Art Basel in Basel 2025, Courtesy of Art Basel

Die Jahresbilanz der Kunstmessen 2025 ist keine Periode des Zusammenbruchs, sondern eine der Neuorientierung. Sie zeigt mit bemerkenswerter Klarheit – im Auge globaler Wirtschaftskrisen –, welche Standorte tragen und welche sich überschätzen. Erfolg ist 2025 kein Automatismus von Größe oder Tradition mehr, sondern das Resultat politischer, steuerlicher und strategischer Vernunft.


Kunstmessen sind längst keine neutralen, unbedingt gewinnbringenden Plattformen mehr, sondern ökonomische Hochrisikozonen. Wer offensichtliche Marktmechanismen ignoriert, zahlt – meist lautlos, aber nachhaltig. Während einzelne Messen Rekorde feiern, geraten andere in strukturelle Schieflage. Der Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern liegt im Realitätssinn.
 

International: Konzentration, Verschiebung, Dominanz

International zeichnen die Kunstmessen 2025 ein überraschend klares Bild: Der Markt zieht sich nicht zurück, er konzentriert sich. Die Art Basel Paris war der unumstrittene Höhepunkt des Jahres. Viele Galerien bezeichneten sie offen als beste Verkaufsmesse 2025, teils als die stärkste seit Jahren. Abschlüsse in Millionenhöhe erfolgten früh, die Präsenz internationaler Sammler:innen aus den USA, Asien und dem Mittleren Osten war außergewöhnlich dicht. Paris profitierte von steuerlichen Vorteilen, institutioneller Schlagkraft und einer klaren politischen Willensentscheidung für Kultur. Anders als früher blieben die Erfolge nicht auf wenige Blue-Chip-Galerien beschränkt – auch mittlere Galerien berichteten von substanziellen Umsätzen.

Paris ist nicht mehr im Aufstieg, sondern Maßstab.

London hingegen verliert weiter an Zugkraft. Frieze bleibt ein Fixpunkt, doch Zölle, Visa- und Zollformalitäten sowie steigende Transport- und Versicherungskosten machen internationale Beteiligungen zunehmend unattraktiv. Die kaufkräftigen britischen Sammler:innen konzentrieren sich stärker auf nationale Galerien und Künstler:innen, internationale Käufe werden selektiver. London ist kein selbstverständlicher Umschlagplatz mehr, sondern ein Standort mit hohen Eintrittshürden.

Die 56. Ausgabe  der Art Basel in Basel musste sich in einem schwierigen Umfeld behaupten – geprägt von politisch-wirtschaftlicher Unsicherheit und der anhaltenden Debatte um den Standort. Die wiederkehrende Frage, ob die Messe langfristig in der Schweiz bleibt, erzeugt spürbare Nervosität. Die Stimmung war entspannt, aber nicht euphorisch, auch aufgrund der geringeren Präsenz von US-Sammler:innen.

Trotz dieser Erfolge bleiben für die Messe Schweiz zentrale Fragen offen, insbesondere im Hinblick auf die künftige Standortstrategie und die neue Art Basel Qatar 2026. Die Zeichen verdichten sich, dass sich die Zentren des Kunstmarkts schrittweise von Europa und den USA wegbewegen.

In Miami zeigte sich ein differenziertes Bild. Die Art Basel Miami Beach bleibt relevant, insbesondere für den US-Markt, doch die frühere Euphorie ist verflogen. Verkäufe waren stabil, teils sehr gut, gleichzeitig fehlten auffällig viele europäische Galerien und Sammler:innen. Politische Unsicherheiten, Kostenexplosion und eine gewisse Ermüdung angesichts der wachsenden Zahl an Art-Basel-Ablegern dämpften die Dynamik. Der schicke Glanz bleibt – die Unbedingtheit nicht.

Art Basel in Basel 2025, Courtesy of Art Basel

Katharina Grosse CHOIR, 2025, Messeplatz project, Art Basel, Courtesy of the artist (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2025, Art Basel in Basel 2025, Courtesy of Art Basel

Die ARCO 2025 positionierte sich zu Jahresbeginn als verlässlicher Fels in der Brandung, insbesondere als Brücke zwischen Europa und Lateinamerika. Der Fokus lag auf hoher künstlerischer Qualität und gut kuratierten Ständen statt auf kurzlebigen Trends. Institutionelle Ankäufe – vor allem von Künstlerinnen – signalisierten die Stabilität eines robusten iberischen Markts.

Stabil präsentierten sich auch die Art Düsseldorf, getragen von einer kaufkräftigen regionalen Sammlerschaft, hohen Besucherzahlen und seit Beginn 2025 günstigen steuerlichen Rahmenbedingungen. Messechef Walter Gehlen brachte es auf den Punkt: Die Mehrwertsteuersenkung habe Sammler:innen „die Ausreden genommen“. Die Art Brussels bestätigte mit verschlankter Struktur ihren Turnaround, während die Artissima Turin ihre Sonderstellung als intellektuell fundierte Messe mit starker institutioneller Verankerung behauptete. Verkäufe waren gut, Museen und Sammlungen kauften entschlossen – ein Hype blieb aus. In Zeiten wie diesen ist das eher ein Stabilitäts- als ein Schwächesignal. Ergänzt wurde dieses Bild durch die Market Art Fair Stockholm, die sich vorsichtig international öffnete und dank sammlergetragenem Eigentümermodell langfristig planen und agieren kann.
 

Österreich: Messewahnsinn im Kleinmarkt

Demgegenüber steht Österreich – ein kleiner Markt mit einem strukturell überdimensionierten Messeangebot. Wien ist 2025 endgültig im Messewahnsinn angekommen: Mehr als zehn Kunstmessen fanden trotz schlechter Marktvorzeichen statt (Spark Art Fair Vienna, Art Austria, Art at the Park, Affordable Art Fair, viennacontemporary, Parallel Vienna, Vienna Highlights, Fair for Art, Vienna Art Book Fair, Paper Positions, Art & Antique Hofburg; hinzu kamen als „Mitnascher“ am heimischen Kunstmarkt curated by und die Vienna Art Week). Die Folge ist keine Belebung, sondern eine Fragmentierung von Publikum, Kaufkraft und Aufmerksamkeit – und ein massiver künstlerischer Qualitätsverlust.

Besonders deutlich wurde dies durch die parallele Austragung der Stage in Bregenz und der Spark Art Fair in Wien. Viele Galerien mussten sich entscheiden; eine Doppelteilnahme war wirtschaftlich kaum darstellbar. Die Stage endete wirtschaftlich mit klarer Schlagseite. Einzelne Aussteller:innen retteten sich in letzter Minute mit signifikanten Verkäufen, für die Mehrheit blieb ein spürbares Minus. Messeleiter Renger van den Heuvel zog die Konsequenz: 2026 Pause, Konzeptüberarbeitung, Sponsorensuche. Eine Rückkehr 2027 ist angekündigt – jedenfalls nicht mehr zeitgleich mit der Spark.

Doch auch die Spark konnte aus dieser Konstellation keinen Vorteil ziehen. Trotz Hauptstadtbonus und etabliertem Format blieben die Ergebnisse verhalten. Verkäufe fanden statt, Dynamik entstand keine. Der Markt hat klar signalisiert: 

Zwei zeitgleich stattfindende zeitgenössische Kunstmessen sind in Österreich nicht tragfähig.

Symptomatisch ist auch die Situation der viennacontemporary. Nach dem kontroversen Abgang von Francesca Gavin präsentierte die neue künstlerische Leitung unter Abaseh Mirvali (lesen Sie hier unser Interview) in kurzer Zeit eine durchaus sehenswerte Ausgabe. International blieb die Messe jedoch schwach besetzt, die Verkäufe durchschnittlich.

© SPARK Art Fair 2025

© SPARK Art Fair 2025

Kurz nach einer Aussendung, die den großen Erfolg der Messe betonte, folgten Kündigungen und Abgänge des gesamten Teams aufgrund wirtschaftlicher Schieflage. Was oder wem eine vor Kurzem eingesetzte Advisorin hier (be)raten soll, bleibt rätselhaft. Die Abberufung von Geschäftsführer Markus Huber wurde bereits im Sommer lanciert – er ist jedoch weiterhin im Firmenbuch als solcher gelistet. Der letzte öffentlich verfügbare Jahresabschluss stammt aus 2022 und weist einen signifikanten Bilanzverlust aus. Seither herrscht Intransparenz – ein fatales Signal in einem Markt, der auf Vertrauen angewiesen ist. Bei der Spark zeigt sich ein ähnliches Bild: Verbindlichkeiten von rund 1,8 Millionen Euro, immerhin mit einem Jahresabschluss aus 2024. Befragte Steuerberater:innen schütteln bei diesen Bilanzen ungläubig den Kopf.

Wahrscheinlich wäre bei beiden Messen ein radikaler Schnitt notwendig – zugunsten eines neuen, realistischeren Messekonzepts, etwa in Vereinsform wie bei der ARCO. Das derzeitige toxische wie verlustbringende Gockelspiel führt zu nichts außer weiterer Geldvernichtung.
 

Resümee: Europas selbstverschuldete Schwäche

Was sich im Messejahr 2025 verdichtet, ist weniger eine Krise der Kunst als eine stetige Krise der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – insbesondere in Europa. Der Kontinent kämpft sichtbar gegen die Abwanderung des (Kunst-)Kapitals nach Asien und in die arabischen Staaten.

Und tut sich dabei selbst keinen Gefallen. Kaum ein Thema wurde auf den Messen so verbittert diskutiert wie die Mehrwertsteuer auf Kunst: zu hoch in Spanien oder Portugal (ab Jänner 2026 Senkung von 23 auf 6 Prozent), vorerst stabil in Belgien, radikal gesenkt auf fünf Prozent in Italien, 5,5 Prozent in Deutschland – und 13 Prozent in Österreich. 

Statt eines funktionierenden Binnenmarkts entsteht ein steuerpolitischer Fleckerlteppich.

Während Europa zögert und streitet, schaffen andere Regionen Fakten. Die Ankündigungen der Art Basel Qatar im Februar 2026 und der Frieze Abu Dhabi im November 2026 markieren eine neue Phase geopolitischer Verschiebung. Das gewählte Format der Art Basel in Doha erinnert an jenes der Spark: je Galerie eine Künstler:in. Spitz formuliert, erleichtert es staatlichen Instanzen – manche nennen sie Kunstzensoren – Kontrolle, Selektion und kulturelle Absegnung. Kunst wird hier nicht nur Marktvehikel, sondern Instrument politischer und ökonomischer Macht.

Die Lehre aus 2025 ist eindeutig: Kunstmessen funktionieren dort, wo Marktgröße, Steuerpolitik, Timing, urbane Kooperationen und geopolitische Ambition zusammengedacht werden. Europas Problem ist nicht mangelnde künstlerische Relevanz, sondern mangelnde kulturpolitische Koordination. Solange nationale Alleingänge dominieren und Transparenz, Verlässlichkeit sowie gemeinsame Rahmenbedingungen fehlen, wird der Kontinent weiter an Boden verlieren – nicht spektakulär, sondern schleichend. Und genau darin liegt die größte Gefahr.


Messedurst noch nicht gestillt? Hier finden Sie unsere detaillierten Berichte des Jahres 2025:

Messen | PARNASS KunstmagazIN


 

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