Ausstellungen zum 250. Geburtstag

Caspar David Friedrich: DER deutsche Romantiker und Sehnsuchtsmaler

Caspar David Friedrich, Mönch am Meer, 1808-1810, Öl auf Leinwand, 110 x 171,5 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Fotograf: Andres Kilger

Bewundert, vergessen, wiederentdeckt und seitdem über alles geliebt: Der deutsche Romantiker Caspar David Friedrich (1774–1840) wird zu seinem 250. Geburtstag mit großen Ausstellungen in Berlin, Dresden sowie im nächsten Jahr mit einer Ausstellung im Metropolitan Museum in New York gefeiert.


Am nächsten kommt man dem Maler jedoch in seiner Heimatstadt Greifswald, in der eine sehr besondere Sammlung verwahrt und nun erstmals vollständig gezeigt wird.

Er zeichnete in der Natur, doch er malte Seelenlandschaften.

Eine Staffelei, einen Tisch, einen Stuhl, ein paar Paletten und ein zur Hälfte verdunkeltes Fenster – mehr brauchte Caspar David Friedrich nicht. Denn wenn der berühmteste deutsche Romantiker Landschaften malte, blieb die Natur draußen. Was Friedrich malte, entstand vor seinem inneren Auge. Er hatte Schlucht und Baum und Meer, Friedhof, Berg und Boote gesehen und gezeichnet. Wenn er sie dann malte, konstruierte er Bilder, setzte Landschaften aus Erinnerungen zusammen, drapierte Menschen bedeutungsvoll in diese Bilder hinein und erzeugte Wirkungen, die damals bewundert wurden und heute geradezu geliebt werden. So sehr geliebt, dass Friedrich als DER deutsche Romantiker unter den Malern seiner Zeit gilt. Es wird von „Sehnsuchtsbildern“ gesprochen, von „Naturvisionen“, vom „Sehnsuchtsvollen und Melancholischen“, das seine Bilder transportierten, und es wird geraunt, das entspreche der Seele der Deutschen.

Caspar David Friedrich, Das Große Gehege bei Dresden, 1832 Öl auf Leinwand, 73,5 x 103 cm, © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Caspar David Friedrich, Das Große Gehege bei Dresden, 1832 Öl auf Leinwand, 73,5 x 103 cm, © Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski

Dass eine so große Bewunderung für den deutschen Romantiker im Jahr seines 250. Geburtstages am 5. September 2024 zum Anlass für drei große und viele kleinere Ausstellungen wurde, überrascht daher nicht. 

Im April eröffnete eine große Ausstellung in der Berliner Alten Nationalgalerie – es ist die erste umfassende Vorstellung des Künstlers in Berlin. Das überrascht, denn Berlin trug frühzeitig, mehrfach und entscheidend zu seinem Erfolg bei.

Berlin: Friedrichs Pionier-Enthusiasten?

In Berlin wurde nicht nur frühzeitig Friedrich gesammelt, in Berlin wurde er 60 Jahre nach seinem Tod auch wiederentdeckt. Denn die anfänglich große Bewunderung Friedrichs durch die Zeitgenossen erlahmte noch zu seinen Lebzeiten. Das lag nicht nur am Wandel der Kunst-Moden und Interessen, sondern auch an Friedrich selbst. Der Künstler war ab 1825 immer wieder krank, so dass er nur wenig Neues malen konnte. 1835 dann erlitt er einen Schlaganfall mit Lähmung der Malhand. Er zeichnete mehr, doch zwei Jahre später war er fast völlig gelähmt, 1840 starb er mit 65 Jahren in Dresden. Da war er schon fast vergessen. In den Jahren darauf verschwand das Interesse an Friedrichs Malerei gänzlich.

Erst die Begeisterung des norwegischen Kunsthistorikers Andreas Aubert Anfang des 20. Jahrhunderts brachte Friedrich zurück ins Bewusstsein der deutschen Museumsdirektoren und des Publikums.

Fest steht: Wo Friedrich genannt wird, ist Erfolg garantiert.

 

Caspar David Friedrich, Das Eismeer, 1823/24 Öl auf Leinwand, 96,7 x 126,9 cm Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Caspar David Friedrich, Das Eismeer, 1823/24 Öl auf Leinwand, 96,7 x 126,9 cm Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford

Das heimliche Zentrum der Berliner Ausstellung ist ein kleines Foto von 1906, das Friedrichs Gemälde in der „Jahrhundertausstellung“ zeigt. Sie waren in einem Kabinett dicht gedrängt und doppelreihig übereinander gehängt worden. Kuratorin Birgit Verwiebe hat versucht, die damals gezeigten Friedrich-Arbeiten noch einmal zu versammeln.
Insgesamt sind jetzt in Berlin 61 Gemälde und 54 Zeichnungen unter dem Titel „Unendliche Landschaften“ zu sehen. Jedes Bild bekommt viel Raum und wurden nicht chronologisch, sondern nach Motiven geordnet. So gibt es Säle mit den Selbstporträts und Porträts, mit Gebirgsbildern, mit Küstenbildern, es gibt einen Saal, der acht von elf existierenden Bilderpaaren versammelt, einen Saal zu Kriegsverlusten und Kabinette zu den Maltechnik-Forschungen. Der Berliner Fokus sorgt für Konzentration und lädt zum Vergleich der Motive, ihrer Entwicklung, ihrer Varianten ein.

Caspar David Friedrich, Selbstbildnis, um 1810 Graue Kreide, auf Papier, 22,9 x 18,2 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

Caspar David Friedrich, Selbstbildnis, um 1810 Graue Kreide, auf Papier, 22,9 x 18,2 cm, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders

Greifswald – Ausstellungen in der Geburtsstadt des Malers

Trotzdem kann seine Geburtsstadt nicht nur behaupten, dass dort alles begann: In Greifswald, im Norden, begann am 5. September 1774 das Leben von Caspar David Friedrich. Von Greifswald ging er zum Studium an die Königlich Dänische Kunstakademie nach Kopenhagen, später nach Dresden, wo er weiter studierte, lebte, heiratete, Vater von drei Kindern wurde. In Dresden stellte sich der Erfolg ein, in Dresden wurde er krank und dort starb er 1840. Da waren er und sein Werk bereits vergessen.
Nicht so in Greifswald. Weil Friedrichs Beziehungen zur Familie, zu Greifswald und zur Ostseelandschaft immer eng waren und er häufig nach Hause reiste, blieben Werke in Privatbesitz in der Stadt.

Erstmals sind diese besonderen Schätze jetzt vollständig in einer liebevoll arrangierten Ausstellung im Pommerschen Landesmuseum, die dem Lebenslauf des Künstlers vom Eintrag ins Taufbuch der evangelischen Domgemeinde über die frühen Zeichenstudien mit 13 Jahren bis hin zum Spätwerk folgt, zu sehen.

Caspar David Friedrich, Ruine Eldena im Riesengebirge, 1830/1834, Pommersches Landesmuseum, Greifswald

Caspar David Friedrich, Ruine Eldena im Riesengebirge, 1830/1834, Pommersches Landesmuseum, Greifswald


Dieser Text wurde gekürzt. Den ganzen Beitrag lesen Sie in unserer Sommerausgabe.

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BERLIN, Alte Nationalgalerie, bis 4. August

GREIFSWALD, Pommersches Landesmuseum, mehrere Ausstellungen bis 2025

DRESDEN, Albertinum und Residenzschloss, 24. August 2024 bis 5. Januar 2025

NEW YORK, The Soul of Nature, Metropolitan Museum New York, 8. Februar bis 11. Mai 2025

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