Tiefensammler Helmut Zambo

Arnulf Rainers lebenslanger Begleiter

Helmut Zambo, 2024, Foto: © Simon Veres

Anlässlich des 95. Geburtstag von Arnulf Rainer würdigt das gleichnamige Museum in Baden den Künstler und sein vielschichtiges Œuvre mit einem dreijährigen Ausstellungszyklus. Im Mittelpunkt der Schau stehen Werke aus der Sammlung Zambo: frühe Arbeiten Rainers sowie seine ikonischen Kreuzübermalungen, die zu den Höhepunkten seines Schaffens zählen. Der passionierte Kunstsammler Helmut Zambo begleitete den Künstler durch alle Schaffensperioden und übergibt dem Land Niederösterreich mehr als 1.000 Werke, den Kernbestand seiner umfangreichen Sammlung. PARNASS traf den Sammler in seiner Wiener Wohnung zum Gespräch. Lesen Sie das ganze Interview in der aktuellen Ausgabe 04/2024.


Ein wirklicher Sammler spart sich die Kunst vom Mund ab, denn die Nähe eines geliebten Bildes ist wie die Nähe eines geliebten Partners.

Helmut Zambo

PARNASS: Eine Arbeit von Arnulf Rainer habe ich noch im Vorzimmer entdeckt. Als ich Sie das letzte Mal besucht habe, waren die Wände noch übervoll mit den kraftvollen Bildern des Übermalungs-Künstlers.

HELMUT ZAMBO: Früher hingen hier rund 60 Arbeiten von Arnulf Rainer sowie über 30 Werke von Günter Brus. Ich habe dem Land Niederösterreich rund 300 Rainer-Arbeiten übergeben, zentrale Werke aus allen Schaffensphasen – von surrealistischen Arbeiten, Proportionsstudien und Blindzeichnungen über frühe Übermalungen, „Face Farces“ und Totenmasken bis hin zu monumentalen Kreuzarbeiten und Schleierbildern. Etwa 20 Werke habe ich behalten. Die hängen jetzt in unserem Haus in Baden-Württemberg. Meine Frau meinte kürzlich, dass wir nun endlich Wände haben! Und sie hat recht, nicht nur die Wiener Wohnung, auch unser Haus in Deutschland ist durch die Schenkung lichter geworden.

Helmut Zambo, 2024, Foto: © Simon Veres

Helmut Zambo, 2024, Foto: © Simon Veres

P: Es ist eine ungemein großzügige Schenkung. Warum aber geben Sie die Arbeiten in neue Hände? Sie hätten noch weiter mit ihnen leben oder sogar neue Werke zukaufen können?

HZ: Zukäufe sind schon passiert [lacht]. Aber die Schenkung hatte vor allem zwei Gründe. Wenn ich gestorben wäre, hätte meine Frau die deutsche Erbschaftssteuer von circa 12–15 Millionen Euro nicht bezahlen können. Vor allem aber wollte ich, dass meine Sammlung, die auch das Frühwerk Rainers umfasst, als Ganzes erhalten bleibt. Für mich ist diese Sammlung ein Lebenswerk, denn meine erste Rainer-Arbeit habe ich 1960 gekauft, da war ich gerade einmal 21 Jahre jung. Mit der Schenkung habe ich nun eine Heimat für die Bilder gefunden, und sie können im Rainer-Museum in Baden, im museum gugging und zahlreichen anderen Museen in Niederösterreich präsentiert werden.

Ich war wie vom Blitz getroffen.

Helmut Zambo

P: Wie war Ihre erste Begegnung mit Arbeiten von Arnulf Rainer?

HZ: Damals wohnte ich als Student im zweiten Bezirk. Otto Breicha – Publizist, Museumsdirektor und einer der ersten Rainer-Sammler überhaupt – hatte dort im Dachgeschoß einen Lagerraum gemietet. Wenn bei mir Licht brannte, hat er oft geklopft und wir haben zusammen Kaffee getrunken. Auch ich habe damals schon Kunst gesammelt, vor allem Arbeiten der Wiener Schule des Fantastischen Realismus, unter anderem von Arik Brauer. Breicha haben diese Werke gut gefallen, aber eines Tages meinte er: Wollen S’ einmal etwas anderes sehen? So sind wir also in sein Dachboden-Lager gegangen, dort standen 15–20 frühe Rainer-Arbeiten. Ich war wie vom Blitz getroffen.

Arnulf Rainer, Zentralgestaltung, 1952, Ölkreide, Graphit auf Papier, Landessammlungen NÖ – Sammlung Zambo, Deutschland, © Arnulf Rainer, Foto: Landessamlungen NÖ

Arnulf Rainer, Zentralgestaltung, 1952, Ölkreide, Graphit auf Papier, Landessammlungen NÖ – Sammlung Zambo, Deutschland, © Arnulf Rainer, Foto: Landessamlungen NÖ

P: Durch die großzügige Schenkung, deren Wert laut Gutachten mit über 40 Millionen Euro beziffert wird, erfahren die Landessammlungen Niederösterreich nun eine der bedeutendsten Erweiterungen in ihrer Sammlungsgeschichte. Neben der Kernsammlung, die vor allem aus Bildern von Arnulf Rainer besteht, finden sich in dem Konvolut auch bedeutende Arbeiten von Günter Brus und österreichischen Art-brut-Künstlern. Ich nehme aber an, dass Sie Ihre erste Rainer-Arbeit behalten haben?

HZ: Natürlich! Die hängt in unserem Haus in Deutschland. Die gebe ich niemals her! Auch 60 Jahre später löst sie bei mir noch Herzklopfen und Glücksgefühle aus, wenn ich davorstehe. Die Arbeit ist einfach zu wichtig für mich.

TIEFENSAMMLER

Helmut Zambo war über Jahrzehnte in der internationalen Unternehmensberatung tätig und leitet heute als geschäftsführender Gesellschafter den Hamm-Kliniken Verbund mit Sitz in Baden-Württemberg. Neben seiner beruflichen Karriere baute Helmut Zambo in über 60 Jahren seine einzigartige Kunstsammlung auf. Dabei liegt die Besonderheit seiner Sammelleidenschaft darin, einzelne Künstler ein Leben lang als Sammler zu begleiten. Deshalb wird Zambo auch als »Tiefensammler« bezeichnet.

Helmut Zambo, 2024, Foto: © Simon Veres

Helmut Zambo, 2024, Foto: © Simon Veres

Das könnte Sie auch interessieren