Vom Carabinieri-Saal in den Freysauff-Keller

Salzburgs neues Kunst-Kuscheln am Waagplatz

SIFAF 2026, Stand Wienerroither & Kohlbacher, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Die erste „Salzburg International Fine Art Fair“ (SIFAF) füllt die Lücke, die die Absage der Art & Antique riss. Ein Streifzug durch enge Flure und familiäre Wohnzimmerromantik.


Was ein einzelner Buchstabe alles verändern kann: Ein zusätzliches „F“ macht aus einer gescheiterten zeitgenössischen Kunstmesse plötzlich eine SIFAF, die nun für noblen Glanz stehen soll. Während die SIAF („Salzburg International Art Fair“) am Salzburger Flughafen 2020 nach nur zwei Ausgaben schon wieder Geschichte war, wurde die SIFAF – die „Fine Art Fair“ – im denkmalgeschützten Bürgerhaus am Waagplatz nun mit lokaler Prominenz und Champagner aus der Taufe gehoben. Die Konstante bei beiden Messen? Der Organisator und Messeprofi Wolfgang Pelz. Dass der Messejongleur nach einigen Kalamitäten wieder in der Mozartstadt aktiv ist, ist eine Geschichte von voreiligen Entscheidungen und politischer Willkür.

Die Vertreibung aus dem barocken Paradies: Eine Posse in drei Akten

Die Vorgeschichte der SIFAF ist eine Chronik des Scheiterns: Über Jahrzehnte war die Art & Antique in der Residenz zu Ostern eine künstlerische wie kulturelle Institution. Doch 2025 folgte der Rausschmiss. DomQuartier-Direktorin Andrea Stockhammer träumte von einem unterirdischen Besucherzentrum und einem Archäologie-Museum – Kostenpunkt: rund 30 Millionen Euro. Die Messe musste weichen, die Verträge wurden gelöst.

Der Treppenwitz: Kurz darauf dampfte Landeshauptfrau Edtstadler das Millionenprojekt wegen akuten Spardrucks ein. Doch statt die renommierte Kunstmesse reumütig in die herrschaftlichen Prunkräume zurückzuholen, verlief sich die Möglichkeit wegen angeblicher Sorgen des Denkmalschutzes. Während Beobachter:innen rätseln, ob das DomQuartier auf Mieten im hohen sechsstelligen Bereich so leicht verzichten kann, formierte sich der Widerstand der Händler. Ein Ausweichmanöver ins Congress Zentrum beim Mirabellpark scheiterte am Veto einiger Aussteller: Zu teuer, zu weit weg vom Festspielbezirk. In dieser Sackgasse trat Wolfgang Pelz auf den Plan, der auf Initiative von Sylvia Kovacek mit ihr binnen kürzester Zeit 20 Kunst- und Antiquitätenhändler im historischen Haus am Waagplatz zusammenführte.

Klaustrophobie als "Wohnzimmer-Vibe"

Die Eile der Organisation ist an jeder Ecke erkennbar. Der Standbau wirkt improvisiert – und das, obwohl jede einzelne Wand mühsam an die verwinkelten Räumlichkeiten angepasst werden musste. Die Enge im Waagplatz-Bau erinnert eher an eine überwuzelte Kunst-Party als an eine internationale Messe. Da im Denkmal kein Nagel die Wand berühren darf, wird etwa das Montieren der Beleuchtung zur statischen Meisterleistung.

SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Das Gros der Händler:innen rettet sich in kollektive Euphorie: „Familiär“ und „kuschelig“ sind die neuen Schlagworte. Sammler:innen würden in höchsten Tönen vom „Wohnzimmer-Design“ schwärmen – man/frau könne sich so besser vorstellen, wie die Kunst privat wirkt. Ein gewagtes Argument: Wer plant, Klimt, Schiele, Hundertwasser oder gar Großformate von Weiler, Lassnig oder Jungwirth in sein Heim zu holen, besitzt in der Regel kein niedriges, haptisch eher schlichtes Biedermeier-Stüberl, wie die „Stände“ im Haus am Waagplatz suggerieren. Ein Vorteil hat das Haus am Waagplatz in diesen Tagen jedoch gewiss. Aufgrund der meist kalten, schneeregnerischen Witterung müsste „ich im [unheizbaren] Carabinieri-Saal Wollsocken und Thermounterwäsche tragen“, wie es ein Wiener Galerist treffend beschreibt. Immerhin: Die Gastro ist im Haus und Kunsthändler Markus Strassner residiert strategisch brillant direkt neben der Bar.
 

Hochkaräter im engen Korsett
Ein Parcours solider Qualitäten und Sitzenbleiber

Trotz der räumlichen Bescheidenheit wird bei Qualität und Preisen nicht gespart. Wer sich in die oberste Etage wagt, findet sich bei Wienerroither & Kohlbacher und Sylvia Kovacek in einer Art Penthouse-WG samt Bar und Küchenzeile wieder – ein krasser Kontrast zu Wienerroither & Kohlbachers elegantem TEFAF-Auftritt vor zwei Wochen. Hier locken unterschiedliche Arbeiten von Max Weiler auf diversen Medien, deren Preisspanne sich zwischen 14.000 und 180.000 Euro bewegt. In dieser luxuriösen Wohngemeinschaft präsentiert Sylvia Kovacek Kleinformate von Friedensreich Hundertwasser aus dem Jahr 1957 für 165.000 Euro, während Alfons Waldes „Land mit See“ für 58.000 Euro auf einen neuen Besitzer wartet. Auch Egon Schieles „Sitzende Frau“ ist für 645.000 Euro wieder mit von der Partie und scheint mittlerweile fest zum Salzburger Oster-Inventar zu gehören.

Egon Schiele „Sitzende Frau“ bei Sylvia Kovacek auf SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Egon Schiele „Sitzende Frau“ bei Sylvia Kovacek auf SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Beim Kunsthandel Freller buhlen derweil Rudolf Wackers „Varieté Sonderschau“ für 195.000 Euro und ein außergewöhnlicher Albin Egger-Lienz für 245.000 Euro um die Gunst der Sammler. Weniger Glück hatte bisher wohl eine „wilde“ (O-Ton Freller) Martha Jungwirth von 1991: Sie versucht nun schon zum dritten Mal für 425.000 Euro, in der Mozartstadt sesshaft zu werden. Kontrastreicher geht es beim Kunsthandel Runge zu, wo ein kräftiges Mittelformat von Wolfgang Hollegha (168.000 Euro) einem klassischen Fritz Wotruba für 120.000 Euro gegenübergestellt wird.

Interessante Preis-Parallelitäten findet man bei der Galerie Magnet aus Völkermarkt: Hier ist die magische Zahl 180. Sowohl Friedrich Gauermanns wunderbares „Alpenleben“ als auch eine reduzierte Arbeit von Martha Jungwirth sind mit jeweils 180.000 Euro ausgepreist. In der Galerie bei der Albertina Zetter lässt sich hingegen die malerische Evolution der Tiermalerin Norbertine Bresslern-Roth über vier Jahrzehnte hinweg verfolgen, wobei die Preisspitze bei 165.000 Euro liegt – ergänzt durch ein exquisites Mittelformat von Maria Lassnig für wohlfeile 465.000 Euro.

SIFAF 2026, Stand Kunsthandel Freller, Foto: Kolarik | Hechtfisch

SIFAF 2026, Stand Kunsthandel Freller, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Einen kuriosen Seitenwechsel zelebriert die Schütz Art Society: Neben einem kräftigen Porträt von Jean Egger für 105.000 Euro präsentiert man stolz den neuen Direktor des Schütz Museums in Engelhartszell: Gregor Auenhammer. Nach mehr als 27 Jahren beim „Standard“ hat der Edelfeder-Journalist und Buchautor die Seiten gewechselt. Statt über Kunst zu schreiben, wird er nun Ausstellungen kuratieren und Menschen ins Museum locken. Bonne chance! Wer schließlich bis in den hintersten Winkel des Freysauff-Kellers vordringt, wird mit einem wahren Kleinod belohnt: Einer atemberaubenden Pieta-Studie von Martin Johann Schmidt bei Schauer, die für fast schon rührende 5.900 Euro den Besitzer wechseln könnte.

... bleibt zu hoffen, dass das Osterwochenende die Bilanzen retten wird.

SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

SIFAF 2026, Foto: Kolarik | Hechtfisch

Einmaliger Überraschungseffekt oder Dauerlösung?

Da das erste Wochenende verkaufstechnisch nicht besonders gut lief, bleibt für die Kunsthändler:innen zu hoffen, dass das Osterwochenende die Bilanzen retten wird. Wie auch immer die Kunstmesse ausgehen wird: Eine zweite Ausgabe wird unter anderen Vorzeichen stehen. Die Immobilie am Waagplatz soll, wie zu hören und lesen war, von Wolfgang Pelz ganzjährig mit Kunst- und Kulturevents bespielt werden. Jedoch sollte bedacht werden, dass sich der „Kuschel-Faktor“ schnell abnutzt. Was heute als charmant-provisorisch gilt, wirkt morgen nur noch klaustrophobisch. Es bleibt abzuwarten, ob die Stadt Salzburg ihre Residenz-Verweigerung aufrechterhalten kann, wenn der Denkmalschutz erst gegen die nackte finanzielle Realität des DomQuartiers antritt.


SIFAF – Salzburg International Fine Art Fair
Haus am Waagplatz 4
bis Ostermontag 6. April 2026

www.sifaf.art

SIFAF 2026, Stand Wienerroither & Kohlbacher, Foto: Kolarik | Hechtfisch

SIFAF 2026, Stand Wienerroither & Kohlbacher, Foto: Kolarik | Hechtfisch

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