eine Ausstellung des MAK

CLIMATE PANDEMICS | Dark Euphoria

Apokalyptische Szenarien und zwei aufstrebende Objektkünstler*innen stehen im Zentrum der Dialogausstellung CLIMATE PANDEMICS: Dark Euphoria. Ihren Ausgangspunkt nimmt sie in der Science Fiction, genauer gesagt der Climate Fiction. Ein Genre, das sich mit Klimakatastrophen und deren Folgen für Gesellschaft und Zusammenleben beschäftigt, mit dem Versuch, Umweltthemen mit der Erfahrung zu verknüpfen, so in einer anderen Welt zu leben, als ob wir ein Teil dieser Welt wären.


Romane wie jene von Margaret Atwood oder James Graham Ballard geben Leser*innen Einblicke in die drastischen Veränderungen, die neue klimatische Umstände mit sich bringen könnten. „Climate Fiction ist so spannend, weil sie auf wissenschaftlichen Daten beruht, aber in der Narration wild spekuliert. Das kann einem die Augen oft mehr öffnen als jeder Fachartikel. Aus einer fiktiven Zukunft auf das Hier und Jetzt zurückzuschauen kann uns helfen, unsere Situation besser zu verstehen und sie hoffentlich umzugestalten!“, erklärt Kuratorin Marlies Wirth.

Kerstin von Gabain, Thigh bone (leek), 2016 Wachs © Kerstin von Gabain

Climate Fiction ist so spannend, weil sie auf wissenschaftlichen Daten beruht, aber in der Narration wild spekuliert. Das kann einem die Augen oft mehr öffnen als jeder Fachartikel. Aus einer fiktiven Zukunft auf das Hier und Jetzt zurückzuschauen kann uns helfen, unsere Situation besser zu verstehen und sie hoffentlich umzugestalten!

Marlies Wirth, Kuratorin

Sie stellt der Schau CLIMATE PANDEMICS eine Kurzgeschichte, wahrnehmbar als Audio im Ausstellungsraum, als konzeptuelle Klammer zur Seite. Sie ist das Gedankenspiel, vor deren Hintergrund Wirth zwei in Wien lebende Künstler*innen einlud, neue Arbeiten zu entwickeln: Kerstin von Gabain (*1979 Palo Alto, CA) und Ivan Pérard (*1984 Kopenhagen, DK).

Kerstin von Gabain interessiert sich für Anime, Horrorfilme, Science-Fiction, Medizingeschichte und historische Sammlungspräsentationen. Ihre in Wachs oder Gips abgeformten Objekte befassen sich mit Knochen, Knochenwerkzeugen sowie der Geschichte der Tierknochen-Orakel und dem Wissen, das im Knochen verborgen ist. „Mit den richtigen Technologien entschlüsselt, sind Knochen auch Informationsträger und können vieles über eine Spezies erzählen“, erklärt Wirth.Mit solchen Relikten erinnert CLIMATE PANDEMICS in einer postapokalyptischen Zeit an vorhergegangene Gesellschaften. Eine Frage scheint zu überdauern: „Where did we go wrong?“ So stehen der organischen Forschung von Gabains die 3-D gedruckten Avatare Pérards gegenüber. Skulpturen, die in ihrer Form an Fragmente mysteriöser Maschinen erinnern.

Ivan Pérard interessiert sich für die Theorie, dass sich molekulare Nanotechnologie selbst replizieren und nahtlos an ihre Umgebung anpassen kann. Im Fall einer Eskalation kommt es dabei zur „Ökophagie“, dem Auffressen der eigenen Umwelt, was letztlich sämtliches Leben auf der Erde auslöschen würde. Jedoch macht Pérard eines subtil deutlich: „Die Angst, dass Nanobots den Planeten aufessen, ist vielleicht weniger begründet als die vom Menschen betriebene ‚Ökophagie‘ durch Ressourcenverschwendung und Massenkonsum“, so Wirth.

Kerstin von Gabain Jaw bone (hippo) #2, 2021 Glycerin © Kerstin von Gabain Courtesy of EXILE Gallery


Unter dem Motto PLANET LOVE widmet sich die VIENNA BIENNALE FOR CHANGE 2021 der Mega-Herausforderung des Digitalen Zeitalters: Klimafürsorge (Climate Care). Ihre Veranstalter – MAK, Universität für angewandte Kunst Wien, Kunsthalle Wien, Architekturzentrum Wien und Wirtschaftsagentur Wien sowie das KUNST HAUS WIEN und das AIT Austrian Institute of Technology als außeruniversitärer Forschungspartner – versammeln in Ausstellungen und Diskurs-Projekten visionäre Entwürfe und herausragende Ideen von KünstlerInnen, DesignerInnen und ArchitektInnen, die einen radikalen Wandel unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften im Sinne von PLANET LOVE und nachhaltiger Klimafürsorge unwiderstehlich machen. Die Vienna Biennale läuft noch bis 3. Oktober 2021.

Museum für angewandte Kunst

Ausstellungshalle
Stubenring 5
1010 Wien
Österreich

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