14 Sammler:innen stellen gemeinsam aus und verlosen ihre Kunst

Was heißt es Kunst zu sammeln? Und könnte man es nicht auch gemeinsam tun? Eine Gruppe aus Sammler:innen schließt sich aktuell in einem alternativen Ausstellungskonzept zusammen und macht so gelungen Werbung für den Spaß am Kunstengagement.
Wer Kunst sammelt, altert langsamer – das legt zumindest eine aktuelle Studie des University College London nahe, die einen messbaren Zusammenhang zwischen aktivem Kunstengagement und einem verlangsamten biologischen Alterungsprozess nachweist. Grund genug also, sich anstiften zu lassen. Und eine Gruppe Wiener Sammler:innen liefert gerade die passende Gelegenheit.
Was würde ich sammeln, wo beginnen?
In einer WhatsApp-Gruppe haben sich die Sammler:innen ursprünglich zusammengefunden und nach und nach organisiert. Aus einer privaten Initiative rund um die Sammler Volker Füssel und Andreas Schlichtner ist der neu gegründete Verein ACAC – Austrian Contemporary Art Collectors – hervorgegangen. Die Initiative hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sammler:innen zu vernetzen und zeitgenössische Kunst und Künstler:innen durch ihre Sammler- und Ausstellungstätigkeit zu fördern. Mittlerweile zählt sie rund 40 private Sammler:innen mit insgesamt rund 30.000 nationalen und internationalen Positionen zeitgenössischer Kunst. Eine beachtliche Auswahl davon ist nun für zehn Tage in den Räumen von Krinzinger Schottenfeld ausgestellt – 10 Sammlungen von 14 Sammler:innen, jede mit eigenem Platz, und doch greift alles ineinander.

ACAC, 1. Reihe v.l.n.r.: Leon Mack Santana, Andreas Schlichtner, Norbert Frömmer, Familie Alexander Raimann, 2. Reihe v.l.n.r.: Brigitte Löw-Radeschnig, Beate Sprenger, Lilli Frömmer, Volker Füssel, 3. Reihe v.l.n.r.: Andreas Sodian, Tobias Werner, Helmut Schützeneder, Dieter Anderle, Foto: ákos burg photography
Zu entdecken gibt es etwa eine farbstarke Arbeit von Albana Ejupi, klassische Eleganz in Bronzen von Alfred Haberpointner und eine starke Arbeit von Jürgen Messensee, aber dann auch zeitgenössische Techniken wie Christian Murzeks Malerei-Siebdruck-Kombinationen an der Schnittstelle zwischen digitalem Code und analogem Druck oder ein Objekt aus einem transformierten Mac-Computer von Amiko Kalandadze. Im Gedächtnis blieb beim Rundgang auch eine Tusche von Gottfried Helnwein, die sogar jene abholt, die eigentlich keine Helnwein-Fans sind, ein gelungenes Großformat von Violetta Ehnsperg, Plakatatives von Monica Bonvicini. Zu sehen gibt es vieles – vielleicht stellenweise sogar zu vieles, aber so ist die Sammelwut nun mal: nicht immer gebändigt, erst recht nicht kuratiert. Wann wird man eigentlich zur Sammler:in? „Sobald man das erste Kunstwerk kauft, von dem man nicht weiß, wohin man es hängen oder stellen kann, ist das das erste Zeichen, der Sammellust verfallen zu sein", meint Volker Füssel. Es geht um eine private Leidenschaft, deren Auswüchse innerhalb der Vereinigung sehr unterschiedlich ausfallen: Manche sammeln erst seit zwei Jahren, andere seit 30.

Blick in die Ausstellung, DIE SAMMLUMG ALS AUSSTELLUNG, Foto: ákos burg photography
Eine Heterogenität der Gruppe sei wichtig, betont Beate Sprenger, Nachlassverwalterin von Michael Vonbank – jüngere Sammler:innen sind ebenso dabei wie etablierte, die Kunst kommt von Aufstrebenden ebenso wie von den Größen der österreichischen Kunstgeschichte. So sind etwa Papierarbeiten von Gunter Damisch in der Schau zu sehen, eine Zeichnung von Andy Warhol, ein Werk von Martha Jungwirth – die zeitgleich zur Ausstellungseröffnung im Dorotheum um beinahe eine halbe Million zugeschlagen wurde. Im Keller und Obergeschoss der Galerie geht es wilder zu, mit Positionen wie Arno Jungreithmeier, Armin Hinterberger, FunkyFiona und Christian Eisenberger. Der Ausstellung gelingt es abzubilden, was Kunstsammeln alles bedeuten kann und darf – und tatsächlich springt der Funke über. Man fragt sich: Was würde ich sammeln, wo beginnen?

Annette Tesarek und Elisabeth Foissner,ACAC, Foto: ákos burg photography
Ausstellung besuchen – Kunst gewinnen
Die Sammler:innen agieren als Verein, verzichten aber bewusst auf Sponsoring. „Ganz uneigennützig ist die Veranstaltung dennoch nicht, wir hätten schon gerne was", erklärt Volker Füssel: „Wir wollen den künstlerischen Geschmack des Publikums kennenlernen." Besucher:innen werden angehalten zu beantworten, welche drei Kunstwerke sie aus der Ausstellung mitnehmen würden – unter allen Teilnehmenden der Umfrage werden zur Finissage vier Werke verlost: eine Zeichnung von Josef Mikl, eine Edition von Michael Vonbank, eine digitale Collage von Ana Vollwesen und ein Ölgemälde von KuKo AG RaiRei.
Der Beginn der nächsten Sammlung? Die ACAC würde es freuen. Künftig möchte man mehrmals jährlich gemeinsam ausstellen, irgendwann vielleicht sogar ein gemeinsames Privatmuseum betreiben – alles abhängig davon, wie diese erste gemeinsame Ausstellung ankommt. Also: hingehen, anstiften lassen, und vielleicht auch noch gewinnen. Dass das der Gesundheit zugutekommt, ist ja mittlerweile belegt.

Blick in die Ausstellung, DIE SAMMLUMG ALS AUSSTELLUNG, Foto: ákos burg photography
INFOS
DIE SAMMLUMG ALS AUSSTELLUNG
bis 29. Mai 2026
KRINZINGER SCHOTTENFELD
Schottenfeldgasse 45, 1070 Wien
Termine
Podiumsdiskussion: „Zur Zukunft des Sammelns“
Donnerstag, 21. Mai, 19 Uhr
Am 21. Mai sprechen Expert:innen über die Zukunft des Sammlens. Unter der Moderation von Werner Remm (Herausgeber des artmagazine.cc) diskutieren Ursula Krinzinger (Galeristin), Hans Otto Ressler (Auktionator), Leon Mack-Santana (Sammler) und Violetta Ehnsperg (Künstlerin) Fragen rund um die Veränderungen des Kunstfeldes und deren Auswirkungen auf das Kunstsammeln der Zukunft.
Finissage mit Verlosung von Kunstwerken
Freitag, 29. Mai, 18 – 22 Uhr
Alle Besucher:innen, die an der Umfrage zur Ausstellung teilnehmen, haben die Möglichkeit, ein Kunstwerk zu gewinnen. Zur Finissage am 29. Mai werden unter diesen Teilnehmer:innen Werke von verlost. Mit etwas Glück wird es möglich, im Rahmen der Ausstellung eine Zeichnung von Josef Mikl, eine Edition von Michael Vonbank, eine digitale Collage von Ana Vollwesen oder ein Ölgemälde von KuKo AG RaiRei zu gewinnen.

Blick in die Ausstellung, DIE SAMMLUMG ALS AUSSTELLUNG, Foto: ákos burg photography
14 Sammler:innen zeigen gemeinsam ihre Kunst
Art Collection Schlichtner | Sammlung Dieter Anderle | Sammlung Elisabeth Foissner | Sammlung Lilli und Norbert Frömmer | Sammlung Volker und Gabriele Füssel | Sammlung Brigitte Löw-Radeschnig | Sammlung Leon Mack-Santana | Sammlung Helmut Schützenender | Sammlung Andreas Sodian | Sammlung Clemens Stecher | Sammlung Annette Tesarek | Sammlung ULIDELLA | Sammlung Estate Michael Vonbank | Sammlung Tobias Werner

Blick in die Ausstellung, DIE SAMMLUMG ALS AUSSTELLUNG, Foto: ákos burg photography
