Fragments of a Microcosm

Denise Schellmann präsentiert im Viadukt

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

Zwischen Algenzellkern und dem nahezu unverwüstlichen Bärtierchen – Denise Schellmann »At the Printing Table« bei Viadukt in Wien. 


 

Seit einem Jahr setzt sich Denise Schellmann bei Viadukt Screen Prints intensiv mit dem Siebdruck auseinander. Ihre aktuellen Serien entstanden im Rahmen ihrer Residency vor Ort und wurden im April erstmals auf der Brooklyn Fine Art Print Fair präsentiert. In »Fragments of a Microcosm« untersucht die Künstlerin die Bedingungen des Lebendigen: seine Beharrlichkeit und jene mitunter bizarren Erscheinungsformen, die dort entstehen, wo Ordnung und Zufall sich gegenseitig bedingen.

Mikroskopische Beobachtungen, fotografische Studien und digitale Bearbeitungen fließen in ihre Siebdrucke ein. Dennoch bildet die Zeichnung das eigentliche Zentrum, in dem analytische Präzision und intuitive Eingriffe ineinandergreifen. Dass Denise Schellmann ihre Bildwelten als Versuchsanordnungen entwickelt, ist eng mit ihrem wissenschaftlichen Hintergrund verbunden. Als promovierte Chemikerin arbeitete sie im Zuge ihrer Dissertation bis 2011 in der Krebsforschung. Die Beschäftigung mit kleinsten Einheiten, ihren Zuständen und Wechselwirkungen prägt ihr Denken bis heute.

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

In »Fragments of a Microcosm« werden wissenschaftliche Inhalte nicht linear aufgegriffen. Phänomene wie Dormanz, metabolische Anpassung oder symbiotische Interaktion übersetzt die Künstlerin vielmehr prozesshaft. So etwa in der Serie zum Bärtierchen, diesem nahezu absurden Überlebensprofi im Mikrokosmos. Fähig, Kälte, Strahlung oder selbst das Vakuum des Weltraums zu überstehen, wird es in »Tardigrade Parade« zum Referenzmodell für ein Leben in Extremen. Dazu durchkreuzt die Künstlerin biomorphe Farbformen, die das Streben nach kohäsiver Harmonie verbildlichen, mit einem massiven Grafitstift. Der Eingriff wirkt wie ein Stressor, der neue Konstellationen erzwingt. Auch die Technik unterstützt das Vorhaben, da im Siebdruck gelegentlich unvorhersehbare Verschiebungen entstehen.

Die Ausstellung speist sich zudem aus Schellmanns jahrelangem Austausch mit dem CERN, der ihrer künstlerischen Arbeit vorausging. Die dort gewonnenen Impulse greift sie in der Serie »Crossing Over« auf und überführt Mechanismen der genetischen Rekombination in den Siebdruck: Formen überlagern sich, lösen sich auf oder verbinden sich neu. In der Natur wird damit verhindert, dass sich die Chromosomen der Nachkommen mit jenen der Vorfahr:innen decken, um Weiterentwicklung zu garantieren.

Mit vertikalen Blockreihen, eigentlich einer abstrahierten Darstellung von Algenzellkernen, setzt Denise Schellmann diesen Dynamiken zugleich eine strikte Ordnung entgegen. Auch die für sie charakteristische Einbringung der Zahl Sieben kehrt wieder: Jeder handkolorierte Originaldruck entsteht aus sieben Farben und sieben Druckplatten, die Auflage ist auf sieben Exemplare limitiert. Eine Begrenzung, innerhalb derer, wie die Ausstellung bei Viadukt Screen Prints zeigt, große Variation möglich ist.

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

 

 

 


Denise Schellmann.
Fragments of a Microcosm

bis 03.07.2026
Viadukt

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Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

Denise Schellmann, Viadukt, 2026, Foto: Cati Donner

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