Collector Story – Audrey & Nuriel Molcho

Die Wohnung von Audrey, Nuriel und Sohn Ilay Molcho ist voller Kostbarkeiten, dabei treffen große Namen auf Allerpersönlichstes. Es ist viel los – wie im Leben der beiden: ob Brand Management im Familienunternehmen NENI, Hutmacherei, Fotografie, Content Creation oder Alltag mit Kind. Audrey und Nuriel Molcho mögen es bunt. Ohne Hierarchien hängen im klassischen Stilaltbau entlang der herrschaftlichen Ganggalerie Instagram-Entdeckungen neben Street-Art-Größen. Im Wohnzimmer der, von Thierry Morali entworfenen Wohnung findet sich ein Klimt-Druck in Nachbarschaft zu Tribal Art aus Marokko. Was besonders ist, bekommt einen Rahmen – sei es ein Zeichenstift des Großvaters oder ein geschrumpfter Luftballon mit Geschichte.
PARNASS: Nuriel, auf deiner Webseite schreibst du: »Art is part of my life« – wie zeigt sich diese Tatsache bei euch?
NURIEL MOLCHO: Alles kann Kunst sein, je nachdem, wie du es betrachtest. Du kannst dein Leben als ein Kunstwerk betrachten und einfach sagen, dass du immer an dir selbst arbeitest, dass es sich entwickelt, je nachdem, wer es wahrnimmt. Ein schöner Blumenstrauß kann Kunst sein. Für mich ist Kunst etwas, das Emotionen weckt. Es kann schön oder auch nicht schön sein, aber es muss eine Reaktion in dir hervorrufen. Menschen, die ein emotional aufgeladenes Leben leben – mit Höhen und Tiefen – umgeben sich meiner Erfahrung nach auch gerne mit Kunst.
Ich mag nicht eine Linie, sondern die Geschichten sind mir wichtig. Das spiegelt unsere Sammlung jetzt viel mehr wider.

Wohnung von Audrey und Nuriel Molcho, Foto: Christoph Liebentritt
P: Eure Sammlung ist sehr persönlich, wie ein Erinnerungsalbum. Kann man an ihr auch Wendungen in eurer Biografie nachvollziehen?
AUDREY MOLCHO: Ja, auf jeden Fall. Angefangen mit dem Kunstsammeln hat Nuriel. Früher war es viel verspielter, es war vieles kunterbunt, viel Street-Art-Kunst, die einen schnell in den Bann ziehen kann, weil sie eben auch ein bisschen lauter ist. Mit der Zeit hat sich das gewandelt. Wir müssen auch nichts unser Leben lang besitzen, wir verkaufen und kaufen mit dem Geld wieder etwas Neues, das besser zu unserer aktuellen Situation passt.
P: Was ist das Absurdeste in eurer Sammlung?
NM: Ein Hundeluftballon! Ich wollte immer einen Dackel – in der Theorie, aber nicht in der Praxis. Zum 30. Geburtstag hat Audrey mir dann einen geschenkt. Keinen echten, sondern einen aufgeblasenen Ballon-Dackel. Der hat irgendwie ewig überlebt. Wurde langsam kleiner, immer trauriger, aber er war noch da. Nach drei, vier Jahren hab ich gesagt: Okay, der lebt jetzt so lange mit uns – wir lassen die Luft raus und rahmen ihn ein. Jetzt sieht er wirklich aus wie ein Kunstwerk – fast wie ein Jeff Koons.
P: Geht ihr auch in Galerien und auf Kunstmessen und lasst euch beraten?
AM: Gar nicht mehr. Früher haben wir das gemacht, aber inzwischen gehen wir nur noch in Ausstellungen und nicht mehr auf Messen.
NM: Auf Messen wird man überladen – it’s too much. Uns haben die Kunstwerke immer irgendwie gefunden.
P: Wie schaut’s mit Studio Visits aus?
AM & NM: Das machen wir sehr gern. Direkter Austausch mit Künstler:innen ist uns ein Anliegen. Gerade planen wir auch zum ersten Mal ein Projekt mit TOMAK – wir werden Hüte mit ihm bemalen.

Audrey und Nuriel Molcho vor einer Arbeit von Wolfgang Grinschgl, Foto: Christoph Liebentritt
Ich finde, Kunst soll wandern. Sie soll Freude machen. Ich verstehe es nicht, wenn Menschen Kunst nur bunkern und horten. Kunst muss gesehen und erlebt werden.
P: Wie steht ihr so zu der sogenannten Kunstwelt?
AM: Schwierig. Ich bin nicht wirklich Teil der Kunstwelt. Aber sie muss existieren – besonders für die Künstler:innen. Sie sind finanziell darauf angewiesen. Dieses ganze Business, das „dirty business“ dahinter, ist Teil davon. Doch als Konsument:in möchte man so tun, als gebe es das alles nicht. Man will romantisieren. Nur: Das ist nicht realistisch.
NM: Ich denke, man muss das Ganze auch mit einer Portion Humor nehmen – mit Leichtigkeit. Sonst wird’s schnell elitär. Dann geht’s plötzlich darum: Kennst du diesen Künstler? Und jenen? Es gibt so viele Namen – irgendwann blickst du nicht mehr durch und fühlst dich einfach nur verloren. Und dann denkst du dir: Ich will nicht belehrt werden. Kunst ist für mich etwas Emotionales, etwas Schönes, etwas, das etwas in dir auslöst. Sie soll ins Leben kommen und auch wieder gehen können – wie es eben passt. Aber ja, some people are too serious about it.
Das ganze Interview ist in unserem Up&Coming Special 2025 nachzulesen.

Ilay Molcho im Flur, Foto: Christoph Liebentritt













