So schlägt sich Österreich am Kunstmarkt

Zwischen internationalen Millionenrekorden und medialen Schlagzeilen nimmt Österreich eine eher stille, aber beständige Rolle im globalen Kunsthandel ein. Wien gilt seit Jahrzehnten als Drehscheibe für die Kunst der klassischen Moderne, gewann jedoch zunehmend auch für ausgewählte zeitgenössische Positionen an Bedeutung. Während in London oder New York Rekordpreise für Schlagzeilen sorgen, punktet Österreich mit Beständigkeit und kultureller Tiefe.
Dass Kunst hierzulande nicht nur eine kulturelle, sondern auch eine wirtschaftliche Größe ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Mit rund 24.400 Unternehmen und 44.500 Beschäftigten bildet der Kunstmarkt einen bedeutenden Teil der Kreativwirtschaft in Österreich. Eine zentrale Rolle spielen neben den international agierenden Galerien auch die Auktionshäuser. Sie setzen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturhistorisch Akzente. Das traditionsreiche Dorotheum etwa erzielte im ersten Halbjahr 2025 bereits weit über 100 Millionen Euro Umsatz und zählt damit zu den erfolgreichsten Auktionshäusern Europas. Auch das Wiener Auktionshaus im Kinsky erreicht mit seinem klaren Fokus auf österreichische Künstler:innen internationale Aufmerksamkeit.
Wenn ich einen Picasso oder Monet in Österreich verkaufen möchte, habe ich hier keine Chance – in London oder New York hingegen sehr wohl.
„Wir haben in Österreich einen traditionellen, zugleich starken und lebendigen Kunstmarkt und erzielen internationale Spitzenpreise. Der österreichische Kunstmarkt muss sich international nicht verstecken“, betont Christoph Schulenburg, Leiter der Abteilung Gemälde im Wiener Dorotheum, und verweist auf Käufer:innen aus über 90 Ländern.
Doch während die Auktionshäuser durch internationale Verkäufe und mediale Aufmerksamkeit Österreichs Sichtbarkeit stärken, zeigt sich im direkten Vergleich mit den globalen Zentren auch die Begrenztheit des Marktes. Vor allem im Galerien- und Sammler:innensektor stößt man schnell an strukturelle Grenzen. „Wenn ich einen Picasso oder Monet in Österreich verkaufen möchte, habe ich hier keine Chance – in London oder New York hingegen sehr wohl“, erklärt Lui Wienerroither, Galerie W&K. Der Grund sei schlicht, dass es in Österreich den Markt und die entsprechenden Käufer:innen nicht gebe. „Österreichische Reiche sind keine großen Kunstkäufer:innen“, so Wienerroither.

Martha Jungwirth, Atropos, 1986, Öl auf dünnem Karton auf Leinwand, gerahmt 185 x 125 cm, erzielter Preis € 339.000, Juni 2025, © Auktionshaus im Kinsky GmbH, Wien
Wien ist ein Regionalmarkt für Zentraleuropa, während London und die anderen etablierten Metropolen internationale Kunstmarktzentren sind.
Ein Blick auf die globalen Zahlen verdeutlicht die Größenordnungen: Laut dem Art Basel and UBS Art Market Report 2025 verzeichnete der weltweite Kunstmarkt 2024 einen deutlichen Rückgang. Die Umsätze sanken um 12 Prozent auf 57,5 Milliarden US-Dollar. Die USA behaupteten ihre Position als größter Kunstmarkt der Welt mit einem Anteil von 43 Prozent am globalen Umsatz – trotz eines Rückgangs von neun Prozent auf 24,8 Milliarden US-Dollar. Großbritannien folgt mit 18 Prozent, China mit 15 Prozent. Frankreich konnte seinen vierten Platz mit sieben Prozent verteidigen, verzeichnete jedoch ebenfalls Verluste. Die gesamte Europäische Union kam 2024 auf 8,3 Milliarden US-Dollar, ein Minus von acht Prozent. Vor diesem Hintergrund zeigt sich die Nischenstellung des österreichischen Markts besonders deutlich. Doch gerade diese Überschaubarkeit hat auch Vorteile.
Weiter lesen Sie im PARNASS Special Auctions&Fine Arts 2025, S.7.

Maria Lassnig, Selbstportrait mit Engel, bzw. Kleiner Harlekin, 1961, Öl auf Leinwand, 75,5 x 114,5 cm, erzielter Preis € 481.000, Dorotheum, Mai 2025, © Dorotheum

