Philipp Timischl, Recursive Self-Generation (Dummodo me ames), 2025, Öl und Acryl auf Leinwand, LED Panels, 06:56 min video, 200 × 300 cm, Layr Andräkirche Salzburg, © Philipp Timischl

Es ist Sommer in Salzburg und die Stadt verwandelt sich wieder zum Mittelpunkt der Kulturlandschaft. Abseits der Festspiele zeigen die Galerien mit einem vielfältigen Programm auf – ein Rundgang durch surrealistische Welten, farbige Statements und Pop-Ups.


 

LAYR ANDRÄKIRCHE

PHILIPP TIMISCHL | bis 31.08.25

Früh erkannte Max Reinhardt das Potenzial von Salzburgs Kirchen als Kulisse für Theater und Performance. Während vor dem Dom der Jedermann poltert, öffnet sich die Andräkirche für eine raumgreifende Installation von Philipp Timischl – ein Pop-up der Wiener Galerie Layr.
Bereits am Kircheneingang zieht eine LED-Wand Besuchende förmlich in das Gebäude hinein. Ein Ausschnitt in Kreuzform legt den Blick auf den Altar frei und leitet in den schlichten Kirchenraum über, durch den sich skulpturale LED-Paneele ziehen. In Endlosschleife laufen KI-generierte Bilder über die Screens. Eine packende Soundinstallation in einer Seitenkapelle verbindet Elemente gegenwärtiger Popmusik mit der Dramatik von kirchlichem Chorgesang. Tradition trifft auf zeitgenössische Bildsprache, Sakrales und Profanes begegnen einander. Ein überzeugender Gesamteindruck, der noch lange nachhallt.

Philipp Timischl, Dummodo me ames, 2025, Installation view, Layr Andräkirche, Salzburg, © Philipp Timischl

Philipp Timischl, Dummodo me ames, 2025, Installation view, Layr Andräkirche, Salzburg, © Philipp Timischl


THADDAEUS ROPAC

DANIEL RICHTER / HANS HOLLEIN / ERWIN WURM | bis 27.09.25

In unmittelbarer Nähe der Andräkirche zieren großformatige, farbintensive Bilder die Wände der Villa Kast. Ausdrucksstark tanzen anthropomorphe Gestalten über die Leinwand und verleiten geradezu, sich mit ihnen zu bewegen. Sie verrenken ihre Körper, verzerren ihre Gliedmaßen und verschmelzen mit den bunten Bildhintergründen zu einer Komposition, die zwischen Abstraktion und Figuration oszilliert. Daniel Richters neue Werkserie Mit elben Birnen zitiert nicht nur den Anfangsvers eines Hölderlin-Gedichts, sondern greift auch dessen melancholische Stimmung auf. Eine Stimmung, die sich in den Gemälden im Wechselspiel von Rastlosigkeit und Fragilität, Theatralik und Stille widerspiegelt.

Zwei andere große Namen komplettieren die heurigen Sommerausstellungen der Galerie. Architekturzeichnungen und konzeptuelle Arbeiten Hans Holleins aus den 1960er-Jahren, ebenfalls in der Villa am Mirabellplatz. Am zweiten Standort abseits des Zentrums tummeln sich Cartoon-artige Skulpturen von Erwin Wurm. Sie schlagen eine gelungene Brücke zu Daniel Richter im Haupthaus.

Erwin Wurm, Ausstellungsansicht "Mindset", 2025, Thaddaeus Ropac, © Erwin Wurm / Bildrecht, Wien 2025

Erwin Wurm, Ausstellungsansicht "Mindset", 2025, Thaddaeus Ropac, © Erwin Wurm / Bildrecht, Wien 2025


ELEKTROHALLE RHOMBERG

ARANG CHOI | bis 30.08.25

Ein kurzer Spaziergang von der Ropac-Halle entfernt öffnet sich in der Elektrohalle Rhomberg eine Welt zwischen Traum und Wirklichkeit. Im weitläufigen Ausstellungsraum entfaltet sich das schillernde Universum von Arang Choi, bevölkert von amorphen Fabelwesen, deren funkelnde Augen eine fast magnetische Anziehungskraft entwickeln. Schon der programmatische Titel der Schau, „Behind Open Eyes“, deutet diesen Sog an. Im Zentrum steht ein Triptychon, in dem Choi überraschend ihre sonst so leuchtende Farbpalette verlässt und sich einer monochromen Zurückhaltung zuwendet. Ein nebelhafter Schleier legt sich über die Szenen, verstärkt das Geheimnisvolle und lässt die fantastischen Kreaturen noch mystischer wirken. Inspiriert von Leonora Carrington, knüpft die Künstlerin an die surrealistische Tradition an, verleiht ihr jedoch eine unverwechselbar zeitgenössische Handschrift – und macht neugierig darauf, wie sich ihr Werk weiterentwickeln wird.

Arang Choi, Ausstellungsansicht "Behind Open Eyes" mit den Arbeiten "Crystaltree" und "Zaunrebe", 2025, Elektrohalle Rhomberg, © Arang Choi

Arang Choi, Ausstellungsansicht "Behind Open Eyes" mit den Arbeiten "Crystaltree" und "Zaunrebe", 2025, Elektrohalle Rhomberg, © Arang Choi


NIKOLAUS RUZICSKA

AXEL HÜTTE | bis 30.08.25

Empfehlenswert ist ein Abstecher in die Galerie Nikolaus Ruzicska, ebenfalls außerhalb der Altstadt. Betritt man die umgebaute, ehemalige Scheune, entflieht man augenblicklich dem Festspieltrubel und taucht ein in die menschenleeren Landschaften von Axel Hütte. Fotografien von Mooren, Seen und Wäldern säumen die Wände und fügen sich zu einem poetischen Gesamtbild der süddeutschen Natur. Besonders berührend sind die Detailaufnahmen von stillen Wasseroberflächen, die zu abstrakten Bildkompositionen verschwimmen. Bei längerer Betrachtung enthüllen sich inmitten der in sich ruhenden Bildausschnitte bewegte Welten und Spiegelungen, in denen die Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion verblasst.

Axel Hütte, Ausstellungsansicht "Reflexio" mit den Arbeiten "Groppacher See-1 (Sommer)" und "Pfrunger Ried", 2025, Galerie Nikolaus Ruzicska, © Axel Hütte

Axel Hütte, Ausstellungsansicht "Reflexio" mit den Arbeiten "Groppacher See-1 (Sommer)" und "Pfrunger Ried", 2025, Galerie Nikolaus Ruzicska, © Axel Hütte


MARIO MAURONER

UMBRA e LUCE | bis 06.09.25

Zurück in der Altstadt erinnert die Sommerausstellung in der traditionsreichen Galerie an ein Zitat von Stefan Zweig: „Aber jeder Schatten ist im letzten doch auch ein Kind des Lichts.“ Literaten von Goethe bis Tolstoy reflektierten die Symbiose der beiden Phänomene, die nun zum Ausgangspunkt der Gruppenschau werden. Sie erstreckt sich über die Räumlichkeiten in der Residenz sowie das lichtdurchflutete Galeriehaus an der Salzach, in dem sich ein Besuch besonders aufgrund der eindrucksvollen Bauhaus-Architektur lohnt.

Vertretene Künstler:innen:
Anouk Lamm Anouk, John M. Armleder, Enrique Asensi, Fabrizio Corneli, Anthony Cragg, Andreas Duscha, Jan Fabre, Thomas Feuerstein, Kendell Geers, Georg Haberler, Markus Hofer, Peter Jellitsch, Florin Kompatscher, Hans Kotter, Iván Navarro Mai-Thu Perret, Jaume Plensa, Anselm Reyle, Catalina Swinburn, Koloman Wagner

Iván Navarro, Grand Eclipse, 2022, LED, Timer, Aluminum, Spiegel, ⌀ 100 cm, ©Iván Navarro, Courtesy of Mario Mauroner Contemporary Art

Iván Navarro, Grand Eclipse, 2022, LED, Timer, Aluminum, Spiegel, ⌀ 100 cm, ©Iván Navarro, Courtesy of Mario Mauroner Contemporary Art


L. ART

MAUREEN KÄGI / THOMAS REINHOLD | bis 27.09.25

In versteckt gelegenen Galerieräumen kommt es zu einer spannungsgeladenen Begegnung zweier malerischer Handschriften. Auf der einen Seite die feinen geometrischen Liniengeflechte und zarten Pinselstriche von Maureen Kägi, auf der anderen die impulsiven, farbgewaltigen Kompositionen von Thomas Reinhold. Zwei Soloausstellungen, die sich nicht überlagern, sondern in ihren Kontrasten harmonisch ergänzen.

Ausstellungsansicht "Maureen Kägi, Thomas Reinhold", L.art Galerie Salzburg, 2025, Foto: Andrew Phelps

Ausstellungsansicht "Maureen Kägi, Thomas Reinhold", L.art Galerie Salzburg, 2025, Foto: Andrew Phelps


GALERIE SOPHIA VONIER

JOHANNA BINDER | ab 09.08.25

Noch ist der Salzburger Sommer nicht vorbei – neue Ausstellungen setzen frische Impulse: Inwiefern sind Botanik und koloniale Machtstrukturen miteinander verwoben? Dieser Frage geht Johanna Binder in der Schau „Earth Makers“ in der Galerie Sophia Vonier nach.

Johanna Binder, Terra nullius_04, 2025, Aquarell auf Leinwand, 40 x 50 cm, Courtesy Galerie Sophia Vonier / Johanna Binder

Johanna Binder, Terra nullius_04, 2025, Aquarell auf Leinwand, 40 x 50 cm, Courtesy Galerie Sophia Vonier / Johanna Binder

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