Cityspot Hamburg

Die Nordsee, unzählige Kanäle und an die 2.500 Brücken, elegante Arkaden und Einkaufsstraßen, die historische Speicherstadt mit ihren übergroßen Backsteinbauten, die weithin sichtbaren Kräne des Industriehafens und die futuristische Architektur der Elbphilharmonie, all das sind nur einige der beeindruckenden Charakteristika der Hansestadt Hamburg. Zusätzlich zu all dem gibt es eine lebendige Szene an Galerien, den Hamburger Kunstverein und etliche Offspaces, die oft experimentellen und grenzüberschreitenden Projekten Raum geben. Clarissa Mayer-Heinisch hat für PARNASS aktuelle Ausstellungen besucht und berichtet aus Hamburg.
STATES OF REBIRTH. KÖRPERBILDER IN BEWEGUNG
PHOXXI. Haus der Photographie temporär/Deichtorhallen Hamburg | bis 17. August 2025
„Unsere Posen, Haltungen und Berührungen spiegeln einerseits unsere Einbettung in gesellschaftliche Strukturen wider, können zugleich aber auch Werkzeug der Selbstermächtigung und Transformation sein“, so Kuratorin Nadine Isabelle Henrich. Mittels der vielfältigen Arbeiten aus den Bereichen zeitgenössische Performance-, Porträt- und Tanzfotografie kann man den erwähnten Beziehungen zwischen Körper, Bewegung und gesellschaftlichen Strukturen in dieser Ausstellung nachspüren. „Künstler:innen der jüngeren Generation, die noch nicht im Mainstream angekommen sind“, sind dabei die Protagonist:innen dieser Schau. Isaac Chong Wai, dessen Projekt „Falling Reversely“ im Arsenal der Biennale in Venedig prominent vertreten war, Felipe Romero Beltrán dessen Videoinstallation "Instructions" hier zum allerersten Mal zu sehen ist und Moshtari Hilal, die aus Kabul stammende und nach Hamburg geflohene Autorin des Buchs "Hässlichkeit" sind nur ein paar der großen Namen, die in "States of Rebirth" auf uns warten.

Ausstellungsansicht "States of Rebirth: Körperbilder in Bewegung" im temporären Haus der Photographie, Deichtorhallen Hamburg, 2025, © Deichtorhallen Hamburg, Foto: Henning Rogge
GLITZER
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg | bis 26. Oktober 2025
Zwei blau geschminkte Gesichter funkeln und glitzern, wenn das australische Performanceduo „The Huxleys“ tanzend über die Leinwand schwebt. Die Arbeiten der Perücken-Designer Karl Gadzali und Mohamad Barakat-Götz, ein Video, in dem der Politiker Mario Dragi von einem Protestierenden mit Glitzer überschüttet wird, oder die Installation eines vollgeräumten Mädchenzimmers der Hamburger Künstlerin Jenny Schäfer, die in aller ihrer Glitzer-Ästhetik Erinnerungen auslöst, sind nur einige der Positionen, die im großen Haus am Steintorplatz zu sehen sind. Ab Juni wird es zusätzlich die Rauminstallation „Puff Out“ des türkisch-belgischen Duos „mentalKLINIK“ geben.
„Es war uns wichtig, die Grenzen zu brechen“, so die Kuratorinnen Nina Lucia Groß und Julia Meer. So ist es gelungen, Glitzer auf Bühnen ebenso zu zeigen wie auf Protestplakaten, in Kinderzimmern oder im partizipatorischen Ansatz der Ausstellung. „Glitzer kommt in gesellschaftlichen und politischen Kontexten ebenso vor wie in kollektiven Bewegungen, die von Freude, Ausgelassenheit und Performance über Popkultur bis zu Widerstand gegen Körpernormen reichen.“

The Huxleys, Style Over Substance, Videostill, 2021, Glitzer, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, 2025, Courtesy of MK&G
IN HER HANDS. BILDHAUERINNEN DES SURREALISMUS
Brucerius Kunst Forum | (geendet)
In den klaren, emporragenden Räumen des Bucerius Kunst Forums in Hamburgs Zentrum bevölkern Skulpturen die Ausstellungsfläche. Fenster, die aus konservatorischen Gründen während anderer Ausstellungen meist abgedunkelt sind, lassen nun das Frühlingslicht herein und die Arbeiten von drei bemerkenswerten und doch vergessenen Künstlerinnen wirken. Zwischen den dreien, Sonja Ferlov Mancoba, Maria Martins und Isabelle Waldberg, gibt es viele Parallelen, die auch in der Ausstellung thematisiert werden. Werke aus den Nachlassen, sowie aus Sammlungen kehren hier ein und reichen von filigranen, abstrakten Gebilden bis hin zu großen, imposanten Skulpturen. Projektleiterin Daria Dittmeyer-Hössl freut sich: „Wir zeigen drei sehr eigenständige, starke Positionen, die durch die männliche Kunstgeschichtsschreibung leider in Vergessenheit geraten sind.“

In Her Hands, Ausstellungsansicht, Bucerius Kunst Forum, 2025, Foto: Ulrich Perrey
WEITERE HAMBURG-TIPPS:
BESTE AUSSICHT
• Altonaer Balkon
• Elbstrand Övelgönne
• Dockland-Gebäude
• Alter Elbtunnel (Steinwerder-Seite)
HAMBURG ALS MUSICALSTADT
Neben London, Paris und New York gilt Hamburg als Deutschlands Musical-Hauptstadt. Jährlich strömen Millionen von Besucher:innen in die großen Theater der Stadt, um die Klassiker unter den Musicals zu erleben. Neben Welterfolgen wie „Der König der Löwen“ hat Hamburg auch besondere Insider:innentipps zu bieten. Heiße Ecke – Das Kiez- Musical: Für ein authentisch- hamburgisches Musical- Erlebnis empfiehlt sich ein Besuch im Schmidts Tivoli. Das Kult-Musical „Heiße Ecke“ entführt das Publikum mitten auf die Reeperbahn und erzählt mit viel Humor und Herz Geschichten aus St. Pauli. Es ist das perfekte Stück für alle, die das echte Hamburg-Feeling mit Musik und Ambiente erleben wollen.
KULINARISCHE TIPPS
• Brücke 10: Legendäre Fischbrötchen mit direktem Blick aufs Wasser – ein Muss beim Hamburg- Besuch!
• Hobenköök: Regional, saisonal und nachhaltig – wer ein authentisches Labskaus probieren möchte, ist hier genau richtig.
• Isemarkt: Einer der schönsten Wochenmärkte Europas – unter der U-Bahn-Trasse gelegen, bietet er frische Delikatessen und Spezialitäten aus aller Welt.
• Fischmarkt: Kultiger Markt direkt an der Elbe – sonntags ab 5 Uhr ein Erlebnis mit Live-Musik, Marktschreiern und frischem Fisch.
• Franzbrötchen: Ein Hamburg- Trip ohne Franzbrötchen? Undenkbar! Wo es das beste gibt, daran scheiden sich die Geister. Doch mit einem Besuch in „Die Kleine Konditorei“ in Eimsbüttel oder einem schnellen Stopp bei „Franz & Friends“ am Hauptbahnhof liegt man garantiert goldrichtig.
UND UND UND
• Elbtunnel zu Fuß oder mit dem Rad durchqueren: Ein Stück Hamburger Geschichte unter der Elbe hindurch – und auf der anderen Seite gibt’s den besten Blick auf die Skyline.
• Strandperle: Kultiger Beachclub direkt am Elbstrand – barfuß im Sand sitzen und den Containerschiffen beim Vorbeiziehen zuschauen.
• Treppenviertel in Blankenese: Ein labyrinthartiges Viertel mit verwinkelten Gassen und Blick auf die Elbe. Perfekt für einen Spaziergang und Sundowner am Strand.
