie als Editorin und Autorin tätig. In Graz beginnt ihr Programm anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der renommierten Kunstinstitution mit einer dreiteiligen Serie von Aktionen, die eine wohlwollende, aber zugleich auch kritische Sicht auf die Institution einnimmt. Was dahinter steckt, verrät Foqué im Gespräch mit PARNASS.
1986 gegründet – in einer Zeit, in der sich die zeitgenössische Kunstszene in Österreich langsam auch international orientierte –, entstand in Graz eine unabhängige Plattform, die sich zum Ziel setzte, junge und experimentelle Kunst zu zeigen, internationale Künstler:innen in die steirische Landeshauptstadt zu bringen und neue Formen des Ausstellens zu ermöglichen.
Künstler:innen wie Heimo Zobernig, Wolfgang Tillmans, Franz West, Erwin Wurm, Pierre Huyghe, Martin Kippenberger, Isa Genzken, Christopher Wool, Rosemarie Trockel oder Albert Oehlen sind nur einige der klingenden Namen, deren künstlerische Positionen im Grazer Kunstverein für Interesse und Aufsehen sorgten, sehr oft lange bevor sie auf dem ganz großen Parkett bekannt wurden. Die künstlerischen Fäden wurden zu Beginn von Peter Pakesch – einer der prägendsten Persönlichkeiten der Grazer Kunstszene – gezogen, später dann von Eva Maria Stadler, Soeren Grammel oder Krist Gruijthuijsen.

Drake Carr, House (Installation view Room 2), Grazer Kunstverein, 2026. Courtesy the artist, Grazer Kunstverein and Mariposa. Foto: Tom Biela
Sie alle und die weiteren künstlerischen Leiter:innen der vergangenen vier Jahrzehnte haben ihr Netzwerk für den Grazer Kunstverein eingesetzt und ihn damit zu einem internationalen Knotenpunkt, einem Platz für Experiment und Dialog gemacht. Nun wurde Yana Foqué aus über 115 internationalen Bewerber:innen für die Position ausgewählt.
P: Yana, wie kam es zu der Bewerbung für die Direktion des Grazer Kunstvereins?
YF: Ich habe den Grazer Kunstverein immer sehr bewundert. Vor allem deshalb, weil man hier im Gegensatz zu vielen anderen Häusern spürt, dass nicht einfach Künstler:innen eingeladen werden, sondern dass jede Direktion eine ganz eigene kuratorische Stimme mitbringt. Diese Stimme ist wichtig, und sie verändert sich mit jeder neuen Leitung. Man kann diese Geschichte wirklich lesen. Es gibt eine gewisse Haltung, die sich durchzieht, auch wenn der Ton jeweils unterschiedlich ist. Genau das hat mich angezogen. Außerdem gibt es in Europa, vielleicht sogar weltweit, nur noch wenige Orte, an denen Künstler:innen wirklich aufgefordert werden, ihre Traum-Ausstellung zu machen und dabei ein hohes Maß an Freiheit bekommen. Dasselbe gilt auch für Kurator:innen. Das ist etwas Besonderes.
P: Mit welchen Kunstprojekten wird das 40-jährige Jubiläum gefeiert?
YF: Mein Plan ist es, den Kunstverein als Institution aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln zu hinterfragen. Für den ersten Teil konnte ich Drake Carr gewinnen, einen Künstler aus New York, der sich zwischen Auftragsarbeiten und Kunstprojekten bewegt. Er wird sechs Wochen lang Menschen, die den Grazer Kunstverein in den letzten Jahrzehnten geprägt haben, porträtieren. Der zweite Teil des Jubiläumsprogramms entsteht mit der finnischen Künstlerin Minna Henriksson, die sich intensiv damit beschäftigt, die unsichtbaren Strukturen einer Kunstszene sichtbar zu machen. Wir haben sie eingeladen, Tanja Gurke, die seit Jahren im Kunstverein tätige Generalsekretärin, zu interviewen und eine Publikation daraus zu machen. Der dritte Teil wird ein Dinner sein. Ich habe dafür Jonas Palekas eingeladen, einen Künstler, der auch Koch ist. Er wird ein Menü entwickeln, bei dem ausschließlich mit Feuer gearbeitet wird. Der Winzer Stefan Krispel fungiert als Sponsor. Diese Kooperation entspricht meinem Leitgedanken: „Art into life". Eingeladen sind Mitglieder, Wegbegleiter:innen und die früheren Direktor:innen des Grazer Kunstvereins. Fast alle haben bereits zugesagt, was mich besonders freut.
P: Wie entstehen die Programme?
YF: Meine eigentliche Spezialität ist Übersetzung, ich versuche das, was Künstler:innen tun, an ein Publikum zu vermitteln. Alles entsteht im Dialog. Ich spreche bereits mit einigen internationalen Künstler:innen, aber natürlich werden auch österreichische Positionen eine Rolle spielen, nur dafür muss ich noch weiter recherchieren.

Yana Foqué, Foto: Sesupe Studio (sesupe.com)
Das ist das Programm, das wir für wichtig halten. Schaut es euch an oder auch nicht.
P: Wie soll der Grazer Kunstverein in den nächsten vier Jahren aussehen?
YF: Ich wünsche mir, dass er sich bewusst gegen Trends stellt. Dass er sich nicht anbiedert. Dass er kritisch sein kann, vielleicht auch ein wenig wütend, und dass er sagt: Das ist das Programm, das wir für wichtig halten. Schaut es euch an oder auch nicht. Aber wir werden es nicht glätten, nur damit es möglichst vielen gefällt.

