22 Künstler:innen von Morgen – Up&Coming 2025

Arang Choi & Studio View, Foto: Pyo E, Courtesy: The Artist & Elektrohalle Rhomberg

Alle zwei Jahre begeben wir uns mit Up&Coming auf die Suche nach neuen, jungen und wegweisenden Positionen. Aus mehreren hundert Einreichungen wählten wir 22 aus, die besonders vielversprechend sind – die hier präsentierten Künstler:innen überzeugen auf ganz unterschiedliche Weise und beweisen alle Relevanz in ihrer künstlerischen Haltung, indem sie uns als Betrachtende überraschen und herausfordern. Hier ein Einblick in unsere Auswahl. Die Reihung ist alphabetisch und hat keine Wertung. Viel Freude beim Entdecken unserer PARNASS Up&Coming Auswahl 2025!


A


BRISHTY ALAM

Es sind einzigartige Settings und fremdartige, doch irgendwie wiedererkennbare Skulpturen: Wer sich mit dem Œuvre der britischen Künstlerin Brishty Alam auseinandersetzt, wird unweigerlich in originäre (Kunst-)Welten hineingezogen. Die Reise kann mit dem Video »If you come to the willow tree …« beginnen: Eine Figur im Morphsuit mit drei weißen Kugeln an den Händen und auf dem Kopf bewegt sich durch eine Flusslandschaft. Erst mit der Zeit eröffnet sich der Kosmos der Künstlerin. Die stolpernde Figur symbolisiert das chemische Element für Wasser (H²O). Diese Arbeit aus dem Jahr 2018 zeigt ausgezeichnet, welche Konzeptionen hinter Brishty Alams Kunstschaffen liegen – die Verbindungen von Wissenschaft und Kunst. Meist mit dem dezent-ironischen Hinweis, wie Interaktionen zwischen Menschheit und Natur funktionieren. Brishty Alam wurde 1988 in London geboren und studierte in Cambridge Naturwissenschaften – »Meine Eltern wollten, dass ich zuerst etwas Sicheres studiere «, erklärt Alam im Gespräch mit PARNASS. Nach dem Studium kam sie nach Wien, um Kunst zu studieren. ...

Brishty Alam, Solid Mesh, 2025, Another white solid I, © EXILE Gallery, Bildrecht, Wien 2025

Brishty Alam, Solid Mesh, 2025, Another white solid I, © EXILE Gallery, Bildrecht, Wien 2025

B


BJÖRN HEYN

»Ich versuche, mein Können zu handicapen«, sagt Björn Heyn über seine Arbeitsvorbereitungen. Denn das Kindliche, das die Bilder des Berliner Künstlers prägt, ist nicht leicht zu bewahren. Es muss als künstlerisches Prinzip immer wieder hergestellt werden. Anfangs funktionierte noch das Zeichnen und Malen mit der linken Hand. Aber mittlerweile kann Björn Heyn mit links genauso gut malen wie mit rechts. Also mussten neue Strategien her, um die »kindliche Leichtigkeit beim Machen« zurückzugewinnen. Eine Schaukel etwa, die er ins Atelier hängte, um zu malen, wenn sich die Schaukel der Leinwand näherte. Seine Freunde wissen es sehr zu schätzen, dass Björn Heyn sich für die Kreativität und Spontaneität von Kindern interessiert und setzen ihn gern mit ihren Kindern in die Malecke. Dorthin geht er auch selbst, wenn er Workshops mit Kindern macht. Dass der 1992 in Berlin geborene Björn Heyn »nur« eine Ausbildung zum Produktdesigner absolviert hat, interessiert kaum jemanden. ...

Ich male blind, klebe mir Pinsel an die Füße, baue sehr unhandliche Malgeräte.

Björn Heyn
Portrait Björn Heyn, Foto: Jannis Uffrecht

Portrait Björn Heyn, Foto: Jannis Uffrecht

C


ARANG CHOI

»Ich will meine Fantasie leben lassen! «, erklärt Arang Choi. Und diese ist bunt und schöpferisch, bevölkert von wunderbaren Naturwesen und fabelhaften Pflanzen. So schenkt die 1992 geborene Südkoreanerin, die inzwischen in Wien lebt, etwa Blumenstängeln eine fellartige Optik und merkwürdigen Wesen einen fast menschlichen Blick. Tierisches und Pflanzliches vereint sich in einem durchkomponierten Arrangement, das Choi genau skizziert, bevor sie es auf die Leinwand überträgt. Ihre Fantasiewesen nennt sie EMULB – »es bedeutet Blume rückwärts gelesen, weil ich mich während des Schaffensprozesses stark mit Blumenskizzen auseinandergesetzt habe.« ...

Arang Choi, Crystaltree, 2024, Öl auf Leinwand, 170 x 300 cm, Courtesy the artist & Elektrohalle Rhomberg, © Dirk Tacke / Bildrecht, Wien 2025

Arang Choi, Crystaltree, 2024, Öl auf Leinwand, 170 x 300 cm, Courtesy the artist & Elektrohalle Rhomberg, © Dirk Tacke / Bildrecht, Wien 2025

D


TINA DOBRAJC

Menschen und Tiere vereinsamen in einer überwältigten Natur – damit ist man mittendrin in der Realität, die die Slowenin Tina Dobrajc (*1984) in ihrem Wohnort Škofja Loka erlebt. In diese Natur setzt sie deplatzierte Menschen oder ausgediente Trampoline, eines ihrer immer wiederkehrenden Motive. Denn Dobrajc faszinieren Dinge, die auf verlorengegangenes Gemeinschaftsgefühl hindeuten: »Mich interessiert, wie ein Störfaktor eine scheinbar idyllische Landschaft in ein Spannungsfeld verwandeln kann.« Indem sie die Natur zitiert, bindet sie ihr Werk an gesellschaftlich-politische Entwicklungen. In ihrer letzten Serie kreierte sie etwa durch die Verwendung von Magenta und fluoreszierenden Tönen eine postapokalyptische Atmosphäre. Die Künstlerin arbeitet in Schichten; sie beginnt mit Farbwaschungen, fügt langsam chromatische Farben hinzu, die dann als farbintensiver Untergrund dienen und durchleuchten. ...

Ausstellungsansicht "Tina Dobrajc. Nothing is Going to Happen Without a Warning", STRABAG ART Award, 2024/25, Foto: Rudi Froese

Ausstellungsansicht "Tina Dobrajc. Nothing is Going to Happen Without a Warning", STRABAG ART Award, 2024/25, Foto: Rudi Froese

E


EMMÉLIE LEMPERT

Verwandlung ohne Ankunft zwischen Intimität, Kontrolle und Verlust: Emmélie Lempert zeigt den Körper als Spur und offenen Prozess. Sie näht Handschuhe mit spinnenartigen Fingern, entwirft korsettartige Hüllen, fixiert sie zwischen Kunstglasscheiben – und erschafft damit Kunst, die sich zwischen Skulptur, Erinnerung und Spur bewegt: Die deutsch-tschechische Künstlerin Emmélie Lempert (*1998) verhandelt Körperlichkeit als Prozess – fragil, flüchtig, vieldeutig. Was bleibt, sind stille Zeugen performativer Transformation: »Mich interessiert der Moment, in dem der Körper seine Form verliert, ohne schon eine neue gefunden zu haben.« Lempert thematisiert Identität als Prozess. Ihre Materialien – Unterwäschestoffe, gezeichnet von Tragen, Bewegung, Schweiß – sind »Träger körperlicher Erfahrung« zwischen Schutz und sozialer Kontrolle. ...

Emmélie Lempert, Kunstakademie Düsseldorf »hide, seek, hide«, Foto © Jana Buch

Emmélie Lempert, Kunstakademie Düsseldorf »hide, seek, hide«, Foto © Jana Buch

F


FLORA HAUSER

Wo andere für Skizzen den Bleistift zur Hand nehmen, greift Flora Hauser (*1992) zu Nadel und Faden. Und doch kommt ihre künstlerische Praxis aus der Zeichnung: »Die Linie bleibt, aber sie bekommt ein eigenes Gewicht, eine Körperlichkeit.« Die Skizze versteht die Künstlerin im Sinne einer Form des Denkens mit Linien, Wiederholungen und Auslassungen. Der Prozess zur Verwendung von Faden auf Leinwand hin vollzog sich graduell: Bereits zu Universitätszeiten nähte Hauser Shirts aus Jute, die sie später bemalte. Die Farbe hielt jedoch dem Waschen nicht stand, was zu der Idee führte, die Stoffe zu besticken. Generell beschäftigt Flora Hauser die Frage, wie sich mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel Tiefe erzeugen lässt. Die Motive sind fantasievoll, Bezüge zum Jugendstil sowie eine Faszination an übernatürlichen Wesen sind spürbar. ...

Die Entscheidung, ausschließlich mit Faden auf Leinwand zu arbeiten, war für mich ein Einschnitt.

Flora Hauser
Flora Hauser, PARADE (PARRY): CANVAS 1, 2022,
Acrylfasergarn auf Leinwand genäht, 75 x 100 cm, Courtesy Galerie Meyer*Kainer, Wien, Foto: Kati Göttfried

Flora Hauser, PARADE (PARRY): CANVAS 1, 2022,
Acrylfasergarn auf Leinwand genäht, 75 x 100 cm, Courtesy Galerie Meyer*Kainer, Wien, Foto: Kati Göttfried

 

Die vollständigen Texte und alle weiteren Up&Coming 2025 Artists finden Sie in
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ÜBRIGENS:

Begleitend zum Heft gibt's auch eine Spotify-Playlist mit den Lieblings-Songs unserer Up&Coming Artists. Chronologisch geordnet, also einfach während dem Lesen abspielen und noch tiefer eintauchen! Hier geht's zur Playlist.

Außerdem haben wir einige der Künstler:innen in ihren Ateliers besucht. Die entstandenen Interviews sehen Sie jetzt auf unserem Instagram-Kanal.

 

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