50 Shades Of Grey Are Not Enough

Wiebke Kapitzky, 30 pieces grey, XI, Bleistift, Kugelschreiber und Kohlepapier auf Papier, 2018, Foto: Thomas Ries

Wiebke Kapitzky zeigt mit kleinformatigen Graustufen in der Startgalerie der Stadt Wien im MUSA auf. Eine sinnliche Ausstellungserfahrung ganz ohne Pomp, jedoch mit großer Eleganz.


Es scheinen sich ganze Welten im Grau zu verbergen. Kaum ein Farbspektrum hat so viele Künstler zur Spekulation aufgerufen wie das Rätsel zwischen Schwarz und Weiß. Dort zwischen den beiden absoluten Nichtfarben beweist sich das eigentlich Bunte immer wieder und fordert unsere Wahrnehmung heraus. 

Man denke etwa an die Installationen von Hans Op de Beeck, die die Grenzen des Wirklichen verschwimmen lassen, das wiederholte Schattenspiel Alberto Giacomettis oder aber auch an die meditativ forschende Werkserie „1965/ 1 -∞“ Roman Opałkas, ein Meisterstück der Konzeptkunst.

Akribie trifft Gestik

Paula Watzl

Nun stellt Wiebke Kapitzky in der Startgalerie des MUSA "30 Pieces Grey" zum Diskurs. Mehrschichtig befragt sie in den drei gezeigten Werkserien Vordergründiges und Hintergründiges, Prozesse und Ränder die Inhalte generieren.

Eigene frühere Skizzen sind der Ausgang für die grauschichtigen Experimente. Mit Kohlepapier überlagert sie diese und reibt sie sodann mit Kugelschreiber ab. Wie gewohnt arbeitet Kapitzky akribisch, gleichzeitig legt sie aber hier auch eine gestische, emotionsgetriebene Arbeit vor, die zwischen Zeigen und Verbegen changiert und dabei den Faktor Zufall miteinbezieht. "Arrangements" all der auf Papier enthaltenen Informationen die ein subjektives Dasein kreuzen. Geben und Nehmen.

Wiebke Kapitzky, 30 pieces grey (II),VI, Kugelschreiber auf Kohlepapier, aufgezogen auf Alu-Dibond, 2018, Foto: Thomas Ries

Wiebke Kapitzky, 30 pieces grey (II),VI, Kugelschreiber auf Kohlepapier, aufgezogen auf Alu-Dibond, 2018
Foto: Thomas Ries

Unendlich viel Potenzial gebärdet sich in den feinen Arbeiten. Manchmal legen sie einzelne Wortfetzen frei – "versäumt" kann man da etwa entziffern, "verharren", oder die zarten Umrisse eines kleinen Elefanten. Vor allem dominiert jedoch die Fläche. Nicht eine große ganze, sondern die zahlreichen kleinen, die mal als einnehmender Schrei, mal als absolute Sprachlosigkeit interpretiert werden können. Der Spielraum des im Grau enthaltenen scheint unendlich. Und Wiebke Kapitzky spielt gerne damit. Die 1984 in Deutschland geborene Künstlerin lebt und arbeitet seit mehreren Jahren in Wien wo sie an der Akademie der bildenden Künste in der Klasse für Abstrakte Malerei studierte.

In früheren Arbeiten war vor allem der Einfluss der Konzeptkünstlerin Hanne Darboven augenscheinlich, die aktuellen Arbeiten verweisen unter anderem auf das assoziativ geladene Werk Cy Twomblys. Im schematischen Verlauf der Serien steckt eine Art Erzählstruktur, deren Geschichten der Betrachter jedoch selbst einbringen muss. So lohnt es, Zeit mit diesem Werk zu verbringen und ihm wieder und wieder zu begegnen, wie auch die Künstlerin ihren alten skizzierten Gedanken wiederholt entgegentrat und sie so weiterentwickelte. Ja stetig weiterentwickelt.


BEWERBUNG ZUR AUSSTELLUNG 2020 IN DER STARTGALERIE

Nach einem überzeugenden Programm 2018 sind auch heuer wieder zahlreiche spannende Auseinandersetzungen in der Startgalerie geplant. Folgend dem Auftakt durch Wiebke Kapitzky wird sich ab 21. Februar 2019 etwa Katharina Scheucher präsentieren.

Bereits seit 1987 haben im Rahmen der Startgalerie Absolventinnen und Absolventen von Kunstuniversitäten die Möglichkeit in Form einer Personalausstellung an die Öffentlichkeit zu treten. Trotz Eingliederung des MUSA ins Wien Museum mit 1. Jänner 2018 bleibt die Startgalerie weiterhin bei freiem Eintritt wie gewohnt erhalten. Im März werden Bewerbungen für das Ausstellungsjahr 2020 entgegengenommen.

Wiebke Kapitzky, 30 pieces grey, XI, Bleistift, Kugelschreiber und Kohlepapier auf Papier, 2018, Foto: Thomas Ries

Wiebke Kapitzky, 30 pieces grey, XI, Bleistift, Kugelschreiber und Kohlepapier auf Papier, 2018
Foto: Thomas Ries

Wien Museum MUSA Startgalerie Artothek

Felderstraße 6-8, 1010 Wien
Österreich

Wiebke Kapitzky
30 Pieces Grey

bis 20. Jänner 2019

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