ARCHITEKT UND KARIKATURIST GUSTAV PEICHL GESTORBEN

GUSTAV PEICHL I Foto: dpa

Gustav Peichl einer der bekanntesten und international renommiertesten Architekten Österreichs und als Ironimus bekannt für seine spitzen Karikaturen, starb am vergangenen Sonntag, 17. November 2019 im 92. Lebensjahr nach kurzer schwerer Krankheit in seinem Haus in der Himmelstraße in Wien-Grinzing, wo er seit 1962 lebte und das nach seinen Plänen errichtet wurde.


Gustav Peichl bezeichnete sich selbst stets auch als Doppelgänger. Mit seiner Baukunst prägte er nicht nur die Bundeshauptstadt Wien sondern bundesweit die österreichische Architektur. So legte er mit die kreisrunde Formensprache der ORF-Landesstudios fest und schuf mit Kulturbauten wie der Bundeskunsthalle in Bonn, dem Probengebäude der Münchner Kammerspiele, dem Karikaturmuseum Krems, dem Anbau des Städelmuseums und der Wiener Messe auch in der Kulturszene Landmarks.Er hat sich niemals an irgendeinen Stil angelehnt, er ist nie auf einen modischen Zug aufgesprungen, weder auf den Dekonstruktivismus noch auf die Postmoderne", zitiert Nina Schedlmayer in ihrem Profil-Artikel zum Peichls 90. Geburtstag seinen älteren Kollegen und früherer Arbeitgeber Roland Rainer. Bereits 1969 erhielt Peichl den Preis der Stadt Wien für Architektur, 1971 den Staatspreis, weitere ehrenvolle Titel und Auszeichnungen folgen. Zwei Mal wurde Peichl zur Architekturbiennale Venedig geladen, von 1973 bis 1996 lehrte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien.


Die Karikatur war sein Steckenpferd.

Die Karikatur war sein Steckenpferd, wie Wojciech Czaja in seinem Nachruf zu Gustav Peichl (www.standard.at) schreibt. Unter dem Pseudonym Ironimus kommentierte Peichl mit spitzer Feder mehr als 60 Jahre lang das politische Zeitgeschehen. Zum 90. Geburtstag widmete ihm das das Karikaturmuseum in Krems 2018 Retrospektive und zeigte unter dem Titel „Jetzt mal keine Politik!“ Cartoons von 1948 bis 2018. Die Schau wurde von Gottfried Gusenbauer, künstlerischer Direktor des Karikaturmuseum Krems, und seinem Sohn, dem Galeristen Markus Peichl, kuratiert. Peichl veröffentlichte bereits mit 18 Jahren seine ersten Zeichnungen und arbeitete über 60 Jahre lang als Karikaturist für Die Presse, die Süddeutsche Zeitung, den Stern, die Weltwoche und die Vorarlberger Nachrichten. Mehr als 12.000 Karikaturen, über 30 Büchern und rund 100 Ausstellungen dokumentieren die Beliebtheit von Peichls zeichnerischen Kommentaren zu Politik und Gesellschaft. Seine ORF-Sendungen „Die Karikatur der Woche" und „Der Jahresrückblick in der Karikatur" erreichten ein Millionenpublikum.

Der ORF plant unter anderem Nachrufe im Rahmen des heutigen "Kulturmontag" (ab 22.30 Uhr) in ORF 2 und in "Kultur Heute" (19.45 Uhr) in ORF III. Ab 23.30 Uhr folgt in ORF 2 die Dokumentation "Gustav Peichl: Der Doppeltäter - Am Anfang war der Strich", während Ö1 am 22. November um 16.05 Uhr ein "Im Gespräch" mit dem Verstorbenen aus 2015 wiederholt.

Fotonachweis: Gustav Peichl I dpa

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