Dalí-Dreieck: 3 Orte an der Costa Brava, die man gesehen haben muss

Wer Surrealismus hautnah erleben möchte, sollte sich auf den Weg in das sogenannte Dalí-Dreieck an der spanischen Costa Brava machen. Das Triangel reicht vom Wohnhaus des Künstlers in Portlligat über sein Theatermuseum in Figueres hin zur Burg seiner Frau Gala in Púbol.
VERWUNSCHENE ANFÄNGE
Am besten verbindet man die Reise mit einem Aufenthalt in Cadaqués, einem reizenden Fischerdorf mit wilden Buchten und glasklarem Wasser. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch nach Portlligat in das Salvador-Dalí-Haus-Museum, wo der kontroverse Künstler mit seiner Frau bis zu deren Tod 1982 lebte und arbeitete.
1930 erwarb Dalí ein winziges Fischerhaus und kaufte sukzessive die angrenzenden Gebäude dazu. Das Ergebnis ist surrealistisch und wunderbar: Treppauf, treppab geht es durch schmale Verbindungsgänge, vom Atelier des Künstlers zum Schlafzimmer, von der mit Promi-Fotos der 1950er abgeklebten Garderobe zum kreisförmigen Salon mit den gekrümmten Wänden. Ein riesiger japanischer Sonnenschirm hängt da von der Decke, ein ausgestopfter, mit Orden behangener Bär steht dort.

Salvador-Dalí-Haus-Museum, Portlligat, Foto © Alberto-g-rovi via Wikimedia
Durch den abschüssigen Garten, vorbei an Dalís Skulptur „Cristo de las Basuras" – einem Christus, zusammengesetzt aus den Überresten einer Überschwemmung –, geht es zum Pool. Dieser ist in ein traumhaftes Setting eingebettet: Hinter dem Schwimmbad erhebt sich ein klassizistischer Tempel, rundherum gruppieren sich ein pinkes Lippensofa sowie Skulpturen in der Form von Pirelli-Reifen, marokkanischen Poufs, Eiern, Gänsen, übergroßen Gipsbüsten und einem Michelin-Männchen. Ein Fest des Maximalismus!
Um das Auge zu beruhigen, bietet sich ein Abstecher zum Naturpark von Tudela am Cap de Creus an. Am besten mit dem E-Bike: Die Landschaft ist großartig, die Hügel jedoch verlangen eine ebensolche Anstrengung! Der Ausblick entschädigt für alle Mühen, denn man steht plötzlich in einem surrealistischen Gemälde. Etwa in „Die Beständigkeit der Erinnerung", in dem Uhren zerfließen. Oder in „Der große Masturbator" – die Felsformation des Roca Cavallera ist klar als Vorlage erkennbar. Dalí nannte die Gegend „mythologisch, mehr für die Götter als für die Menschen gemacht".
Während Dalís politische Gesinnung und moralisches Urteilsvermögen als überaus fragwürdig gelten, bleibt sein Sinn für surrealistische Ästhetik unumstritten.

Salvador Dalí, El Gran Masturbador, Reina Sofia Museum Madrid, © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí / Bildrecht, Wien 2026 / Foto: Alex-David Baldi via Flickr (Lizenz CC BY 4.0)
EIN LEBEN FÜR DIE THEATRALIK
Nächster Stopp ist des Malers Geburtsort Figueres. Dort schuf er sein Theatermuseum – und Dramatischeres ist wirklich schwer vorstellbar! Auf den Überresten des ehemaligen Stadttheaters aufgebaut, birgt es einen Überblick über das Œuvre des Künstlers, der 1989 mit 84 Jahren verstarb. Gefühlt alles ist da: von den berühmten surrealistischen Gemälden der 1920er- bis 1940er-Jahre (davon wenig) bis zu seinem Alterswerk (davon sehr viel). Selten verlässt man das Museum eines geschätzten Künstlers und wünscht sich, man hätte weniger gesehen, doch das ist hier der Fall. Während die Fresken, die optischen Täuschungen und Doppelbilder, die Holografien und die stereoskopischen Arbeiten aus den 1970er-Jahren noch als unterhaltsam durchgehen, enttäuscht die spätere Malerei. Lieber schnell einen Abstecher zur Dalí-Juwelen-Galerie nebenan: Man staunt begeistert vor seinen fantasievollen Entwürfen wie einem mechanisch schlagenden Herz aus Rubinen.
DAS TRIO KOMPLETT
Letzter Punkt des Dreiecks ist Schloss Púbol, eine mittelalterliche Burg, die der Maler seiner Gala schenkte. Die Beziehung der beiden ist legendär: Als sie sich 1929 kennenlernten, war Dalí so hingerissen, dass er bei ihrem Anblick jedes Mal in hysterisches Lachen ausbrach. Sie verließ ihren Ehemann Paul Éluard kurz darauf und war fortan Dalís Muse, Ehefrau und Managerin. Es war ein unkonventionelles Verhältnis – der Maler durfte die Burg etwa nur mit Galas schriftlicher Einladung betreten. Er hatte den Ort als Schrein für sie konzipiert und die gesamte Ausstattung als Dalí'sches Gesamtkunstwerk entworfen, von den Fresken im Salon über die goldenen Wasserhähne im Bad bis hin zu dem Garten mit den surrealistischen Skulpturen und plätschernden Becken. Während Dalís politische Gesinnung und moralisches Urteilsvermögen als überaus fragwürdig gelten, bleibt sein Sinn für surrealistische Ästhetik wohl unumstritten.
Heute ist die Burg auch eine Ruhestätte, in der Krypta liegt Gala begraben. Dalí ruht jedoch in Figueres, unter der Bühne seines Theatermuseums – noch im Tod der fanatischen Inszenierung seiner selbst nahe.

Castell Gala Dalí, Púbol, Foto © Albert Torelló via Flickr (Lizenz CC BY-SA 2.0)
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