So geht Kunst Genuss

Das neue Davy Art Space verführt Wien

Davy Art Space Art Dinner No. 1, 2025, © Teresa Wagenhofer

Der Kunstmarkt schwächelt, Zeit ihn neu zu erfinden. Für Petra und Daniel Karl ist der Schlüssel zum Glück die Gastfreundschaft. Mitten im 7. Wiener Gemeindebezirk starten sie nun ein Galerieprojekt mit kulinarischen Genüssen. Ein Projekt mit Spaßfaktor.


Seit wenigen Tagen hat das Davy Art Space geöffnet. Der fixe Standort liegt in der Lindengasse 51 in 1070 Wien, in einem ehemaligen Skateboard Laden. Nach einem ersten erfolgreichen Pop-Up Event im Herbst 2025 wechselt man nun zu regulären Öffnungszeiten und plant auch schon weit in die Zukunft. Gegründet wurde der Kunstraum vom Ehepaar Petra und Daniel Karl, die bewusst aus der Hospitality Logik heraus denken und zeitgenössische Kunst mit Formaten verbinden, die Begegnung ermöglichen sollen.

Die erste Ausstellung im Galerieraum bestreitet Iris Kojaman mit einer farbkräftigen Soloschau. Die Ausstellung trägt den programmatischen Titel „IT'S ALL ABOUT SOMETHING THAT WAS MISSING BEFORE“ und ist bis 8. März 2026 zu sehen.

Kaffeehäuser gibt es in Wien genug und Galerien gibt es in Wien genug, trotzdem müssen wir das jetzt machen.

erklärt Daniel Karl.

Er ist in Wien als Gastronom an der Schnittstelle von Kultur und Kulinarik aktiv. Er leitet das Café Friedlich im KunstHausWien sowie das Hildebrandt Café im Volkskundemuseum (Wiedereröffnung für Herbst 26 geplant) und kennt damit jene Orte, an denen Publikum, Programm und Aufenthaltsqualität täglich zusammenkommen. Karl kauft selbst gerne Kunst, das sei ihm aber in letzter Zeit langweilig geworden, erklärt er im Gespräch mit PARNASS. Einfach nur in Galerien zu kaufen war ihm zu unpersönlich geworden, es trieb ihn in die Ateliers. Auch Petra, die zuvor als Kunsthistorikerin bei einer Kunstversicherung tätig war, stimmt ein, „ich denke es gibt aktuell ein starkes Bedürfnis nach analogen Erlebnissen.“

Iris Kojaman, En and Eve, 2026, Acryl auf Molino, 120 x 145 cm, © Iris Kojaman

Iris Kojaman, En and Eve, 2026, Acryl auf Molino, 120 x 145 cm, © Iris Kojaman

Das ist tatsächlich nicht nur Hören-Sagen, denn gleich mehrere aktuelle Studien bestätigen zurzeit einen signifikanten Wandel im Luxusverständnis: Erlebnisse, Wellness, Reisen und emotionale Selbstbelohnung überholen zunehmend den reinen Besitz materieller Güter. Der Fokus verschiebt sich von demonstrativem Konsum hin zu einzigartigen, persönlichen Erfahrungen. Diesen Zeitgeist trifft der neue Art Space mit kulinarischen Events.

Küchenchef Alexander Zerava wird die Menüs jeweils auf die aktuelle Ausstellung abstimmen und sie als kulinarische Ergänzung zur Kunst entwickeln, er gilt als bemerkenswerte Position, nicht zuletzt weil er für seine Küche im Museumscafé Café Friedlich eine Haube erhalten hat, im neuen Space darf er sich, so die Besitzer:innen, „voll austoben“. Fixstarter jeder Ausstellung sollen ein Fine Art Dinner, ein Kunst Brunch sowie der Art Aperitivo sein. Beim Dinner kommen rund 20 Gäste zusammen. Die intime Atmosphäre soll Austausch erleichtern und Hemmungen abbauen. Geplant ist, dass auch stets die Künstler:innen als Gesprächspartner:innen anwesend sind.

Davy Art Space Art Dinner No. 1, 2025, © Teresa Wagenhofer

Davy Art Space Art Dinner No. 1, 2025, © Teresa Wagenhofer

Doch auch ohne Konsumzwang kann man im Davy Art Space Kunst schauen. Vernissagen sollen offen gestaltet sein, ebenso wie der Galeriealltag. Geöffnet ist Mittwoch bis Freitag von 13 bis 18 Uhr, Samstag von 11 bis 17 Uhr, außerdem nach Vereinbarung. Die Ausstellungen werden stets von den Events begleitet, sie sind eine „Art Vermittlungsprogramm der Kunst“, erklärt Petra Karl. Neben dem formellen Fine Dining gibt es auch easy-going Flanierprogramm passend zum hippen Bezirk. Beim Art Aperitivo kann man Cocktails oder Mocktails vom Barkeeper – nach italienischem Vorbild – mit kleinen Snacks genießen, wer sein Geld lieber für Kunst zur Seite legt, kann auch einfach so dabei sein.

Programmatisch steht bei Davy junge Kunst unter 10.000 Euro im Mittelpunkt. Zusätzlich sollen regelmäßig leistbare Editionen um rund 150 Euro angeboten werden. Parallel wird Kunst auch online vertrieben, unter anderem über den eigenen Shop und über Artsy. Das analoge Erlebnis soll dem digitalen Angebot vorausgehen, so das Konzept der Karls. Gleichzeitig wollen sie keine Grenzen zu eng setzen und können sich projektbezogene Kooperationen sowie künftig auch Wiederverkauf aus dem Sammler:innenkreis vorstellen. Die Zukunft soll außerdem eine eigene Artist Residency bringen, dafür wird im Laufe des Jahres ein Atelierraum in Wien eingerichtet.

Gleich zum Auftakt ist der Zuspruch groß und die ersten Events ausverkauft. Die Schau von Kojaman passt ideal als erstes Experimentierfeld. Sie ist unkompliziert, farbstark und zugänglich. Das Davy Art Space setzt auf persönliche Ansprache, auf wiederkehrende Formate und auf eine Mischung aus Ausstellung und Essen, die nicht exklusiv wirken soll, sondern einladend. Wien hat dafür gewiss Publikum. Und auf die Frage nach einer gewissen Konkurrenz in der Stadt kann Daniel Karl nur lächeln – auch in der Gastro gab es vor Jahrzehnten noch stark ausgefahrene Ellbogen, meint er, inzwischen hat eine neue Generation gelernt miteinander neues auszuprobieren, das prophezeit er auch der hiesigen Kunstszene. Ein frischer Kunstort mit weit offenen Türen, das kann Wien jedenfalls nur gut tun!

Davy Art Space Opening Public Intimacies, 2025 © Teresa Wagenhofer

Davy Art Space Opening Public Intimacies, 2025 © Teresa Wagenhofer

 

 

 


Iris Kojaman.
It's all about something
that was missing before

bis 08.03.2026

DAVY ART SPACE
Lindengasse 51, 1070 Vienna

Mehr Informationen


Iris Kojaman, Portrait I with Rose, 2025, Acryl auf Molino, 60 x 50 cm, © Iris Kojaman

Iris Kojaman, Portrait I with Rose, 2025, Acryl auf Molino, 60 x 50 cm, © Iris Kojaman

 

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PARNASS 04/2025

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