10 Künstler:innen die uns 2025 aufgefallen sind

Ausstellungsansicht "Soil Stories", Matthias Klos, 2025, Galerie Reinthaler, © Matthias Klos / Bildrecht, Wien 2025, Courtesy of Galerie Reinthaler

Mit Spannung und Vorfreude blicken wir auf ein neues Jahr, in dem uns zweifelsohne eine Menge vielversprechende Künstler:innen begegnen und bedeutende Arbeiten geliefert werden. Solange die Erinnerungen an 2025 noch frisch sind wollen wir jedoch nochmal einen Blick zurückwerfen und 10 künstlerischen Positionen, die es bereits geschafft haben, unsere Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen ein wenig Platz einräumen.


Ari Pilhofer

Im Rahmen von curated by 2025 bot Ari Pilhofer, geboren in Bayern, derzeit an der Slade School of Fine Art in Ausbildung, eine Position, die durch ihre Mischung aus Zeichnung, Keramik und raumgreifenden Objekten hängenblieb. In der Galerie Thoman trafen feinsinnige Zeichnungen auf keramische Arbeiten, ergänzt durch Objekte, in denen Malerei, Keramik und skulpturale Spannung ineinandergriffen. Das Ergebnis war ein Werk voller subtiler Aha-Momente, fragil und doch präsent, zurückhaltend und aufgeladen zugleich. Es machte Lust auf mehr; eine Künstler:in, deren weitere Entwicklung man mit Interesse verfolgen sollte.

Ari Pilhofer, Baphomet, 2025, aquarelle and acrylic on paper, tension belt, glazed ceramic element, 150 x 120 cm, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / Marlene Mautner

Ari Pilhofer, Baphomet, 2025, aquarelle and acrylic on paper, tension belt, glazed ceramic element, 150 x 120 cm, Foto © Galerie Elisabeth & Klaus Thoman / Marlene Mautner


Chase Hall

Unter den vielen Artist Talks des Jahres stach besonders das Gespräch zwischen Jasper Sharp und Chase Hall heraus, veranstaltet von der Galerie Eva Presenhuber. Hall erzählte sympathisch davon, wie er einst bei Starbucks arbeitete und mit Kaffee begann zu malen,  ein unprätentiöser Start, der nun weit hinter ihm liegt. Mittlerweile spielt er in einer anderen Liga: Galerie Eva Presenhuber nahm ihn 2025 offiziell unter Vertrag. Seine Werke vermitteln den Betrachtenden ein Gespür für Material, Oberfläche und erzählerische Andeutung, ohne je plakativ zu werden. Ein Name, der im kommenden Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter wachsen wird.

Installation view, Chase Hall, Momma's Baby, Daddy's Maybe, Galerie Eva Presenhuber, Vienna, 2025

Installation view, Chase Hall, Momma's Baby, Daddy's Maybe, Galerie Eva Presenhuber, Vienna, 2025


Giuseppe Francalanza

Ein überraschendes Highlight bot die diesjährige Liste Art Fair Basel, ein Galerienstand bei der ausstellenden Galerie (oft ›Vin Vin‹ genannt) war ein kleines Terrain aus Sand, hinter dem sich subtile, sehnsuchtsgeladene Malerei auftat. Dargestellt waren zarte Hügel, sanftes Beige, eine Landschaft, reduziert, fast meditativ. Francalanza, 2000 in Sizilien geboren, Absolvent der Accademia di Belle Arti di Bologna, lebt und arbeitet in Wien. Sein Werk schwang zwischen Erinnerung und Traum, zwischen Oberfläche und Tiefe, eine Stimme der jungen Generation, die scheinbar still spricht, aber lange nachhallt.

Artissima 2024, Stand VIN VIN, GIUSEPPE FRANCALANZA, Eradicating Machine, 2024, Courtesy The Artist and VIN VIN Vienna / Naples, Foto: Flavio Palasciano

Artissima 2024, Stand VIN VIN, GIUSEPPE FRANCALANZA,  Eradicating Machine, 2024, Courtesy The Artist and VIN VIN Vienna / Naples, Foto: Flavio Palasciano


Georgia Sagri

Auf der SPARK Art Fair Vienna fiel 2025 besonders die Athener Künstlerin Georgia Sagri, vertreten von The Breeder, auf: Sie zeigte vergrößerte Fotografien von Blutergüssen, Indizien häuslicher Gewalt, roh und ungeschönt und doch so tragisch-schön in ihrer Farb-gewalt, eine Farbwelt allerdings, die es gar nicht geben sollte. Für viele Besucher:innen blieben diese Bilder eindrucksvoll im Gedächtnis, nicht als Voyeurismus, sondern als bedrängende Dokumente, die Themen wie Gewalt, Körperlichkeit und Verletzlichkeit unmissverständlich ins Zentrum rückten. Ihre Arbeit war ein Statement, das das Publikum nicht kalt ließ.

The Breeder - Georgia Sagri (Foto: Kurt Prinz)

The Breeder - Georgia Sagri (Foto: Kurt Prinz)


Aurélien Potier

Zur Frieze London 2025 zeigte GIANNI MANHATTAN eine konzentrierte Präsentation des französischen Künstlers Aurélien Potier. Potier versteht die Welt als Feld permanenter Spannung zwischen gegensätzlichen Kräften und versucht, in seinen Arbeiten verstreute Materialien, Empfindungen und Ideen neu zu verschalten. Minimalismus und Komplexität liegen hier eng beieinander.

Aurélien Potier, installation view Frieze London (2025), London, Foto: Graysc.de, Courtesy the artist and GIANNI MANHATTAN, Vienna

Aurélien Potier, installation view Frieze London (2025), London, Foto: Graysc.de, Courtesy the artist and GIANNI MANHATTAN, Vienna


Gabriele Beveridge

In der curated by-Ausstellung von LombardiKargl präsentierte Gabriele Beveridge eindrucksvolle Glasobjekte und Assemblagen. 1985 in Hongkong geboren und heute in London ansässig, arbeitet sie mit handgeblasenem Glas, Fotochemikalien und gefundenen Werbeanzeigen aus Schönheitssalons. Ihre Installationen legen Mechanismen der Präsentation offen und thematisieren, wie Körper und Begehren im visuellen Überfluss unserer Gegenwart geformt werden.

Gabriele Beveridge, Stem, 2022, hand-blown glass, chrome steel upright, chrome steel bookends, 110x38x33 cm, curated by Kate Sutton 2024, Foto: © Lombardi—Kargl / kunst-dokumentation.com

Gabriele Beveridge, Stem, 2022, hand-blown glass, chrome steel upright, chrome steel bookends, 110x38x33 cm, curated by Kate Sutton 2024, Foto: © Lombardi—Kargl / kunst-dokumentation.com


Huda Takriti   

Bereits 2023 schrieb Nina Schedlmayer im PARNASS anlässlich ihrer Ausstellung in der Galerie Crone, dass die 1990 in Syrien geborenen und in Wien lebende Künstlerin Huda Takriti zu den vielversprechenden Newcomern der Wiener Szene zählt (hier nachlesen). Im September 2025 reihten wir ihre Solopräsentation auf der viennacontemporary auf der Zone1 mit Galerie Crone unter unsere 10 besten Messestände. Für ihr Arbeit „On Another Note“, (2024) wurde Huda Takriti schließlich der diesjährige Kardinal-König-Kunstpreis verliehen. Ihr Werk umfasst Video, Film, Installation und Fotografie und basiert oft auf persönlichen Erfahrungen, die sie in den Kontext historischer und politischer Narrative stellt und so individuelle und kollektive Erzählungen miteinander verbindet.

Huda Takriti, On Another Note (Videostill), 2024, © Huda Takriti, Bildrecht Wien, 2025, Foto: Markus Krottendorfer⁠

Huda Takriti, On Another Note (Videostill), 2024, © Huda Takriti, Bildrecht Wien, 2025, Foto: Markus Krottendorfer⁠


Dior Thiam

Beeindruckt hat auch Dior Thiam mit ihrer Ausstellung bei STRABAG Art. 1993 in Köln geboren und in Berlin aufgewachsen lebt die Künstlerin aktuell in der deutschen Hauptstadt. Sie studierte Malerei/Grafik an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (2015–2019) und anschließend Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin (2019–2024). Thiams Malerei ist ausdrucksstark und von den ästhetischen Traditionen Westafrikas geprägt. Sie arbeitet mit Leinwand, Holztafeln und Stoff und schuf darauf für die Ausstellung dreidimensionale Wandobjekte, in denen sie Material, Texturen, figurative Zeichnung und Malerei in eindrucksvolle Porträts verbindet. Inhaltlich lotet Thiam postkoloniale Identität aus, verhandelt Diaspora-Erfahrungen und weibliche Körperlichkeit.

Dior Thiam, Fissures II, 2023, Acryl, Holzkohle, Knochenleim auf Leinwand, 120x90 cm, Foto © Dior Thiam

Dior Thiam, Fissures II, 2023, Acryl, Holzkohle, Knochenleim auf Leinwand, 120x90 cm, Foto © Dior Thiam


Matthias Klos

Mit „SOIL STORIES“ zeigte die Galerie Reinthaler bereits die zweite Einzelausstellung von Matthias Klos. Einmal mehr überzeugte seine inhaltliche ebenso interessante wie brisante bildnerische Recherche, in der er geografische Räume, politische Ereignisse und historische Tiefenschichten miteinander verbindet. Und obwohl die Ausgangsbasis seiner Werkgruppen wie etwa „BAERWALDE" (2024 entstanden im Rahmen eines Stipendiums des Landes Brandenburg) lokale Topografien sind, gelingt es Klos, daraus auch globale Dynamiken zu dokumentieren, konkret Konzepte der Bodennutzung.

Matthias Klos, BAERWALDE, 2024, Pigment Print, © Matthias Klos / Bildrecht, Wien 2025, Courtesy of Galerie Reinthaler

Matthias Klos, BAERWALDE, 2024, Pigment Print, © Matthias Klos / Bildrecht, Wien 2025, Courtesy of Galerie Reinthaler


Thomas GänSzler

Die Verbindung digitaler Tools und analogen Kunstwerken ist nicht immer überzeugend. Umso bemerkenswerter ist das interdisziplinäre Langzeitprojekt „Kontinent“ an dem Thomas Gänszler seit 2020 arbeitet und aus de, bereits verschiedene Werke, Installationen und Ausstellungen hervorgegangen sind. Dafür hat der Künstler einen Algorithmus geschrieben, der eine fiktive Topografie aus digitalen Daten erschaffen hat. Eine Landschaft, die nur im virtuellen Raum existiert, in die der Künstler in weiteren Werkphasen jedoch stetig eingreift, sie transformiert, verändert und daraus reale, materielle Werk-„Artefakte“ exzerpiert. Das immaterielle Ausgangsmaterial bietet nicht nur eine Reihe an Möglichkeiten damit zu arbeiten, sondern die Werke, die daraus entstehen evozieren auch eine Vielfalt an Gedankenschleifen und Diskurse in der Vermittlung der Realität durch Technologie. Mithilfe von Bildtraditionen, Found Footage und historisch-kunsthistorischen Referenzen schafft es Gänszler, die Ästhetik digitaler Prozesse sowie die soziologisch-ästhetischen Folgen der Digitalisierung zu beleuchten.

 

Thomas Gänszler, Kontinent03/Verschränkung01 – 05, 2025, iron-containing plastic, 25 x 25 x 130 cm, © Thomas Gänszler / Bildrecht, Wien 2025, Courtesy Galerie Sturm & Schober

Thomas Gänszler, Kontinent03/Verschränkung01 – 05, 2025, iron-containing plastic, 25 x 25 x 130 cm, © Thomas Gänszler / Bildrecht, Wien 2025, Courtesy Galerie Sturm & Schober


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PARNASS 04/2025

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